Kleiner Kerl auf dem Dach der Welt

Dieser Knirps (10) will auf den Mount Everest

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„In den Bergen verhält sich Tyler wie ein Erwachsener und nicht wie ein Kind“, sagt Papa Kevin über seinen zehnjährigen Sohn.

München - Der zehnjährige Tyler Armstrong hat ein außergewöhnliches Hobby: Er steigt gerne auf hohe Berge. Jetzt hat er sich ein ganz besonders ehrgeiziges Ziel gesetzt. Die tz sprach mit Papa Kevin.

Tyler Armstrong ist zehn Jahre alt, 1,50 Meter groß und 36 Kilogramm leicht. Er geht in die fünfte Klasse, spielt Fußball und trifft sich mit Freunden – ein normaler Junge eben. Allerdings hat der kleine Kalifornier aus Yorba Linda, rund 60 Kilometer südöstlich von Los Angeles ein außergewöhnliches Hobby, er steigt gerne auf ziemlich hohe Berge. Sein neuer Plan: Tyler will den Mount Everst (8848 Meter) bezwingen, den höchsten Gipfel der Welt. Mutter Priscilla und sein kleiner Bruder Dylan würden seine Kletterlust „für ein bisschen verrückt“ halten. „Aber Mama erlaubt es mir. Sie weiß, dass Papa aufpasst“, sagt Tyler. Seine Leidenschaft entdeckte der Knirps mit sechs Jahren durch eine Fernsehdokumentation.

„Wir dachten zuerst, er macht nur Witze. Aber plötzlich hat er angefangen, zu trainieren, ist joggen gegangen und hat gefragt, ob wir eine Tour machen können“, erzählt Papa Kevin (41) der tz. Als neunjähriger Kletterer stand er im vorigen Dezember auf dem höchsten Berg der Anden, dem 6962 Meter hohen Aconcagua in Argentinien. Damit ging er als jüngster Gipfelstürmer in die Aconcagua-Annalen ein. „Ich kann mir meine Energie besser einteilen. Aber Tyler war damals schon in einer besseren Verfassung als ich, er ist der bessere Kletterer“, sagt Papa Kevin, der zusammen mit seinem Sohn Kletterkurse absolviert hat, um mithalten zu können. „Es war mein erster Weltrekord“, erzählt Tyler stolz. „Man lässt die Wolken weit unter sich. Ganz oben an der Spitze sieht man am Horizont, wie sich die Erde krümmt“, schwärmt er. Nun also der Mount Everest.

2016 möchte Tyler mit zwölf Jahren den Aufstieg wagen. „Das Problem ist das nötige Kleingeld. Es wäre toll, wenn wir einen Sponsor finden würden“, so Kevin. Und die Gefahr? Erst kürzlich starben 26 Menschen im Himalaya-Gebirge. „Natürlich ist es gefährlich“, sagt Kevin. „Aber in den Bergen verhält sich Tyler wie ein Erwachsener und nicht wie ein Kind.“ Von Reinhold Messner hat Tyler schon gehört, sein großes Vorbild aber ist Edmund Hillary, der erste Mann auf dem Everest. Papa Kevin: „Hillary sagte, man muss nur ausreichend motiviert sein, um eine Herausforderung zu meistern. Das will Tyler beweisen.“ Ob man deswegen hoffen soll, dass er das nötige „Kleingeld“ zusammenbekommt, da wären sich auch wohl auch Messner und Hillary nicht ganz sicher.

Deutscher Bergführer-Sprecher: "Ich sehe das sehr kritisch"

 Herr Semmel, ein Zehnjähriger beim Höhenbergsteigen, macht das Sinn?

Chris Semmel, Sprecher des Verbands Deutscher Berg- und Skiführer e.V.: Ich persönlich habe dazu eine sehr kritische Haltung und kann eigentlich nur den Kopf schütteln. Klettern im Hochgebirge hat viel mit Kondition zu tun, dafür muss sich ein Kind ganz schön schinden. Zumal die Rekordjagd, die damit verbunden ist, oft von den Eltern ausgeht.

Tylers Vater sagt etwas anderes. 2016 wollen sie sogar auf den Mount Everest.

Semmel: Ich kenne die familiäre Situation nicht, deswegen will ich mir kein Urteil erlauben. Aber auf 8000 Metern ist eine Menge Eigenverantwortung nötig. Das klassische Führen am Seil ist dort nicht mehr möglich. In Deutschland wäre so eine Tour schon rein juristisch sehr schwierig. Die Amerikaner sind schmerzfreier, die bieten kommerzielle Touren auf den Everest an und arbeiten dabei mit Höhensherpas, die das Gepäck tragen. Das ist für mich der falsche und ein gefährlicher Ansatz, ganz unabhängig vom Alter des Kletterers. Aber ich habe gehört, dass die Nepalesen das Beantragen eines Permits (Besteigungs-Erlaubnis, Anm. d. Red.) eventuell auf 14 Jahre anheben wollen. Das fände ich sehr sinnvoll.

Tyler war auf dem Kiliman­dscharo (5895 Meter) und dem Aconcagua (6962 Meter).

Semmel: Das ist eine gute Leistung, hat aber mit dem Mount Everest nichts zu tun. Die Verhältnisse dort oben sind andere.

Macht es denn überhaupt Sinn, mit Kindern in die Berge zu gehen. Im August verunglückte in Berchtesgaden ein Mädchen (8) auf einer Tour mit der Familie tödlich.

Semmel: Grundsätzlich ist der Ausflug in die Berge absolut positiv. Bergwandern geht immer. Wenn die Kinder größer sind kann man auch mit leichten Skitouren oder ersten Kletterstunden anfangen. Aber die Risikoabwägung erfolgt dabei immer individuell, je nach Reife des Kindes. Eltern müssen dabei nur aufpassen, dass sie ihre Kinder nicht überfordern. Es gibt dabei keine festen Parameter, was ein Zehn-, Zwölf- oder 14-Jähriger darf und nicht darf. Es hängt immer vom Entwicklungsstand des Kindes ab.

Mathias Müller

 

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