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Hier geht's um mehr als Grammatik

Deutsch als Olympia-Disziplin

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Janne Song nimmt auf Einladung des Goethe-Instituts an der "Internationalen Deutscholympiade" teil. Die 17-Jährige aus Neuseeland ist bekennender Fan der deutschen Sprache.

Berlin - 100 Jugendliche aus 50 Ländern haben in den nächsten zwei Wochen ihre eigenen Olympischen Spiele. Sie wetteifern in der Disziplin “Deutsch“. Dabei geht es aber nicht nur um Grammatik.

“Isolieren“ und “Wasserhahn“ sind schöne Wörter, findet Janne Song. Sie ist 17 Jahre alt, wurde in Korea geboren, lebt in Neuseeland und ist bekennender Fan der deutschen Sprache. “Isolieren“ findet sie, “das klingt so elegant“. Und “Wasserhahn“ erst, was für ein witziges Wort, “das liebe ich!“.

In den nächsten zwei Wochen hat sie Gelegenheit, noch mehr “süße deutsche Wörter“ kennenzulernen: Janne Song ist eine von 100 Jugendlichen, die auf Einladung des Goethe-Instituts an der “Internationalen Deutscholympiade“ teilnehmen. Zwei Wochen lang wetteifert sie in Frankfurt mit Deutschschülern aus 50 Ländern um den Titel des Olympiameisters im Deutsch-Sprechen.

Janne hat 30 Stunden Flug hinter sind und die Klimaumstellung vom Winter auf der anderen Seite der Erdkugel zum Sommer in Europa. Sie hat in der Jugendherberge ihr Zimmer bezogen, zusammen mit einer Georgierin, einer Niederländerin und einer Albanerin. Bei ihrem ersten Spaziergang am Mainufer und durch das verwinkelte Alt-Sachsenhausen fand sie Frankfurt “sehr deutsch“. Wieso, könne sie gar nicht genau sagen, “vielleicht wegen der vielen Brücken und weil die Häuser alle so alt sind“.

Alle Worte des Jahres seit 1977

Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Seit 1977 wählt die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden regelmäßig das Wort des Jahres. 1979 wurde der "Holocaust" zum Wort des Jahres gewählt. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
"Rasterfahndung" ist das Wort des Jahres von 1980. Damit wird ein in den 1970er Jahren infolge der vergeblichen Fahndung nach den RAF-Terroristen entwickeltes Verfahren zur vernetzten Durchsuchung von Datenbeständen beschrieben. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
1981 -"Nulllösung": Der Begriff wurde Anfang der 1980er-Jahre im Zusammenhang mit der Debatte um die Nachrüstung geprägt. 1981 unterbreitete US-Präsident Ronald Reagan (rechts) der Sowjetunion (hier Staatsoberhaupt Leonid Breschnew) den Vorschlag einer beiderseitigen Nulllösung für landgestützte Mittelstreckenraketen. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Die "Ellbogengesellschaft" hat das Rennen im Jahr 1982 gemacht. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
"Heißer Herbst" wurde im Jahr 1983 zum Wort des Jahres gewählt. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Als Protest zu Dreckschleudern wie auf diesem Bild, wurde 1984 das "Umweltauto" zum Wort des Jahres ernannt. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
"Glykol" wurde nach dem Glykolwein-Skandal zum Wort des Jahres 1985. Aufgrund des süßen Beigeschmacks nutzten verschiedene Weinerzeuger Diethylenglycol, um ihre Weine verbotenerweise zu „veredeln“. Dabei gefährdeten sie die Gesundheit ihrer Konsumenten, denn Diethylenglycol kann Gesundheitsschäden verursachen. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
"Tschernobyl" wurde nach der Explosion im gleichnamigen Kernreaktor zum Wort des Jahres 1986. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
AIDS und Kondom: Diese beiden Wörter bestimmten die öffentliche Diskussion im Jahr 1987. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
1988 wurde die "Gesundheitsreform" gewählt. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
1989 war für die ehemaligen DDR-Bürger endlich die Ausreise ohne Antrag oder Erlaubnis möglich. Die "Reisefreiheit" wurde damals zum Wort des Jahres. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
"Die neuen Bundesländer" ernannte man 1990 zum Wort des Jahres. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Das ost- und das westdeutsche (Pfeil) Sandmännchen friedlich nebeneinander: Das Wort des Jahres 1991 beschreibt ein etwas unentspannteres Verhältnis. "Besserwessi" (Besserwisser und Wessi) entstand nach der deutschen Wiedervereinigung in den 1990er Jahren und bezeichnet abschätzig das Verhalten einiger westdeutscher Bürger gegenüber der ostdeutschen Bevölkerung, das als besserwisserisch und arrogant empfunden wurde. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
1992 entschied sich die Jury für "Politikverdrossenheit". © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Der "Sozialabbau" machte das Rennen im Jahr 1993. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Ein "Superwahljahr" gab es 1994. In diesem Jahr wurde es auch das Wort des Jahres. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
1995 war "Multimedia" der Favorit der Jury. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Das "Sparpaket" hat meistens einen negativen Beigeschmack für die Bevölkerung. 1996 bestimmte es die öffentliche Diskussion. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Das Jahr 1997 stand unter dem Motto "Reformstau". Dieses Schlagwort kritisiert das Unterbleiben gewünschter politischer oder struktureller Reformen und wurde damals zum Wort des Jahres. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
1998 wurde "Rot-Grün" gewählt - auch zum Wort des Jahres. Hier der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und sein Vize Joschka Fischer (Die Grünen). © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
"Millenium" wurde zum Wort des Jahres 1999 gewählt. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Die "Schwarzgeldaffäre" wurde das Wort des Jahres im Jahr 2000. Sie bezeichnet die illegale Spendenpraxis der CDU in den 1990er Jahren unter dem früheren Bundeskanzler Helmut Kohl (rechts). (Hier mit dem damaligen CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep) © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Nach den Terroranschlägen auf das Word Trade Center in New York wurde der "11. September" zum Wort des Jahres 2001. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Mit der Einführung des Euro hatten viele das Gefühl, dass die Preise von Produkten und Dienstleistungen schlagartig gestiegen sind. Der Begriff "Teuro" drückte den Unmut der Bevölkerung aus und wurde 2002 zum Wort des Jahres gewählt. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
"Das alte Europa" ist das Wort des Jahres 2003. Der ehemalige us-amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld verwendete diesen Begriff auf einer Pressekonferenz. Viele verstanden den Ausdruck als abwertende Bezeichnung für jene europäischen Länder, die eine Teilnahme am Irak-Krieg von 2003 ablehnten oder sich kritisch dazu äußerten. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
"Hartz IV" machte 2004 das Rennen. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Mit der Wahl von Angela Merkel im Jahr 2005 wurde zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik eine Frau zum Staastsoberhaupt gewählt. "Bundeskanzlerin" wurde daraufhin das Wort des Jahres im Jahr 2005. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Nach der Fußball-Euphorie zur WM 2006, wurde der Begriff "Fanmeile" zum Wort des Jahres bestimmt. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
2007 entschied sich die Jury für die "Klimakatastrophe". © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
Seit 2008 sind die Konsequenzen der "Finanzkrise" zu spüren. Seither meldet ein Finanzunternehmen nach dem anderen Insolvenz an. "Finanzkrise" wurde das Wort des Jahres 2008. © dpa
Wahl zum Wort des Jahres der letzten Jahres
2500 Euro Prämie, wenn ein altes Kraftfahrzeug verschrottet und ein Neuwagen oder Jahreswagen zugelassen wird. Die "Abwrackprämie" war eine Maßnahme zur Ankurbelung der Autobranche und ist 2009 das Wort des Jahres. © dpa
“Wutbürger“ ist das Wort des Jahres 2010. “Wutbürger“ stehe für die Empörung in der Bevölkerung, “dass politische Entscheidungen über ihren Kopf hinweg getroffen werden“. Das wichtigste Beispiel dafür war “Stuttgart 21“, das die Sprachexperten auf Platz zwei wählten. © dpa
“Stresstest“ ist das Wort des Jahres 2011. Das gab die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) am Freitag in Wiesbaden bekannt. © dpa

