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Ukraine-Krieg: Tote Zivilisten in Charkiw – Russland vor Großoffensive

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Von: Tobias Utz, Kerstin Kesselgruber, Karolin Schäfer, Nadja Austel, Lucas Maier

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Russlands Truppen bereiten offenbar eine Großoffensive in der Ostukraine vor. Viele Zivilpersonen werden im Ukraine-Krieg getötet: Die Lage im News-Ticker.

Dieser Ticker ist beendet: Alle aktuellen Entwicklungen des Ukraine-Kriegs lesen Sie in unserem neuen Ticker.

Update vom Montag, 11.04.2022, 07.35 Uhr: Die ukrainischen Behörden haben ihre Warnungen vor einer großen russischen Offensive im Osten des Landes verstärkt. „Die russischen Truppen werden zu noch größeren Operationen im Osten unseres Staates übergehen“, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Sonntagabend.

Die Ukraine bereitet sich für eine Großoffensive Russlands im Osten vor.
Die Ukraine bereitet sich für eine Großoffensive Russlands im Osten vor. © Felipe Dana/dpa

„Die Schlacht um den Donbass wird mehrere Tage dauern, und während dieser Tage könnten unsere Städte vollständig zerstört werden“, erklärte der ukrainische Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Gajdaj, auf Facebook. „Wir bereiten uns auf ihre Aktionen vor. Wir werden darauf reagieren“, erklärte Gajdaj mit Blick auf die erwarteten Angriffe, während die ukrainischen Streitkräfte entlang der Frontlinie zu den Gebieten der pro-russischen Separatisten neue Gräben anlegten und die Straßen mit Minen und Panzersperren blockierten.

Ukraine-Krieg: Tote Zivilisten nach russischen Angriffen in Charkiw

+++ 22.20 Uhr: Bei russischen Angriffen nahe der ostukrainischen Großstadt Charkiw sind nach ukrainischen Angaben zehn Zivilisten getötet worden, darunter ein Kind. Mindestens elf weitere Menschen seien bei Angriffen auf „zivile Infrastruktur“ in den Orten Balaklija, Pesotschin, Solotschiw und Dergatschi verletzt worden, schrieb Regionalgouverneur Oleg Synegubow am Sonntagabend via Twitter.

Ukraine-Krieg: Flughafen in Dnipro zerstört

+++ 17.24 Uhr: Bei den russischen Angriffen auf die Ostukraine wurde laut ukrainischen Behördenangaben der internationale Flughafen südlich der ukrainischen Industriestadt Dnipro „vollständig zerstört“. Vor Kriegsbeginn starteten und landeten hier etwa Linienflüge nach und von Wien oder Berlin.

Wie der regionale Verwaltungschef am Sonntag über den Nachrichtenkanal Walentyn Resnitschenko am Sonntag im Nachrichtenkanal Telegram mitteilte sei neben dem Flughafen selbst auch die gesamte Infrastruktur zerstört worden. Bereits im März hatten russische Angriffe die Flughafengebäude sowie das Flugfeld beschädigt.

Ukraine-Krieg: Gouverneur fürchtet „die Hölle“ bei russischer Offensive im Osten

+++ 10.41 Uhr: Der Gouverneur des Gebiets Luhansk geht von einer baldigen Offensive der russischen Armee im Osten der Ukraine aus. „Es ist eine Frage von Tagen“, sagte Serhij Hajdaj der italienischen Zeitung Corriere della Sera. „Sie stellen sich an der Grenze neu auf und bombardieren uns weiter. Sie kennen keine Moral mehr: Sie machen Krankenhäuser, Schulen und Häuser dem Erdboden gleich.“ In den selbst ernannten „Volksrepubliken“ Luhansk und Donezk haben prorussische Separatisten das Sagen. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte beide als unabhängige Staaten anerkannt und danach einen Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen.

