Deutscher Mutter droht die Todesspritze in den USA

Debra Milke ist im Gefängnis sichtlich ergraut.

San Francisco - Debra Milke ist hoffnungsfroh dieser Tage – so sehr, wie man das als Frau sein kann, die fast die Hälfte ihres Lebens in Isolationshaft verbracht hat.

Seit über 21 Jahren sitzt die in Berlin geborene 47-Jährige als Gefangene Nummer 83 533 in einer zwei mal drei Meter großen Zelle im Perryville-Gefängnis im US-Staat Arizona ein. Nun soll sich ihr Schicksal entscheiden: In den nächsten Tagen wird ein Gericht in San Francisco urteilen, ob Milke nach Jahrzehnten ihre Freiheit wiedererlangt oder durch die Giftspritze stirbt. „Ich könnte mich unter meiner Decke verkriechen und mich bemitleiden. Aber das bringt mich auch nicht schneller hier raus“, sagte Milke vor wenigen Wochen im Deutschlandfunk.

Nach eigener Aussage büßt sie für ein Verbrechen, das sie nie begangen hat: Im Dezember 1989 fand die Polizei ihren vierjährigen Sohn Christopher erschossen in der Wüste Arizonas. Laut Anklage soll die damals 27-jährige Debbie ihren ehemaligen Freund Jim Styers dazu angestiftet haben, den Buben umzubringen. Styers, der im Verhör zugab, dass er die Versicherung des Buben kassieren wollte, fuhr mit seinem drogensüchtigen Kumpel Roger Scott und dem Kind erst zum Pizzaessen ins Einkaufszentrum – und dann in die Wüste.

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Ein Richter verurteilte Debra Milke 1991 mit den beiden Mördern des Buben zum Tode. Das Urteil beruht jedoch auf nur einer einzigen Aussage – und die wurde schon während des Prozesses in Zweifel gezogen: Sheriff Armando Saldate, der Milke unter vier Augen vernahm, behauptete, die Frau habe den Mord an ihrem Sohn gestanden. Sie habe diesen nie geliebt und habe ihn endlich loswerden wollen.

Vernehmungsprotokolle, Tonbänder, Abschriften oder Zeugen gibt es von dem Geständnis keine. Saldate präsentierte in der Verhandlung lediglich fünf Seiten voller Notizen, die er auf Basis seiner Erinnerung an das angebliche Geständnis gemacht hatte. Die Originaldokumente habe er weggeschmissen. Milke bestreitet, je ein Geständnis abgelegt zu haben. Zudem sei ihr ein Anwalt verweigert worden.

Die Deutsch-Amerikanerin vermutet, dass der Polizist einen spektakulären Fall brauchte, um seine Karrierechancen als Friedensrichter zu erhöhen. Koste es, was es wolle. „Es gibt keinerlei handfeste Indizien dafür, dass ich an dem Verbrechen beteiligt war. Man kann doch so was nicht aus dem Blauen heraus behaupten“, sagt Milke. Seither kämpft Debra Milke um die Gelegenheit, ihre Unschuld beweisen zu können. Im Jahr 2000 setzten die Behörden einen ersten Hinrichtungstermin fest. Ein Arzt besuchte Debbie damals in ihrer Einzelzelle – ein Schock: „Er legte eine dieser Manschetten um meinen Arm und sagte, dass er meine Venen überprüfen müsse. Da bin ich zusammengebrochen.“

Weil das Berufungsverfahren sich hinzog, wurde die Hinrichtung jedoch verschoben. Aufgegeben hat Milke in all den Jahren nie. Noch immer träumt sie von der Freiheit: „Die Erinnerung an meinen Sohn gibt mir die Kraft, weil gegen ihn und mich ein Verbrechen begangen wurde“, sagt die heute 47-Jährige. „Der Staat hat sich nicht für die Wahrheit interessiert.“

Vielleicht, so hofft die im Gefängnis ergraute Frau, tut er es jetzt: Derzeit wandert Milkes Fall durch die Hände der Bundesrichter von San Francisco. Ihrer Anwältin zufolge hat Debra bereits eine offizielle Erklärung vorbereitet, die sie nach ihrer Entlassung verteilen will. An ihren Tod möchte sie keinen Gedanken verschwenden. „Ich will diese 20 Jahre Gefängnis von mir abschrubben, Ich will wieder eine Frau sein.“

ISP

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