Er rettete Patientem das Leben

Diagnose nach "Dr. House": Arzt im tz-Interview

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Hugh Laurie spielt den kauzigen Dr. House. Die Krankheitsfälle, die in der TV-Serie behandelt werden, sind sehr genau recherchiert.

München - Prof. Jürgen Schäfer konnte einem Patienten das Leben retten, weil er sich an einen Fall aus der US-Kultserie "Dr. House" erinnerte. Im Interview sprach die tz mit ihm über Lupus und darüber, wie er sonst seine Fälle löst.

Die US-Kultserie „Dr. House“ hat einem lebensbedrohlich erkrankten Patienten das Leben gerettet. Der 55-Jährigen litt ohne zunächst erkennbaren Grund an Herzschwäche, hatte Fieber und geschwollene Lymphknoten, er wurde langsam taub und blind, berichtet das Fachblatt „The Lancet“ in seiner aktuellen Ausgabe. Erst als sich Prof. Jürgen Schäfer (57) vom Zentrum für unerkannte Krankheiten in Marburg und erklärte „Dr. House“-Fan des Falles annahm, konnte dem Patienten geholfen werden. Der Mediziner erinnerte sich nämlich an eine ganz bestimmte Folge der TV-Serie. Dem Patienten half am Ende der Austausch seines künstlichen Hüftgelenks aus Metall durch eines aus Keramik. Wie es dazu kam und was der Spezialist mit dem TV-Doktor gemeinsam hat – Prof. Schäfer im tz-Interview:

Sie haben nur fünf Minuten gebraucht , um dem Patienten zu helfen. Wie haben Sie das gemacht?

Prof. Dr. Jürgen Schäfer: Der Mann kam mit schweren Herzproblemen zu uns. Außerdem war er fast blind und taub. Als ich dann gehört habe, dass all diese Beschwerden kurz nach dem Wechsel eines künstlichen Hüftgelenkes auftraten, war ich mir recht sicher, was er hat. Zufällig hatte ich wenige Monate zuvor das Thema „Kobaltvergiftung durch Metallhüftprothese“ in meiner Vorlesung „Dr. House revisited – oder: hätten wir den Patienten in Marburg auch geheilt“. Ich nutze hier die Fernsehserie Dr. House quasi als Türöffner, um meine Studenten für seltene Erkrankungen zu begeistern. Und in der 7. Staffel, 11 Episode wurde zufällig die Kobaltvergiftung thematisiert. Das hat mir dann bei der Diagnostik schon geholfen. Allerdings muss ich sagen, dass wir in Marburg auch ohne „Dr. House“ zur richtigen Diagnose gekommen wären.

Sie gelten als „Deutscher Dr. House“. Läuft ihrer Arbeit am „Zentrum für unerkannte Krankheiten“ ab wie in der Serie?

Schäfer: Die Krankheiten, die in der Serie vorkommen, sind oftmals sehr gut recherchiert. Allerdings dramatisieren die Filmemacher dann bei der Umsetzung doch sehr. Aber es ist ja auch kein medizinisches Schulungsvideo sondern eben eine unterhaltsame Fernsehserie. Einige Gemeinsamkeiten hat unser Zentrum mit Dr. House dann aber doch. Auch wir versuchen die schwierigen Problemfälle im Team zu lösen. Unser Team besteht aus zehn erfahrenen Ärzten der verschiedensten Fachrichtungen, von der Neurologie bis hin zur Onkologie. Bei Bedarf erweitern wir unser Team um weitere Experten. Die Fälle besprechen wir gemeinsam und erarbeiten dabei Vorschläge zur weiteren Abklärung. Manchmal brauchen wir alle uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten einer Universitätsklinik, - etwas, das wir dann aber auch konsequent durchführen.

Können Sie sich mit Dr. House identifizieren?

Schäfer: House bringt eins gut auf den Punkt: Mit Nettigkeit alleine bekommt man niemanden geheilt, dafür braucht es fachliche Kompetenz. Anders gesagt: Die Patienten, die bei einem netten Professor Brinckmann in der Schwarzwaldklinik händchenhaltend sterben, hätte ein miesepetriger Dr. House geheilt. Völlig inakzeptabel ist aber die soziale Inkompetenz eines Dr. House, - Dr. House wäre bei uns schon in der Probezeit rausgeflogen.

In der Serie setzt House immer gleich auf die Krankheit Lupus. Hatten sie schon einmal einen Lupus-Fall?

Schäfer: Ja, Lupus ist auch gar nicht so selten. Es ist nur ein medizinisches Chamäleon. Lupus zeigt so viele Symptome, dass es nicht verwundert, dass Lupus bei House immer wieder Thema ist. Wir hatten auch schon andere Dr. House-Fälle bei uns wie Morbus Addison, Morbus Cushing, Morbus Wegener oder Skorbut. Da hatte uns allerdings keine Dr. House Serie so richtig weitergeholfen, da mussten wir mit dem Labor und weiteren Untersuchungen dran.

Interview: Lukas Kurkowski

Kuriose Fälle aus der Praxis

Eine Frau wunderte sich über die Hautfarbe ihres Gatten – sie war tiefbraun, auch im Winter. Im Garten fiel der Mann einfach um. Zähne putzen fiel ihm schwer. Der Hausarzt fand nichts. Prof. Schäfer diagnostizierte das erblich bedignte Addison-Schilder-Syndrom. Der Mann bekam Cortison. Drei Tage später, so die Ehefrau in der Zeitung Die Welt, tapezierte er das Schlafzimmer.

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Eine Frau litt jahrelang an Übelkeit und Erbrechen, ihr Arzt war ratlos. Per Telefon forschte Prof. Schäfer nach, was im Leben der Frau drei Jahre zuvor geschehen war. Ergebnis: Sie hatte sich einen Straßenhund aus Rumänien angeschafft. Schäfers Verdacht, der Hund habe auf sie Lamblien, einen Parasiten, übertragen, bestätigte sich. Medikamentös lässt sich das heilen.

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Ein Mann beklagte sich, er wache seit Monaten jede Nacht Punkt drei Uhr mit höllischen Rückenschmerzen auf. Seine Ärzte waren ratlos. Prof. Schäfer und sein Team fanden heraus: Obwohl die Matratze des Mannes teuer war und als extrem langlebig galt, war sie schlichtweg durchgelegen. Die simple Lösung: eine Neue!

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