Unser neues Projekt

Deutschland mit 17: Hier erzählen fünf Münchner ihre Geschichten

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Generationenübergreifendes Deutschland: Der 17-jährige Leo und die 85-jährige Irmgard erzählen aus ihrem Leben.

München - Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als Sie 17 waren? Was war Ihnen wichtig, wovon haben Sie geträumt und welchen Traum gelebt? Hier erzählen fünf Münchner ihre Geschichten.

„Mit 17 hat man noch Träume“ sang Peggy March vor 45 Jahren. Wovon haben Sie geträumt? Welche Musik haben Sie gehört? Und wie haben Sie über Politik gedacht?

Wir haben das Jahr 2017 zum Anlass genommen, um herauszufinden, was die „Generation 2000“ vom Leben will. Wie unterscheiden sich die Wünsche der heute 17-Jährigen von den Vorstellungen ihrer Eltern, Großeltern und Urgroßeltern? Verändern sich Wünsche, Ziele und Vorstellungen über die Jahre? Und wie verändert man sich selbst?

Um diesen Fragen und vielen weiteren Fragen auf den Grund zu gehen, startet das Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk an diesem Samstag eine bundesweite Umfrage. Ziel ist es, so viele (un-)erfüllte Träume wie möglich einzufangen und aus hoffentlich unzähligen Einsendungen eine einzigartige Geschichte zu erzählen. Die Geschichte von „Deutschland mit 17“.

Wir haben uns vorab schon einmal umgehört - und Menschen im Alter von 17, 34, 51, 68 und 85 Jahren nach ihren Träumen befragt - träumen Sie mit!

Hier können Sie uns Ihre Geschichte erzählen - starten Sie einfach unsere Umfrage.

Leo Kestler: 17-jähriger Schüler aus München

Momentan steckt der 17-jährige Leo Kestler noch mitten im Abitur. Nach seinem freiwilligen sozialen Jahr in einer Behinderteneinrichtung will er die Welt bereisen. Leo träumt von Afrika - Ghana oder Tansania. „Der Kulturschock muss gewaltig sein“, sagt er. In seiner Freizeit springt er gerne über Treppen, Mauern und Geländer. Leo betreibt Parcour - einen akrobatischen Hindernissport. Seine zweite große Leidenschaft ist die Musik. Leo spielt Gitarre, Schlagzeug und Bass.

Von seinem Leben nach der Schule hat der 17-Jährige klare Vorstellungen: „Ich will mich irgendwann mal selbst versorgen können“, sagt er. Mit eigenem Strom und einem eigenem Gemüsebeet im Garten. „Ich will später von niemandem mehr abhängig sein“, sagt er. Das sei schon immer so gewesen. Für seinen Weg in die Unabhängigkeit jobbt Leo in einem kleinen Lager. Von seinen Ersparnissen will er sich eine eigene Wohnung mieten - ausziehen, die Welt erkunden. „Ich plane ein sehr bodenständiges Leben, sagt Leo.

Extravaganz sei nichts für ihn. „Ich brauche nicht viel zum Glücklichsein“, sagt er. Das Einzige, was den 17-Jährigen gerade nervt, sei die Passivität der Politiker. „Keiner traut sich mehr, klare Ansagen zu machen“, sagt er. Jeder versuche nur, sich irgendwie rauszureden - doch das führe auf Dauer nirgendwohin. „Ich mache mir viele Gedanken über meine Zukunft“, sagt Leo. „Wo werde ich mal wohnen? Wo werde ich arbeiten? Wie werde ich später einmal aussehen? Werde ich alles, was ich mir vorgenommen habe, erreichen?“

Angst habe er allerdings keine. „Ich freue mich auf alles, was noch auf mich zukommen wird“, sagt Leo. „Kinder wären schön.“ Wie viele es sein sollen, weiß der 17-Jährige noch nicht. „Hauptsache, sie sind alle gesund.“

Leo Kestler (17), Schüler aus München


Antun Opic: 34-jähriger Musiker aus München

Schon als kleiner Knirps hat Antun Opic (34) damit angefangen, seinen Traum zu leben. „Ich habe den ganzen Tag lauthals vor mich hingesungen, gescheppert und geklatscht“, sagt er. Mit 17 Jahren gründet er seine erste eigene Band, ein Jahr später geht‘s auf Tour. Seitdem klettert Opic die Karriere-Leiter steil hinauf. In ein paar Wochen kommt sein neues Album raus - „der Traum eines jeden Musikers“, sagt er. Die Platte heißt YU. (Why you - Warum du?) „Die Texte sind sehr schicksalhaft“, sagt Opic. „Ich wundere mich oft, wie wenig man selbst in der Hand hat.“

