Kaum sichtbarer Satz

„Der Schrei“: Rätsel um Kritzelei auf Gemälde nach Jahrzehnten gelöst - „Es besteht kein Zweifel“

Der Schrei von Edvard Munch
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09.03.2020, Norwegen, Oslo: Ein Mann richtet eine Infrarotkamera auf das Gemälde „Der Schrei“ von Edvard Munch.

„Kann nur von einem Verrückten gemalt worden sein!“ Wie dieser Satz auf Edvard Munchs weltberühmtes Werk „Der Schrei“ gekommen ist, darüber diskutierte die Kunstwelt. Jetzt ist das Rätsel gelöst.

Oslo - Ein rätselhafter und kaum sichtbarer Schriftzug auf dem Original des Meisterwerkes „Der Schrei“ ist von Edvard Munch selbst auf das Ölgemälde geschrieben worden. Mit Hilfe von Infrarotaufnahmen fand das norwegische Nationalmuseum in Oslo heraus, dass der Satz von Munch persönlich stammt. „Es besteht kein Zweifel, dass die Inschrift Munchs eigene ist“, erklärte die Kuratorin Mai Britt Guleng am Montag. Die Handschrift an sich und Ereignisse der Entstehungszeit untermauerten diese Feststellung. „Kunstgeheimnis gelöst“, urteilte die „New York Times“ bereits.

„Der Schrei“: Mysteriöser Satz stammt von Edvard Munch selbst

„Der Schrei“ - auf Norwegisch „Skrik“ - zählt zu den bekanntesten Motiven der Kunstgeschichte. Er ist zu einem zeitlosen Ausdruck menschlicher Angst und selbst zur Vorlage verschiedener Emojis auf dem Smartphone geworden, die Furcht ausdrücken sollen. Munch hat vier „Schrei“-Versionen gemalt, neben dem besagten Original aus dem Jahr 1893 zählt die spätere Version von 1910 zu den berühmtesten davon. Zwei Fassungen wurden in der Vergangenheit aus Museen gestohlen, später jedoch wieder gefunden.

Das kleine Geheimnis des „Schrei“-Originals findet sich im rötlichen Himmel in der oberen linken Ecke des Gemäldes. „Kan kun være malet af en gal Mand!“, steht dort auf Norwegisch geschrieben. Übersetzt heißt das: „Kann nur von einem Verrückten gemalt worden sein!“

Der für das bloße Auge kaum wahrnehmbare Satz wurde per Bleistift auf die Farbe des Gemäldes geschrieben, nachdem Munch das Werk fertiggestellt hatte.

„Der Schrei“ (Edvard Munch): Jahrzehntelanges Rätsel gelöst

Der für das bloße Auge kaum wahrnehmbare Satz wurde per Bleistift auf die Farbe des Gemäldes geschrieben, nachdem Munch es fertiggestellt hatte. Wie die Anmerkung dorthin kam, darüber wurde seit längerem spekuliert. Eine Theorie lautete, dass ein empörter Zuschauer das Sätzchen einst in den Himmel des „Schrei“-Originals geschrieben hatte. Andere mutmaßten, dass der winzige, 1904 erstmals entdeckte Schriftzug vom Maler selbst stammte.

Diese Theorie können die norwegischen Kunstexperten nun bestätigen. Zum einen konnten sie die Handschrift dank der Infrarotaufnahmen mit Notizen und Briefen von Munch abgleichen, zum anderen fußen sie ihre Feststellung auf ein Ereignis 1895, als Munch das Werk erstmals in seiner Heimatstadt Oslo zeigte, die damals noch Kristiania hieß.

„Der Schrei“ hatte damals viel Kritik und Spekulationen über Munchs Geisteszustand ausgelöst, was unter anderem dazu führte, dass ein junger Medizinstudent namens Johan Scharffenberg auf einem Diskussionsabend Munchs Werke als Beweis hinzuzog, dass der Künstler nicht ganz bei Verstand sei. Munch verletzte das sehr, wie er nach Angaben des Museums immer wieder in Briefen und Tagebucheinträgen schrieb. Sowohl sein Vater als auch seine Schwester litten demnach unter Depressionen, Munch selbst wurde 1908 nach einem Nervenzusammenbruch ins Krankenhaus eingeliefert.

Das Urteil des Studenten soll somit hinter dem mysteriösen Satz auf dem Meisterwerk stecken. Das Museum hält es für wahrscheinlich, dass Munch seine Worte schon kurz danach auf dem Werk verewigt hat, vielleicht aber auch erst später.

Was das Ganze am Ende sollte? Das liegt im Auge des Betrachters. „Die Inschrift kann als ironischer Kommentar gelesen werden, aber zugleich als ein Ausdruck der Verwundbarkeit des Künstlers“, wurde Kuratorin Guleng in einer Museumsmitteilung zitiert. „Dass er auf das fertige Gemälde geschrieben hat, zeigt, dass das Erschaffen für Munch ein kontinuierlicher Prozess gewesen ist.“ Ein Rätsel der ganz anderen Art fand ein Amazon-Kunde in einem gebrauchten Buch für 90 Cent. (dpa)

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