Grünen-Studie: Darum zahlen die Verbraucher rund 50 Prozent höhere Strompreise

Die großen Stromkonzerne verdreifachen ihre Gewinne

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Viele Verbraucher sind von den Gaspreisabrechnungen geschockt

Die vier großen deutschen Stromerzeuger haben in den vergangenen Jahren ihre Milliarden-Gewinne verdreifacht.

Die Zeche zahlen die Verbraucher: Für sie haben sich die Strompreise im gleichen Zeitraum um 50 Prozent erhöht. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die grüne Bundestagsfraktion beim saarländischen Energieexperten und Universitätsprofessor Dr. Uwe Leprich von der Uni des Saarlandes in Auftrag gegeben hat. Trotzdem ist etwa die Hälfte der rund 900 deutschen Stromversorger so unverfroren und will im kommenden Jahr die Preise neuerlich anheben.

Die vier Energieriesen E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall haben alleine zwischen 2002 und 2008 rund 100 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Während E.ON beispielsweise im Jahr 2000 6,6 Milliarden Euro Überschuss erwirtschaftete, waren es 2007 schon 10,4 Milliarden. Bei RWE kletterte das Plus von 129 Millionen auf 5,7 Milliarden, bei EnBW stiegen die Gewinne von 129 Millionen auf 1,5 Milliarden, und bei Vattenfall von 2002 auf 2007 von 569 auf 1,7 Milliarden Euro. Insgesamt verdreifachten sich die Gewinne von 2000 auf 2007 von 6,7 auf 19,5 Milliarden Euro. Die Strompreise für die Verbraucher gingen im Schnitt von 8,6 Cent pro Kilowattstunde auf 12,98 Cent nach oben. Diese Strompreiserhöhungen sieht der Autor der Studie neben der marktbeherrschenden Stellung der vier großen Stromkonzerne als wesentlichen Grund für den explosionsartigen Anstieg der Gewinne.

Bärbel Höhn, Fraktionsvize der Grünen im Bundestag: „Ich habe nichts dagegen, wenn die großen Stromkonzerne gut verdienen. Exorbitante Kapitalrenditen im Kraftwerkspark sind aber problematisch, wenn sie auf monopolartigen Märkten erwirtschaftet werden. Das entzieht den Verbrauchern Kaufkraft und gefährdet Arbeitsplätze. Auf dem deutschen Strommarkt herrscht nach wie vor kein echter Wettbewerb bei der Erzeugung von Strom, deshalb können die Konzerne schalten und walten wie sie wollen. Gerade E.ON und RWE haben immer noch eine marktbeherrschende Position, was erst kürzlich vom Bundesgerichtshof bestätigt wurde.“ Die Politikern fordert den raschen Ausbau der Kuppelstellen zu europäischen Nachbarn, damit mehr Anbieter in Deutschland für Wettbewerb sorgen. Daneben sollten E.ON und RWE entweder in unabhängige Regionalunternehmen aufgeteilt werden oder Kraftwerke an örtliche Stadtwerke verkaufen.

Eine Milliarde - wieviel ist das?

