Polizei und Datenschützer schlagen Alarm!

Die dreisten Tricks der Datendiebe

Der gläserne Mensch: Wir hinterlassen ständig Datenspuren.
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Der gläserne Mensch: Wir hinterlassen ständig Datenspuren.

München - Daten-, Verbraucherschützer und der Bund Deutscher Kriminalbeamter schlagen Alarm! Sie fordern schärfere Gesetze gegen Datenklau und warnen: „Es ist kein großer Akt, an illegale Daten heranzukommen.“

Bei einem Testkauf hatten die Verbraucherschützer für 850 Euro sechsmillionen Datensätze mit Kontonummern erhalten.

Der Fall von 17 000 gehandelten Datensätzen von Teilnehmern eines Glückspiels, denen teilweise illegal Geld vom Konto abgebucht worden war, sei nur „die Spitze des Eisbergs“, warnt Verbraucherschützer Gerd Billen. In Deutschland seien 1300 Adresshändler registriert, bei denen Unternehmen Adressen und weitere personenbezogene Informationen kaufen können. „Überall, wo sich Menschen eindeutig identifizieren werden Datensammler fündig“, sagt Florian Glatzner vom Verein Foebud, der jährlich den „Big Brother Award“ für die größten Datenkraken verleiht. Er erklärt, welche Datenspuren wir hinterlassen, die auch missbraucht werden können.

6:35 Uhr: Der Wecker klingelt. „Schon bei der Morgentoilette werden Sie überwacht“, weiß Glatzner. „Viele Energieunternehmen lesen die Zähler mittlerweile elekronisch ab.“ Wird täglich gefunkt, wissen die Unternehmen, dass man zu Hause ist und aufgrund der Wassermenge, wieviele Personen im Haushalt sind. „Bei kürzeren Sendeintervallen, lässt sich sogar ablesen, wann jemand morgens aufs Klo geht“, so Glatzner weiter.

7.03 Uhr: Kurz vor dem Frühstück noch schnell ins Internet. „Wenn der Rechner ans Netz geht, weiß der Internetanbieter, dass ich aufgestanden bin“, so Glatzner. Das gleiche gilt für den Mobilfunkanbieter, wenn das Handy angeschaltet wird.

7:16 Uhr: Noch schnell eine E-Mail schreiben. „Mein E-Mail-Anbieter weiß, wann ich mich einlogge, wem ich eine Nachricht schicke und – wird die E-Mail nicht verschlüsselt – sogar was in dieser Nachricht steht.“ Auch auf dem Versendeweg können Fremde die E-Mail lesen, etwa in einem unverschlüsselten W-Lan-Netz.

7:48 Uhr: Das Telefon klingelt. Sie haben ein Gewinnspiel gewonnen! Natürlich nur, wenn Sie ihre Kontonummer preisgeben. Was dann mit der Nummer passiert, weiß niemand.

8:12 Uhr: Mit der Bahn geht’s zur Arbeit, das Ticket kommt aus dem Automaten „Alle Fahrkartenautomaten der Bahn sind vernetzt“, so Glatzner. „Mit der EC-Karte als Zahlungsmittel identifizieren die Käufer sich. Dann weiß die Bahn, wer wann wohin fährt.“

8:58 Uhr: Auf der Arbeit öffnen Sie die Bürotür mit einem Chip. Viele Arbeitgeber verwenden RFID-Chips, die ausgelesen werden können, ohne dass es der Benutzer merkt. „Diese Lesegeräte können auch im Zugang zum Raucherraum installiert werden“, warnt Glatzner. So kann der Arbeitgeber nicht nur sehen, wer wann kommt und geht, sondern auch in welchen Räumen sich der Mitarbeiter bewegt.

9:57 Uhr: Bei E-Mails liest unter Umständen der Chef mit. Glatzner: „Solche Überwachungsmaßnahmen müssen allerdings mit dem Betriebsrat abgestimmt sein. Die Mitarbeiter müssen wissen, dass ihre E-Mails gelesen werden können.“

12:30 Uhr: Mittagspause im Schnellrestaurant. Viele werden per Video überwacht und wer bargeldlos zahlt, wird registriert. „Restaurantketten sind besonders gut vernetzt“, so Glatzner.

15:12 Uhr: Einkauf bei Ebay. Glatzner: „Bei Einkäufen im Internet sollte man auf eine verschlüsselte Verbindung achten („https“ statt „http“ in der Adresszeile). Sonst können Kontoinformationen mitgelesen werden.“

17:12 Uhr: Schnell das eigene Profil im Internet-Netzwerk aktualisieren. „Eine Beförderung einzutragen ist ja noch ganz nett. Etwas anderes ist es, wenn Partyfotos bei denen sie etwas über die Stränge schlagen, in einem sozialen Netzwerk auftauchen.“ Denn darauf werfen Personalchefs bei Neueinstellungen gerne einen Blick.

18:00 Uhr: Feierabend. Im Supermarkt noch günstiges Hackfleisch für den Hund und eine Flasche Wein gekauft. In der Hoffnung auf Rabatte wird die Kundenkarte gezückt. „In ein paar Jahren kann das auf den Käufer zurück fallen. Wenn die Lebensversicherung mitbekommt, dass jemand in den neunziger Jahren häufig günstiges Rindfleisch gekauft haben, kann sie den Rückschluss ziehen, dass derjenige besonders Creutzfeld-Jakob-gefährdet ist. Auch wenn das Fleisch nur für den Hund bestimmt war“, warnt Glatzner.

18: 37 Uhr: Buchkauf im Internet. Bücher sagen viel über Menschen aus. „In den USA gab es schon Fälle, dass Leute nicht fliegen durften, weil sie die „falschen“ Bücher im Internet gekauft haben.“

19:30 Uhr: Fahrt mit dem Auto. Das Navigationsgerät zeigt nicht nur den Weg, es überträgt auch die Fahrstrecke an den Hersteller des Navigationsgeräts. „Die Hersteller argumentieren damit, dass sie so ihre Stauprognosen optimieren wollen. Gleichzeitig können sie aber auch Bewegungsprofile ihrer Kunden erstellen“, so Glatzner.

21:30 Uhr: Ankunft in einem Hotel. „Dort wird nahezu alles gespeichert. Besondere Wünsche zum Frühstück, besondere Kissen, die Sendungen, die der Gast im Fernsehen gesehen hat.“ Viele Hotels haben sich zu Ketten zusammengeschlossen und tauschen die Daten aus.

Quelle: tz

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