Harvard-Forscher bringen Überlegung ins Spiel

Was war der Dinokiller? Modellrechnung zeigt neues Szenario über das Aussterben der Dinosaurier

Das Skelett-Nachbau eines Tyrannosaurus rex wird im National Museum of Natural History ausgestellt.
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Der T-Rex starb vor 66 Millionen Jahren aus. Doch was war der Grund?

Vor 66 Millionen Jahren starben die Dinosaurier aus. Aber warum? Eine genaue Antwort gibt es dazu noch nicht. Eine Modellsimulation gibt nun neue Hinweise.

München – Bis zu drei Viertel aller Lebewesen auf der Erde damals, auch die Dinosaurier, sind nach einem Einschlag vor 66 Millionen Jahren ausgestorben. Doch was genau hat damals die mexikanische Halbinsel Yucatan getroffen? War es ein Asteroid oder doch ein Komet? Und was ist der Unterschied? Wie das Online-Wissensmagazin scinexx.de berichtet, gibt es nun neue Erkenntnisse, was damals auf unseren Planeten geknallt ist.

Asteroiden werden auch als Kleinplaneten oder Planetoiden bezeichnet - nicht zu verwechseln mit Zwergplaneten, wie etwa Pluto. Die meisten von ihnen befinden sich im Asteroiden-Gürtel zwischen Mars und Jupiter. Sie können im Durchmesser mehrere Kilometer groß sein und bestehen aus festen Stoffen. Und: Mit dem bloßen Auge sind sie nicht zu sehen. Anders bei Kometen. Sie sind zwar kleiner als Asteroiden, bestehen aber aus flüchtigen Substanzen, etwa Eis. Wenn sie in Sonnennähe kommen tauen diese Substanzen auf und bilden den typischen Kometenschweif um den Brocken herum. Unter Umständen können sie dann auch mit bloßem Auge gesehen werden.

Massenausterben vor 66 Millionen Jahren: Wahrscheinlichkeit eines Asteroiden-Einschlags zu gering

Lange Zeit galt ein Asteoridenfragment als wahrscheinlichste Ursache für das Aussterben der Dinos, weil sie häufiger auf die Erde treffen als Kometen. Doch ganz unproblematisch war diese Annahme nicht: Das Objekt, das damals auf die Erde traf, muss ein kohliger Chondrit gewesen sein. Das ist eine besondere und sehr seltene Form der Meteoriden. „Objekte dieser Zusammensetzung und Größe treffen die Erde typischerweise in Abständen von rund 3,5 Milliarden Jahren - zu selten für den Kreidezeit-Einschlag“, erzählen Amir Siraj und Abraham Loeb von der Harvard-Universität.

Was tötete die Dinosaurier? Harvard-Forscher bringen Kometen ins Spiel

Was aber war nun der Auslöser der Katastrophe damals? Die beiden Forscher bringen einen Kometen ins Spiel. Denn sie könnten kohlige Chondrite enthalten. Kometen, die groß genug sind, treffen allerdings nur alle 3,8 Milliarden Jahre auf die Erde, also noch seltener als die entsprechenden Asteoroiden.

Allerdings gibt es da noch den Jupiter, den größten Planeten in unserem Sonnensystem. Siray sagt: „Jupiter ist mit einem Flipper-Automaten vergleichbar.“ Und: „Er schleudert die aus der Oortschen Wolke hereinfliegenden Kometen in Flugbahnen, die sie sehr nahe an die Sonne heranbringen.“ Die Hitze und die starken Gezeitenkräfte können die Brocken dann zerbrechen. Siraj und Loeb haben nun ermittelt, wie oft so etwas vorkommt und wie viele dieser Bruchstücke die Erde treffen könnten. Ihre Modellsimulation haben sie in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.

Chicxulub-Krater: Ähnliche Einschläge sind alle 250 Millionen Jahre möglich, sagen Harvard-Wissenschaftler

Das Ergebnis: In Sonnennähe zerbrechen rund 20 Prozent der Kometen mit über 30 Kilometer Durchmesser. Und ein Teil von diesen Bruchstücken kann bis in Erdnähe gelangen. Dem Modell zufolge könnten es etwa alle 250 bis 730 Millionen Jahre einen Chicxulub-ähnlichen Impakt geben. Loeb: „Wenn man einen solchen Kometen in der Nähe der Sonne zerbricht, kann die Art von Einschlag dabei herauskommen, der die Dinosaurier tötete.“

Nun vermuten Siraj und Loeb, dass auch andere große Krater auf der Erde von Kometen verursacht wurden, nicht wie meist angenommen Asteroidenfragmente. Belege gibt es dafür allerdings noch nicht. Das Wissen über langperiodische Kometen, deren möglichen Bahnen und Einschlagquoten ist bislang zu dünn. „Ich hoffe, dass wir diese Theorie testen können, wenn wir mehr Daten zu langperiodischen Kometen haben“, sagt Loeb. „Dann hätten wir bessere Statistiken und sähen vielleicht auch mehr Indizien für Kometenfragmente.“

Was auch immer damals die Erde also getroffen hat, es muss weiter erforscht werden. Missionen im Weltraum könnten dabei helfen. Erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt sucht die europäische Raumfahrtagentur Esa wieder neue Astronautinnen und Astronauten. Allerdings muss auch die jüngere Geschichte der Erde erforscht werden. Ein Team von Forschern aus der Dominikanischen Republik sucht seit Jahren in der Nähe von Alexandria das Grab der berühmten Königin Kleopatra - und fanden etwas anderes. (ma)

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