Eine Milliarde - wieviel ist das? © 
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AMEISEN: Auf einem Ameisenhügel tummeln sich im Schnitt eine Million fleißige Insekten. © dpa
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Tausend Haufen ergeben also eine Milliarde Ameisen. © 
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LOTTO: Angenommen, Sie würden jede Woche eine Million Euro im Lotto gewinnen ... © dpa
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Sie bräuchten 19 Jahre und 12 Wochen, um die Gewinnsumme von insgesamt einer Milliarde Euro zu erreichen. © dpa
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ERDE: Wie sah es vor einer Milliarde Jahren auf der Erde aus? Unser Planet hat schon etwa 3,5 Milliarden Jahre auf dem Buckel. © dpa
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Es gibt bereits Meere und Land. Die Sonne hat noch nicht die volle Leistung errreicht, doch sind alle Bedingungen für die Entstehung des Lebens erfüllt. Erste primitive Lebewesen entstehen. © dpa
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SONNE: Und wie ist die Lage in einer Milliarde Jahren auf der Erde? Die Leuchtkraft der Sonne nimmt zu, deshalb wird es auf unserem Globus so heiß, dass die Ozeane zu kochen beginnen. © dpa
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Die letzte Phase der belebten Erde wird eingeläutet! Vier Milliarden Jahre später bläht sich die Sonne zum Riesenstern auf und ein Ozean aus Lava bildet sich auf der Erde, der alle Zeugnisse einstigen Lebens vernichten wird. © dpa
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SPERMIEN: Um eine Milliarde Spermien zu produzieren, muss ein Mann nur 3,5 Mal zum Samenerguss kommen! © dpa
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Im Durchschnitt enthält ein männliches Ejakulat nämlich 300 Millionen Spermien. © dpa
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GELDSCHEINE: Nimmt man 100-Euro-Scheine und stapelt die Summe von einer Milliarde übereinander ergäbe dies eine Höhe von einem Kilometer. © dpa
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Eine Milliarde Euro in 500-Euro-Scheinen würden 2,4 Tonnen wiegen – etwa so viel wie eine afrikanische Elefantendame. Stapelt man sie als Zwei-Euro-Stücke übereinander, müsste man einen 975 Kilometer hohen Turm bauen. © dpa
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HAARE: Jeder Mensch hat durchschnittlich 100 000 Haare auf dem Kopf. Man bräuchte also eine Ansammlung von 10 000 Leuten um eine Milliarde Kopfhaare zusammenzubekommen ... © dpa
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... vorausgesetzt, alle haben welche! © dpa
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BÄUME: Ein Achtel der Wälder in Deutschland – das ergibt eine Milliarde Bäume. © dpa
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Laut Bundeswaldinventur gibt es insgesamt 8,7 Milliarden Bäume. © dpa
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WANDERHEUSCHRECKEN: Regelmäßig suchen Schwärme von Wanderheuschrecken den Norden Afrikas heim. © dpa
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Bei der Heuschreckenplage von 1988 bestanden die Schwärme zum Teil aus bis zu drei Milliarden Tieren! Sie besetzten damals eine Fläche dreimal so groß wie der Regierungsbezirk Oberbayern. © dpa
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GEMÄLDE: Wenn Sie eine Milliarde Euro investieren, können Sie sich eine Bildergalerie erkaufen! Das teuerste Gemälde der Welt, das je verkauft wurde, ist Jackson Pollocks (Foto) No. 5 (1948). Es wechselte 2006 für stolze 140 Millionen Dollar den Besitzer. © dpa
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Oder wie wäre es mit Gustav Klimts Adele Bloch-Bauer? Das Bild kostete 135 Millionen Dollar. © dpa
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OKTOBERFESTE: Das Oktoberfest lockt durchschnittlich sechs Millionen Besucher pro Jahr. © dpa
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Es bräuchte 167 mal Wiesn, um die Milliarde zu erreichen. © dpa
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ESSEN: Wer 3 203 178 Cheeseburger futtert, hat eine Milliarde Kalorien verdrückt. © dpa
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Und bei einem Kalorienverbrauch von 2000 am Tag könnte eine Frau 1370 Jahre von einer Milliarde Kalorien zehren. Oder 17 Frauen wären mit der geballten Eine-Milliarden-Energie ein Leben lang versorgt. © dpa
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ENTFERNUNG: Der Planet Jupiter ist etwa eine Milliarde Kilometer von unserer Erde entfernt. © dpa
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Zum Vergleich: Würde man 25 000 Mal um die Erde fahren, hätte man eine Milliarde Kilometer zurückgelegt. © dpa
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WETTEN, DASS...?: Wahre Wetten, dass..?-Fans träumen vielleicht davon, eine Milliarde Minuten den Witzen von Thomas Gottschalk zu folgen. © dpa
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Das entspricht etwa 6,7 Millionen Sendungen. Um sie alle anzuschauen, würde man 1902,5 Jahre benötigen. © dpa
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FUSSBALLER: Welcher Fußball-Traum-Kader könnte man aus den teuersten Spielern der Welt für eine Milliarde Euro aufstellen? Den Spitzenrekord in Sachen Ablösesumme hält der französische Mittelfeldstürmer Zinédine Zidane, für den Real Madrid 2001 75 Millionen Euro hinlegte. © dpa
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Man könnte sich 13-mal den Superkicker leisten und hätte eine komplette Elf plus zwei hochkarätige Ersatzspieler! © dpa