Auf die Frage, was im Ukraine-Krieg nun bevorstehe, sagte Hajdaj: „Die Hölle.“ Er erinnerte an Butscha oder Mariupol, wo seit Wochen schlimme Angriffe und Kriegsverbrechen beobachtet werden. „Bei uns wird es noch viel schlimmer“, sagte der Gouverneur. Anders als in anderen Teilen des Landes gebe es in Luhansk für die Ukrainerinnen und Ukrainer kaum noch Bunker, in denen sie Schutz suchen können. „Wir verstecken uns in den Kellern. Ich versuche, alle meine Mitbürger zu überzeugen, von hier wegzugehen.“

Ukraine-Krieg: Tote in Donezk und Charkiw

Update vom Sonntag, 10.04.2022, 06.39 Uhr: Durch Beschuss sind in der Region Donezk ukrainischen Angaben zufolge mindestens fünf Zivilistinnen und Zivilisten getötet und fünf weitere verletzt worden. Die örtliche Militärverwaltung machte Russland für die Opfer verantwortlich. Auch im nordöstlichen Gebiet Charkiw habe die russische Artillerie von Wladimir Putin* am Samstag (09.04.2022) Siedlungen beschossen, teilten ukrainische Behörden mit. Dabei seien mindestens zwei Menschen getötet und ein Mensch verletzt worden. Viele Häuser seien zerstört.

In der Region Mykolajiw im Süden habe das ukrainische Militär sieben Raketenangriffe der russischen Armee gezählt, hieß es. Dabei sei niemand getötet worden. Ukrainische Kräfte hätten ihrerseits bei drei Angriffen auf russische Truppen am Samstag unter anderem 80 Soldaten getötet sowie drei Panzer und je ein Flugzeug und einen Hubschrauber zerstört. Die Angaben konnten – wie oft im Ukraine-Krieg – nicht unabhängig geprüft werden.

Dem Präsidialamt in Kiew* zufolge konnten am Samstag mehr als 4500 Zivilisten aus den Regionen Donezk, Luhansk und Saporischschja flüchten. Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk warf Russland vor, trotz einer Vereinbarung Busse für Flüchtende auf bestimmten Routen nicht passieren zu lassen. „Die Busse sind nach Saporischschja zurückgekehrt und werden am Sonntag erneut versuchen, die Städte zu erreichen, um unsere Bürger zu evakuieren“, sagte Wereschtschuk.

Ukraine-Krieg: Offenbar Chemieunfall in der Ostukraine

+++ 19.42 Uhr: Bei einem Angriff auf die ostukrainische Stadt Rubischne ist es durch die Beschädigung eines Lagers mit Salpetersäure offenbar zu einem Chemieunfall gekommen. Der Gouverneur des umkämpften ukrainischen Gebiets Luhansk, Serhij Hajdaj, warnte die Bevölkerung nach Möglichkeit in Gebäude zu gehen und Türen und Fenster zu schließen. Menschen in Bombenschutzkellern sollten diese nicht verlassen. Zur Warnung veröffentlichte er ein Video mit einer dicken rötlichen Wolke, die von Salpetersäure stammen soll, die stark gesundheitsschädlich ist.

Wie bei den Angriffen im Ukraine-Krieg üblich beschuldigte die Regierung um Gouverneur Hajdaj russische Truppen des Angriffs, während die prorussischen Separatisten von Luhansk ukrainische Kräfte für den Chemieunfall verantwortlich machten. Die Berichte waren nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur bislang nicht unabhängig überprüfbar. Im benachbarten Lyssytschansk forderte der Chef der militärischen Stadtverwaltung die verbliebenen Bürger zu Flucht auf. „Leider lässt der Beschuss nicht nach“, sagte Olexander Sajika in einer Videobotschaft. Es sei überall gefährlich. Das Gebiet Luhansk werde jedoch nicht aufgegeben.

