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Detox-Trend Fußpflaster - Geniale Erfindung oder ordentlicher Fehltritt?

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Von: Anna Lorenz

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Es klingt wortwörtlich traumhaft: Entgiftende Pflaster sollen über Nacht Schadstoffe aus dem Körper entfernen. tz.de klärt, was es mit dem Detox-Trend „Fußpflaster“ auf sich hat.

München - Der Frühling naht. Während die Natur aus dem Winterschlaf erwacht, fühlen wir uns hingegen nicht unbedingt fit und vital. Die zusätzlichen Weihnachtspfunde sind meist nicht den guten Neujahrsvorsätzen zum Opfer gefallen und der Alltagsstress lässt die Urlaubserholung stetig schmelzen. Eine Extraportion Lebenskraft käme nicht ungelegen, doch Fitness-Studio und Co. erscheinen oftmals nicht als einladende Gedanken.

Detox-Trend: Entgiftungspflaster verspricht Vorteile für den gesamten Körper

Kein Wunder, dass Detox (dt.: Entgiftung) boomt. Der Trend ist längst auch hierzulande angekommen und in Supermärkten und Drogerien vielfach in den Regalen vertreten. Ob Tabletten, Saftkuren, Tees oder Trinkampullen - diverse Produkte werben mit dem Versprechen, unseren Körper von Schlacken, Gift- und Schadstoffen befreien zu können und unsere Gesundheit damit zu verbessern. Immer größerer Beliebtheit erfreut sich mittlerweile ein weiteres Detox-Produkt: Das Fußpflaster.

Das Bild zeigt eine Frau im Unterhemd, auf deren Fuß ein großes, weisses Pflaster klebt. Der Fuß ist im Bildvordergrund.
Schön im Schlaf: Die Fußpflaster sollen über Nacht Giftstoffe aus dem Körper entfernen. © imago stock&people

Das handtellergroße Pflaster soll - über Nacht auf die Fußsohlen geklebt - allerlei Abfallstoffe aus dem Körper ziehen. Funktionieren soll der Trend laut Herstellern, indem stoffwechselanregende Stoffe über die Haut aufgenommen und, von den Schweißdrüsen an den Füßen abgesondert, direkt in das Pflaster aufgesaugt werden. Ist dieses beim Abziehen am nächsten Morgen dunkel eingefärbt, soll die Entgiftungskur geglückt sein und Abgeschlagenheit, Schlafstörungen und sogar das ein oder andere Extrakilo dann der Vergangenheit angehören. Unterstützt werden soll dieser Prozess durch eine Anregung der Akupunkturpunkte auf der Fußsohle.

„Freetox“ statt Detox: Ärzte und Verbraucherschützer warnen

Die Vorstellung vom Gift-Radiergummi, der uns über Nacht gesund und schön macht, klingt tatsächlich ein bisschen zu gut, um wahr zu sein. Und tatsächlich stehen Ärzte und Verbraucherschützer, wie apotheken-umschau.de berichtet, den Produkten kritisch gegenüber. Denn Detox-Produkte können den Stoffwechsel durcheinanderbringen; „auch Wechselwirkungen mit Medikamenten (z.B. Antibabypille, Anm. d. Red.) sind möglich“, so Anneke von Reeken, Referentin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen, gegenüber dem Gesundheitsmagazin. Für Kinder und Schwangere sind Detox-Produkte ebenfalls nicht geeignet. Auch gibt es keine Studien, die sich bisher mit den Pflastern beschäftigt haben - das Urteil von Testgruppen fällt ambivalent aus, auch Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Hautprobleme oder Reizungen sind zu verzeichnen, wie dualdiagnosis.org berichtet.

Das Bild zeigt eine Frau im Büro, die neben einem Kollegen am Schreibtisch sitzt. Beide haben einen laptop vor sich stehen. Die Frau aber hält sich den Kopf und hat Schmerzen.
Um im Alltag fit zu sein, setzen viele auf Detox-Produkte. Doch diese können auch unerwünschte Nebenwirkungen haben. © MATSUO.K/AFLO via www.imago-images.de

Aus diesem Grund dürfen die verschiedenen Helfer auch nicht mehr als „Detox“ verkauft werden, wie der BGH 2017 bestätigte. „Freetox“ ist seither vielfach der neue Name, um die Produkte legal in deutschen Regalen zu halten. In diesem Licht ist vor allem auch online erworbenen Produkten mit Vorsicht zu begegnen. Inhaltsstoffe und Wirkweise sind oft nicht deklariert und eine EU-Zertifizierung fehlt zumeist - ein Fischen im Trüben. Gerade auch den gehypten Fußpflastern wird im Netz nachgesagt, die bräunliche Färbung entstehe nicht durch ausgeleitete Giftstoffe, sondern Chemikalien in dem Pflastermaterial.

Detox-Hype im Realitätscheck: Was hilft wirklich gegen Müdigkeit und Co.?

Laut onmeda.de fehlen bis heute Belege dafür, dass der Körper überhaupt Hilfe bei der Entgiftung braucht. Leber, Darm und Nieren seien dafür zuständig, Abfallstoffe aus dem Körper zu schleusen, so auch Dr. Matthias Riedl, Ernährungsmediziner und ärztlicher Leiter des Medicum Ärztezentrums Hamburg, gegenüber apotheke-umschau.de. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung äußert sich ähnlich gegenüber medwatch.de. Unseren Teil können wir tun, indem wir diese Organe nicht in ihrer Arbeit behindern und auch keine Lebensmittel zu uns nehmen, die Schadstoffe enthalten, die der Körper nicht ausschleusen kann - wie beispielsweise Schwermetalle oder Pestizide. „Wer in hochwertige Lebensmittel investiert, nimmt automatisch weniger Pestizide und damit auch weniger Schadstoffe auf“, so Riedl. 

Das Bild zeigt einen geflochtenen Einkaufskorb auf einem Gartentisch, in dem verschiedene Früchte und Obstsorten liegen.
Wer auf den süßen Snack nicht verzichten will, hat eine Vielzahl gesunder Alternativen zur Auswahl. © monticello via www.imago-images.de

Generell gilt darum: Altbewährt ist immer gut. Wer seinen Körper im Alltag unterstützen möchte, kann sich einfach an dem bekannten Quartett aus genug Schlaf, gesunder Ernährung, ausreichend Bewegung und guter Hydration orientieren. Um die Akupunkturpunkte zu aktivieren, kann eine entspannende Fußreflexzonenmassage helfen. Der Verzicht auf verarbeitete Lebensmittel und vor allem industriellen Zucker lässt nicht nur Pfunde purzeln, sondern legt dem Organismus auch keine Steine beim Abtransport der Abfallprodukte in den Weg (siehe obiges Video). Und wer noch ein bisschen Digital-Detox betreibt, hat auch Zeit, mit frischen Zutaten mal wieder ein neues Rezept auszuprobieren. (askl)

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