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Deutsche Touristin stirbt in Italien - Freund erhebt schwere Vorwürfe: Sprach Notdienst kein Englisch?

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Von: Magdalena von Zumbusch

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Janna B. starb in Italien.
Janna B. starb in Italien. © Instagram / dougbunnys_van

Eine deutsche Touristin stirbt in Italien. Weil der Notrufdienst ihren Freund nicht verstanden habe, behauptet dieser. Die Staatsanwaltschaft hält die Aussagen aber nicht für schlüssig und ermittelt.

Fiumicino - In der Nähe von Rom brach die junge deutsche Touristin Janna (25) zusammen. Auf den Notruf ihres Freundes hin gelangte dieser für rund eine halbe Stunde in die Warteschleife, behauptet er. Nach Ermittlungen der Polizei traf der Notdienst dagegen 18 Minuten nach dem Anruf ein.

Am Strand bei der Gemeinde Fiumicino brach die junge Janna G. zusammen

Janna G. war im Januar 2022 mit ihrem Freund Michael D. in einem Camper auf Europareise. Am Strand von Focene bei der Gemeinde Fiumicino (in der Nähe von Rom) ging es der 25-Jährigen plötzlich schlecht, berichtete RTL News. Ihr Freund (34) rief sofort den italienischen Notruf 118 und versuchte, die Situation und ihre Lebensbedrohlichkeit zu erklären.

Es habe allerdings niemand Englisch verstanden und er sei für fast 20 Minuten in eine Warteschleife geschickt worden, berichtete der Ire laut RTL News. Das anschließende Gespräch habe zehn Minuten und 40 Sekunden gedauert. Ihm sei mitgeteilt worden, dass er die Standortinformation auf seinem Handy eingeschaltet lassen solle, damit der Krankenwagen ihn finden könne. Letztlich sei der Rettungswagen erst 44 Minuten nach dem ursprünglichen Notruf eingetroffen, habe Michael D. laut dem Schweizer Nachrichtenportal 20minuten.ch berichtet.

Die Hilfe kam zu spät: Janna G. starb im Krankenhaus von Ostia

Als nach zehn Minuten niemand gekommen war, habe Michael D. beschlossen, um 16.10 Uhr erneut anzurufen. Gleichzeitig startete er den Camper, mit dem das Paar unterwegs war, und fuhr ein paar Straßen weiter. Der Rettungsdienst entdeckte den Camper 15 Minuten später und brachte die junge Frau ins Krankenhaus in Ostia. Kurz nach dem Eintreffen starb Janna G, vermutlich an einem Herz-Kreislauf-Versagen.

Die italienische Gesundheitsbehörde weist den Vorwurf zurück und veröffentlicht Tonbandaufnahmen

Die italienische Gesundheitsbehörde weist den Vorwurf der fehlenden Sprachkenntnisse zurück, berichtet das Newsportal 20minuten.ch. „Der Notrufdienst bietet derzeit Übersetzungen in 16 Sprachen“, habe die Behörde klargestellt. Sie veröffentlichte die Tonaufnahmen der Telefongespräche zwischen Jannas Freund und der Einsatzzentrale, auf denen von Seiten der Notrufbehörde in fließendem Englisch geantwortet werde.

Eine internen Untersuchung der Gesundheitsbehörde habe ergeben, dass der Anruf nur zwei Minuten gedauert habe, berichtet 20minuten.ch. Der Rettungswagen sei 18 Minuten nach dem Anruf an dem beschriebenen Ort eingetroffen, heißt es weiter. Doch das medizinische Personal habe dann die Hilfe der italienischen Polizei anfordern müssen, um den Camper aufzuspüren.

Die Staatsanwaltschaft von Civitavecchia ermittelt offenbar wegen Anstiftung zum Suizid

Das Geschehen wird nun weiter untersucht, berichtet 20minuten.ch. Warum hat der Ire das Fahrzeug mit seiner sterbenden Freundin bewegt, wenn ihm ein Rettungswagen zugesagt wurde? Die Ermittlungen sollen herausfinden, warum seine Aussagen nicht mit den Inhalten des veröffentlichten Tonbandes übereinstimmen.

Sollten die Ermittlungen nicht zugunsten des 34-Jährigen ausfallen, droht ihm ein schwerer Vorwurf. Die Staatsanwaltschaft von Civitavecchia habe inzwischen ein Verfahren wegen Anstiftung zum Suizid eingeleitet.

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