Gaspreis hat sich verdoppelt

Der Gaspreis hat sich in Deutschland innerhalb von zehn Jahren fast verdoppelt. Laut dem Statistischen Bundesamt stieg der Durchschnittserlös der Gaswirtschaft für die Lieferung an Endverbraucher zwischen 1998 und 2007 von 1,87 auf 3,70 Cent je Kilowattstunde. Auch 2008 dürften die Gaspreise im Schlepptau der hohen Ölpreise bis Jahresmitte wieder deutlich zugelegt haben. Die Stadtwerke München erhöhen die Gaspreise zum 1. Januar 2009 um 14 Prozent.

Strommultis sollen Kraftwerke abgeben - tz-Interview mit Prof. Dr. Uwe Leprich, Hochschule für Technik und Wirtschaft, Saarbrücken

Was läuft falsch in der deutschen Stromwirtschaft?

Prof. Leprich:Im Bereich der Stromerzeugung existiert zu wenig Wettbewerb. Wir haben vier große Stromerzeuger, die den Markt beherrschen. Deshalb hat man ein ungutes Gefühl bei der Strombörsenpreisbildung.

Waren die Strompreiserhöhungen unverschämt?

Prof. Leprich:Man muss unterscheiden. Ein Drittel der Erhöhungen ist auf staatliche Belastungen zurückzuführen. Ein weiteres Drittel ist die Strombeschaffung, 30 Prozent sind Netzkosten. Hier haben wir seit 2005 die Bundesnetzagentur, die auch einen sehr guten Job macht. Da sind keine Belastungen mehr erfolgt. Der Haupttreiber bei den Kosten war in den letzten Jahren die Strombeschaffung und da die Entwicklung an der Strombörse. Und da ist es in der Tat so, dass dort exorbitant hohe Gewinne erzielt werden mit Kraftwerken, die zum größten Teil schon abbezahlt sind und zum anderen durch die Einpreisung der CO2-Zertifikate, die man in den ersten Jahren kostenlos erhalten hat.

Wie offen ist die Strombörse?

Prof. Leprich:Die Börse ist wenig transparent und die Gefahr sehr groß, dass bei wenigen Unternehmen Absprachen erfolgen. Es gibt eine Reihe von Untersuchungen, die belegen, dass die Strompreisbildung an der Strombörse nicht nachvollziehbar ist, verglichen mit der Preisbildung an normalen Börsen.

Also Preisabsprachen?

Prof. Leprich:Ich vermute strategisches Verhalten, im Bereich Kraftwerkseinsatz zum Beispiel, wo man günstige Kraftwerke abschaltet und dadurch teurere Kraftwerke für die Preisbildung ausschlagebend werden. Man treibt den Preis durch das Abschalten von Kraftwerken in die Höhe. Es wäre deshalb sehr wichtig, wie es die Europäische Kommission gefordert hat, die Kraftwerke vom Übertragungsnetz eigentumsrechtlich zu trennen.

Was muss passieren?

Prof. Leprich:Wir brauchen eine Dekonzentration bei der Stromerzeugung. Da gibt es mehrere Vorschläge. Einer stammt vom hessischen Wirtschaftsminister Rhiel, der sagt, wir müssen Kraftwerke von den großen Unternehmen abspalten. Die Monopolkommission fordert dagegen, dass beim Neubau von Kraftwerken andere Akteure zum Zug kommen müssen.

K.H. Dix

Quelle: tz

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