Vor zwölf Jahren kommt Opic‘s erstes Kind zur Welt. 2012 das zweite, vor einem Jahr das dritte. „Ich hatte eigentlich nicht vor, so früh schon Papa zu werden“, sagt er. „Aber das Schicksal wollte es so.“ Antun Opic beschreibt sich selbst als „halbe Seele.“ Der Vater Kroate, die Mutter Deutsche. Seit 19 Jahren lebt er in München. „Ich liebe meine Basis, mein Zuhause“, sagt Opic.

Hier geht‘s zum Übersichts-Artikel zum Projekt „Deutschland mit 17“.

Immer, wenn der 34-Jährige mit seiner Band die Welt bereist, führt er ein Leben aus dem Rucksack. „Das ist cool, aber nur, solange man weiß, wo man zuhause ist“, sagt er. Früher sei er noch sorgenfreier gewesen – „ohne das Gefühl, funktionieren zu müssen.“ Vor allem mit einer Familie sei die Verantwortung immens, sagt Opic. Mit 34 Jahren fühle es sich so an, als würde einem die Welt nicht mehr gehören.

Trotzdem habe er das Träumen nie verlernt. Seine Helden seien nach wie vor dieselben: Bob Marley, Tom Waits, lokale Künstler. „Ich bewundere vor allem die unkommerziellen Leute. Die, die genau das machen, wovon sie träumen.“ Im Moment träumt Opic von einem eigenen Studio – von einem Ort, „an dem man einfach alles stehen lassen kann.“

Antun Opic (34), Musiker aus München


Antonio Guardo: 51-jähriger Verkäufer aus München

„Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wäre das mein heutiger Job in den 80er Jahren“, sagt Antonio Guardo (51). Für den gebürtigen Italiener war das Lebensgefühl vor dreißig Jahren noch ein anderes: „fröhlicher und irgendwie lebendiger“, sagt er. Damals seien die Leute kommunikativer gewesen. Heute finde fast jedes Gespräch über Textnachrichten statt. „Mir fehlt der offene Umgang, das persönliche Gespräch von Angesicht zu Angesicht“, sagt er.

Außerdem habe man während der 80er Jahre noch genau so sein dürfen, wie man war, sagt Guardo. Der 51-Jährige beschreibt sich selbst als impulsiv, offen und spontan. Vorgefertigte Lebens-Entwürfe seien nichts für ihn. Als er 16 Jahre alt ist, verlässt er seine Familie, seine zehn Geschwister und sein Land.

In unserer Umfrage können Sie uns Ihre Lebensgeschichte erzählen

Guardo fährt ohne ein Wort Deutsch zu sprechen über die Grenze, um in Deutschland zu arbeiten. „Ich hatte überhaupt keine Vorstellung“, sagt er. Doch die Neugier treibt ihn an. Guardo sehnt sich nach der Freiheit. „Ich wollte unabhängig sein“, sagt er. Das habe sich bis heute nicht geändert.

Antonio Guaro liebt das Reisen. Von seinem ersten eigenen Gehalt fährt er im November 82 für zwei Wochen nach Gran Canaria. „Wenn ich ein bisschen mehr Geld in der Tasche hätte, wäre ich ständig unterwegs“, sagt er. Am liebsten reist Guardo mit dem Zug. „Ich liebe das Geräusch von ratternden Rädern auf den Gleisen.“ Heute verkauft der 51-Jährige Reiseführer und Romane. „Ich glaube, ich bin am richtigen Ort gelandet“, sagt er.

Antonio Guardo (51), Verkäufer aus München


Angelika Koehler-Schiessler: 68-jährige freie Journalistin aus München

„Ich glaube, dass man mit dem Alter cooler wird - zumindest nehme ich heute vieles nicht mehr so ernst“, sagt Angelika Koehler-Schiessler (68). Aufgewachsen ist die Mode-Journalistin auf dem Land. Während ihrer Schulzeit trampt sie oft nach München, schwimmt im Strom der Hippie-Welle mit und träumt von Mode, Reisen und einem Leben in der Stadt. Mit 18 Jahren wird die ehemalige Klosterschülerin schwanger. „Da habe ich gedacht, das war‘s“, sagt sie.

