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Dilbreen und Dinja: Geboren im IS-Kugelhagel

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Unschuldiger, friedlicher Schlaf: Dilbreen (r.) und Dinja wissen nicht, was draußen um sie herum geschieht.

München - Die Geschichte von Dawod (31) und seiner Familie ist kein Einzelschicksal. Mit einem Neugeborenen, seiner Frau und vier weiteren Kindern muss er vor den IS-Kämpfern flüchten.

Dawod (r.) ist Sprecher seines Clans

Es ist der 3. August 2014. Der Tag der Vertreibung für Tausende von Menschen, vor allem Jesiden, ihre Heimat sind die Gebiete in Sinjar in der Provinz Mosul. In immer kürzeren Abständen kommen an jenem Tag die Nachrichten, dass der IS wieder ein Dorf eingenommen hat, bei Dawod (31) an. Der Vater von vier Kindern weiß nicht, was er tun soll. Schließlich liegt seine Frau in den Wehen. Jeden Moment könnte sein fünftes Kind auf die Welt kommen. Gegen 14 Uhr wird seine Tochter Dinja geboren. Ihr Name bedeutet Welt. „Wir hatten schon alles zusammengerafft, was ging, um so schnell wie möglich unser Dorf verlassen zu können“, erzählt Dawod. Seine Frau weiß, was instinktiv zu tun ist. Sie bindet ihr Neugeborenes an sich, die anderen Männer aus dem Dorf helfen ihr. Gemeinsam flüchtet die Gruppe fünf Stunden lang in die Berge. Es ist brütend heiß an diesem 3. August. Auch in den kommenden Tagen. Über 40 Grad Celsius zeigt das Thermometer an. Es gibt nicht genug Wasser für alle. Die Mutter hat nur wenig Milch für ihr Baby. „Wir haben gekämpft und uns einen Weg Richtung Erbil gesucht“, erinnert sich Dawod.

tz-Aktion mit Unicef: Bilder aus den Krisengebieten

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Der Innenhof der Grundschule wird auch genutzt, um Kleidung zu trocknen.

Irgendwann, drei Tage später, gelangen sie an eine Landstraße, wo sie von Peschmerga-Kämpfern aufgegriffen werden. „Da wussten wir, dass wir jetzt zumindest in Sicherheit sind.“ Dawod ist froh, dass er mit seiner Familie von der Regierung einen Platz in einer Schule zugewiesen bekommt. Seit 6. August lebt er nun dort. In der Avand-Grundschule in Sumeil sind 43 Familien untergebracht. 202 Menschen, davon 23 Säuglinge. In der Veranstaltungshalle der Schule wohnt Dawod mit zehn anderen Familien. Jede davon zählt mindestens sieben Personen. Tagsüber werden die dünnen Matratzen an der Wand gestapelt, sonst hätten nicht alle Personen Platz, um dort zu essen, um sich aufzuhalten. Denn nachts ist es eng in der Halle. Manchmal teilen sich drei oder vier Kinder eine Matte zum schlafen. Dazwischen steht die selbst gezimmerte Wiege von Dinja. Dawod trägt sein Mädchen ein paar Meter weiter zu Dilbreen. Der Bub ist ebenfalls am 3. August geboren. In einem Nachbardorf. Einen Tag ist er zu Hause. „Dann sind wir los“, so Ghalia (29). Sie ist die Mutter von Dilbreen. Acht Tage dauert die Flucht. Erst nach Syrien, dann über die Türkei zurück in den Irak. Ghalia sagt, sie hätten noch Glück. Weil sie ein Auto besitzen. „Sonst hätten wir das nie geschafft. Ich weiß nicht, ob Dilbreen oder ich sonst noch leben würden.“ Außerdem könnten sie das Auto verkaufen, um über die Runden zu kommen. „Wir haben es besser als viele andere hier. Die haben nichts. Nicht mal Nahrung für ihre Babys.“

Ghalia (29) hofft, dass ihr Baby irgendwann zurück in seine Heimat kann.

Ghalia hat den Namen für ihren Buben bewusst gewählt. Verwundetes Herz heißt das Baby: „Ja, das sind wir – im Herzen getroffen und schwer verwundet. Wir haben unser Zuhause verloren, meine Brüder sind tot, und wir wissen nicht, ob unsere Kinder jemals in Frieden in die Heimat zurückkehren können.“ Liebevoll blickt Ghalia ihren Kleinen an. „Wenn Dilbreen so unschuldig und friedlich daliegt, kann ich immer gar nicht glauben, dass das, was um uns herum passiert, Wirklichkeit ist. Und ich hoffe in diesen Momenten, dass alles ein schlimmer Traum ist, aus dem wir bald aufwachen.“

Flüchtlingsunterkunft Schule

Allein in Dohuk, einer 500 000-Einwohner-Stadt im Nordirak, sind 90 Schulen geschlossen und werden für Vertriebene und Flüchtlinge als Notunterkunft genutzt. Der Schulbetrieb für die einheimischen Kinder findet seit den Sommerferien nicht mehr statt. Die Regierung plant, nachdem es genug Plätze in Flüchtlingslagern gibt, die Schulen wieder für die Kinder zu öffnen, und dann soll es für den Rest des Jahres Unterricht ohne Ferien geben. Doch noch fehlt es an Unterkünften. Unicef kümmert sich auch um die Flüchtlinge dort, versucht zum Beispiel Kinder mit dem Projekt „Schule aus der Kiste“ zu unterrichten.

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Dorit Caspary

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