Ukraine-Krieg: Evakuierung von Kramatorsk wird nach Raketenangriff fortgesetzt

+++ 15.12 Uhr: Am Tag nach dem Angriff auf tausende Zivilpersonen am Bahnhof der ostukrainischen Stadt Kramatorsk geht die Evakuierung der Überlebenden des tödlichen Raketenangriffs weiter. Der Bahnhof selbst, bei dessen Beschuss nach Behördenangaben mindestens 52 Menschen ums Leben kamen und 109 weitere verletzt wurden, bleibt am Samstag weiterhin geschlossen. Nach Angaben der ukrainischen Bahngesellschaft bringen jedoch Züge aus der Nachbarstadt Slowjansk aus, weiterhin schutzsuchende Ukrainerinnen und Ukrainer außer Landes.

Dutzende Überlebende des Bombenangriffs wurden am Samstag nach Angaben von Repotageteams der Nachrichtenagentur AFP mit Bussen und Kleintransportern aus der Stadt gebracht. Knapp 80 überwiegend ältere Menschen hatten die Nacht in einer Kirche nahe dem Bahnhof verbracht.

Ukraine-Krieg: Raketenangriff auf Flüchtende in Kramatorsk „das grenzenlose Böse“

+++ 12.46 Uhr: Die Europäische Union hat Russland für den Raketenangriff mit Dutzenden Toten auf einen Bahnhof im ukrainischen Kramatorsk verantwortlich gemacht und ihn als Kriegsverbrechen bezeichnet. Die EU sei zutiefst schockiert von Russlands Angriff, sagte der außenpolitische Sprecher der EU in einer Mitteilung am Samstag (09.04.2022). „Das war ein brutaler, wahlloser Bombenangriff auf unschuldige Zivilisten, darunter viele Kinder, die auf der Flucht waren aus Angst vor einem weiteren russischen Angriff auf ihre Heimat und ihr Land“, sagte der Sprecher. Die Verantwortlichen für dieses Kriegsverbrechen müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

„Die von den russischen Streitkräften begangenen Gräueltaten in Butscha, Borodjanka und anderen Städten und Dörfern, die jüngst durch die ukrainische Armee von der russischen Besatzung befreit wurden, sowie der brutale Angriff auf den Bahnhof von Kramatorsk sind Teil der verwerflichen Zerstörungstaktiken des Kremls“, hieß es weiter. „Die eklatanten Versuche, die Verantwortung Russlands für diese und andere Verbrechen durch Desinformation und Medienmanipulationen zu verschleiern, sind inakzeptabel“, sagte der Sprecher.

Ukraine-Krieg: Selenskyj fordert „starke weltweite Antwort“ auf Raketenangriff in Kramatorsk

Update vom Samstag, 09.04.2022, 06.19 Uhr: Nach dem tödlichen Angriff auf Flüchtlinge im Bahnhof von Kramatorsk hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj* eine „starke weltweite Antwort“ gefordert. Selenskyj sagte am Freitagabend (08.04.2022) in einer Videobotschaft, für dieses neuerliche „Kriegsverbrechen Russlands“ würden alle Beteiligten zur Rechenschaft gezogen. 

Selenskyj warf Russland vor, die Zivilbevölkerung seines Landes „zynisch zu vernichten“. „Dies ist das grenzenlose Böse“, schrieb er auf Twitter. „Und wenn es nicht bestraft wird, wird es nie aufhören.“ In seiner Videobotschaft fordert er: „Wir erwarten eine starke weltweite Antwort auf dieses Kriegsverbrechen.“

Der Bahnhof der ostukrainischen Stadt Kramatorsk war voller Flüchtlinge, als er am Freitag (08.04.2022) von einer Rakete getroffen wurde. Mindestens 52 Menschen wurden nach Angaben der örtlichen Behörden bei dem Angriff getötet, unter ihnen fünf Kinder. AFP-Reporter vor Ort sahen mindestens 30 Tote unter Plastikplanen und in Leichensäcken. An dem Bahnhof hatten zuvor hunderte Menschen auf einen Zug zur Flucht Richtung Westen gewartet.