Nach einer kurzen Ehe und mehreren Aushilfsjobs als alleinerziehende Mutter eines Sohnes, entschließt sie sich, ihren Traum anzupacken und bewirbt sich bei einer Zeitung. Von ihren ersten Redakteursgehältern kauft sie sich ein eigenes Pferd - eine gescheckte Western-Stute sollte es sein. Angelika Koehler-Schiessler liebt das Reiten, bis ein böser Unfall ihr den Spaß verdirbt. „Ein halbes Jahr später habe ich das Tier verkauft - denn in meinem Leben musste etwas Neues passieren“, sagt sie.

Hier finden Sie alle Infos rund um unser Projekt „Deutschland mit 17“.

Also zieht sie nach München, wird bald darauf zur Ressort-Leiterin der „Freundin“ ernannt, bereist London, Paris - die Mode-Metropolen der Welt. „Und hui wie der Wind hat sich mein großer Traum erfüllt“, sagt sie. Heute genießt Angelika Koehler-Schiessler ihren Ruhestand in der Altstadt „dem Herzen von München“, schwärmt sie.

Vor etwa dreißig Jahren hat die 68-Jährige eine neue Leidenschaft für sich entdeckt: das Tauchen. Seitdem fliegt sie mindestens einmal im Jahr Richtung Asien. Meistens auf die Malediven. Solange es ihr Geldbeutel erlaubt, will die 68-Jährige die Welt bereisen, ins kristallblaue Wasser abtauchen und die Schwerelosigkeit genießen. „Eigentlich bin ich wunschlos glücklich“, sagt sie.

Angelika Koehler-Schiessler (68), freie Journalistin aus München


Irmgard W.: 85-jährige ehemalige Hauswirtschaftslehrerin aus München

Das Einzige, was Irmgard W. (85) im Alltag fehlt, ist ihr verstorbener Mann. „Ansonsten bin ich rundum glücklich“, sagt sie. Ihre Träume habe sie sich alle erfüllt: Lehrerin werden, einen „pfiffigen Mann“ heiraten und eine gesunde Tochter zur Welt bringen. Mit 17 Jahren besucht die heute 85-Jährige die Mädchenschule in Landshut. Drei Jahre später zieht sie nach München, studiert Hauswirtschaft und Handarbeit an der Pädagogischen Hochschule und wird Lehrerin.

Nach der Ausbildung lernt Irmgard W. ihren zukünftigen Ehemann kennen - einen Lehrer. Ihrem Onkel, dem damaligen Pfarrer vom Alten Peter, habe es überhaupt nicht gepasst, dass ein Protestant in die Familie einzieht. „Aber das war mir wurscht“, sagt sie. 1956 heiratet sie ihre große Liebe. Ein Jahr später kommt ihre erste Tochter zur Welt. 1961 die zweite, vier Jahre später die dritte. „Das Leben hat es gut mit mir gemeint“, sagt Irmgard W..

Was haben Sie so alles erlebt? Hier geht‘s zur Umfrage

Es folgen unzählige Reisen nach Südtirol, Passau, Wien, Berlin und Nizza. „Die Zeit war wunderschön romantisch“, sagt sie. Mittlerweile hat die 85-Jährige zwei künstliche Knie, eine neue Hüfte „und mein Herz mag auch nicht mehr so richtig“, sagt sie. „Ich hätte so gerne noch den Aachener Dom gesehen.“ Trotzdem blicke sie auf ein „rundum erfülltes Leben“ zurück.

Am Abend schwelge sie gerne in alten Erinnerungen. Um sich fit zu halten, lernt Irmgard W. Gedichte auswendig, jeden Monat eins. „Ein paar gesunde Jährchen wären noch schön“, sagt sie. Aber da sei sie ganz optimistisch. Schließlich sei sie schon immer eine kleine Kämpferin gewesen. Ein Löwe - genau wie ihr Sternzeichen.

Irmgard W. (85), ehemalige Hauswirtschaftslehrerin aus München


Sarah Brenner

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