In ihrer Schule in der neuseeländischen Kleinstadt Cambridge hatte sie in der neunten Klasse die Wahl zwischen Französisch, Japanisch, Maori und Deutsch. Für Deutsch haben sich so wenige entschieden, dass zwei Jahrgangsstufen zusammen unterrichtet werden: ganze zehn aus allen 12. und 13. Klassen. Für Janne ist Deutsch nach ihrer Muttersprache Koreanisch, der neuseeländischen Landessprache Englisch und Französisch die vierte Sprache. Studieren will sie zwar Psychologie, ihr Interesse für Sprachen hat aber die gleichen Wurzeln: “Ich unterhalte mich gern mit Menschen.“

Im Winter war Janne zum ersten Mal in Deutschland, sieben Wochen in Gummersbach bei einem Schüleraustausch. Den ersten Kulturschock hat sie also schon hinter sich - oder eher nicht, denn die meisten Vorurteile hätten sich nicht bestätigt, erinnert sie sich: “Die Menschen waren gar nicht unfreundlich.“ In Neuseeland verbänden die meisten Deutschland mit “Autos und Bier und vielleicht noch Fußball“. Sie selbst findet am besten, “dass hier alles so international ist: Überall hört man fremde Sprachen.“

Die Teilnehmer der Deutscholympiade stammen aus 50 Ländern und fünf Kontinenten: Pro Land zwei Schüler zwischen 13 und 19 Jahren, dazu je ein ausländischer Lehrer. Das Turnier findet zum dritten Mal statt, nach Dresden 2008 und Hamburg 2010 ist nun Frankfurt Austragungsort. Die Jugendlichen wetteifern - in drei Sprachniveaus - um den “Olympia“-Titel für das beste Deutsch. “Dabei kommt es nicht nur auf die Qualität der Sprachkenntnisse an, sondern auch auf Kreativität und Teamfähigkeit“, erklärt Sprecherin Angelika Ludwig.

Die Teilnehmer erkunden die Stadt, lösen ein Quiz mit deutschen Redewendungen und diskutieren über eine Vielzahl von Fragen, etwa: “Wie verbringen die Jugendlichen in Deutschland ihre Freizeit und wie in meinem Land?“ oder “Sind die Menschen in Deutschland verschlossener oder offener als in meiner Heimat?“ Am Ende stellen sie die Ergebnisse ihrer Recherchen in Plakaten, Szenen, Talkshows oder Sketchen einer sechsköpfigen Jury vor. Die Sieger stehen am 13. Juli fest.

dpa

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