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Der neue TV-Trend: Schuldnerberatung

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Wer heute Schulden hat, kommt mit etwas Glück ins Fernsehen.
Wer heute Schulden hat, kommt mit etwas Glück ins Fernsehen. © dpa

Wen früher eine hohe Schuldenlast drückte, der war arm dran. Wer heute mehrere tausend Euro in den Miesen ist, kommt unter Umständen ins Fernsehen.

Genügend entsprechende Sendungen gibt es ja – die populärste heißt Raus aus den Schulden. Peter Zwegat hat es als Schuldnerberater zum Kultstatus geschafft.

Nun springen andere Sender auf den TV-Trend Finanzcoaching auf. RTL2 startet am Montag Requardt – der Existenzretter; und Kabel eins geht ab dem 3. Juli immer donnerstags mit Hagen hilft! auf Sendung. Das Besondere daran: Nicht privaten Schuldnern, sondern Kleinunternehmern soll geholfen werden.

Die Frage ist: Warum sehen die Deutschen so gerne dabei zu, wie Otto-Normal-Bürger seine finanzielle Notlage im TV offenlegt? Ist es die Lust am „Fremdschämen“? Der „Dem geht’s ja viel schlechter als mir“-Effekt? Oder erhoffen sich die Zuschauer wirklich Rat und Hilfe bei eigenen Problemen?

Das Phänomen begann vor ein paar Jahren ganz unspektakulär. In der Sat.1-Talkshow Vera am Mittag gab ein medial noch nicht weiter aufgefallener Schuldnerberater namens Peter Zwegat (!) den verzweifelten Gästen Finanztipps. Zwegat, damals noch mit Bart, blieb dem Fernsehpublikum in seiner kleinen Rolle wohl noch nicht nachhaltig in Erinnerung. Das änderte sich erst 2007, als er seine eigene RTL-Show mit dem verheißungsvollen Namen Raus aus den Schulden bekam. Bis zu fünf Millionen Zuschauer konnte die Sendung, deren dritte Staffel Ende Mai auslief (Fortsetzung geplant) mittwochs für sich verbuchen – zur besten Sendezeit.

Das soll nun Schule machen. Kabel eins setzt dabei auf Unternehmer-Berater Stefan Hagen, der sich mit Dynamik und lässiger Optik von dem eher trocken-konservativen Coach wie Zwegat abhebt. Immer donnerstags um 21.15 Uhr will der Diplom-Betriebswirt vom Konkurs bedrohte Familienbetriebe auf Vordermann bringen.

Warum Leute seine Sendung einschalten? „Ich hoffe“, sagt Hagen, „sie hat einen Nutzwert. Wenn ich einer Ladenbesitzerin erkläre, wie man das Schaufenster besser einrichten kann, sagen bestimmt einige Zuschauer: ‚Das mache ich auch so.‘ Ein Kollege von mir wurde einmal angerufen und gefragt, ob er das Unternehmen eines Kunden auch so durchleuchten könne, wie die im Fernsehen das machen. Es scheint also einen Bedarf an Coaching-Shows zu geben.“

Der Grund, warum so viele Menschen freiwillig eine Art Offenbarungseid im TV ablegen, ist wohl in den meisten Fällen die blanke Verzweiflung. Eine Klientin von Stefan Hagen (sie ist Chefin eines Friseursalons) erklärt: „Wir haben nach unserem Ermessen alles versucht. Wir waren mit unserem Latein einfach am Ende und brauchten Hilfe.“

Quelle: tz

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