Ukraine-Krieg: Zahl der Toten nach Angriff auf Bahnhof in Kramatorsk steigt

+++ 20.12 Uhr: Nach dem Raketenangriff auf die ostukrainische Großstadt Kramatorsk nördlich von Donezk sprechen Behörden inzwischen von 50 zivilen Todesopfern, darunter fünf Kinder. Weitere über hundert Menschen wurden bei dem russischen Angriff am Freitag verletzt. Zwar weist Moskau die Verantwortung für die Aktion zurück, zahlreiche Berichte von westlichen Geheimdiensten und Investigativteams weisen jedoch darauf hin, dass die russischen Streitkräfte hinter der tödlichen Attacke stecken.

+++ 13.45 Uhr: Während Russland versucht, die Verantwortung für den Raketenangriff auf Kramatorsk von sich zu weisen, hat sich mittlerweile auch Wolodymyr Selenskyj geäußert: „Die russischen Monster geben ihre Methoden nicht auf. Ihnen fehlt die Kraft und die der Mut, sich uns auf dem Schlachtfeld entgegenzustellen, deshalb greifen sie die Zivilbevölkerung an.“

In einer Video-Schalte im finnischen Parlament sagte Selenskyj mit Blick auf den Raketenangriff: „Das ist der 44. Tag unserer Realität.“ Weiter gab er zu verstehen, dass es sich um einen gewöhnlichen Bahnhof gehandelt habe.. Laut dem Präsidenten zeige der Angriff, was Russland unter dem „Schutz“ der Donbass-Region verstehen würde.

Krieg im Osten der Ukraine: 30 Tote bei Angriff auf Evakuierungsbahnhof – Gouverneur äußert sich

Update vom Freitag, 08.04.2022, 10.30 Uhr: Bei einem Angriff auf den Bahnhof in der ostukrainischen Stadt Kramatorsk sind mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen. Der Angriff soll mit Raketen erfolgt sein. Der Eisenbahnchef Olexander Kamischyn spricht von mindestens 30 Toten und 100 Verletzten. Vom Bahnhof in Kramatorsk aus sind zuletzt immer wieder Zivilpersonen in den westlichen Teil der Ukraine gebracht worden. Nach dem Evakuierungsaufruf der Regierung in Kiew sind täglich bis zu 3000 Menschen von Kramatorsk aus mit dem Zug aus der Ostukraine gefahren.

Bereits am Dienstag (05.04.2022) äußerte sich eine Ärztin aus Kramatorsk beängstigt gegenüber der Nachrichtenagentur AFP: Sie hoffe, dass die ukrainische Armee noch standhalte, sonst würde in Kramatorsk „das nächste Mariupol“ drohen.

Das Verteidigungsministerium der Ukraine hat derweil auf Twitter Bilder veröffentlicht, welche Kramatorsk kurz nach dem Angriff zeigen. Sie sprechen von insgesamt zwei Raketenangriffen auf die Station. Sie werfen den russischen Streitkräften zudem vor, bei dem Angriff Streumunition verwendet zu haben. Unabhängig überprüft werden konnte dies noch nicht. Die Bilder zeigen mehrere Tote. Der Gouverneur des Oblast Denzk, Pavlo Kyrylenko, spricht davon, dass sich zur Zeit der Angriffe tausende Menschen an der Bahnstation aufgehalten hatten.

Ukraine-Krieg: Charkiw weiter unter Beschuss

+++ 12.45 Uhr: In der Nacht kam es zu 48 Angriffen auf zivile Infrastruktur, das berichtet Kiew Independent unter Berufung auf Oleh Sinehubov, den Leiter der regionalen Verwaltung von Charkiw. In der Stadt Balakliia im Oblast Charkiw, im Osten der Ukraine, wurden nach Angaben von Sinehubow drei Personen getötet. Die Angriffe erfolgten durch Raketen, Artillerie und Mörser. In der Stadt Losowa schlugen laut dem Leiter der Verwaltung ebenfalls Raketen ein, hier kam nach aktuellem Kenntnisstand allerdings niemand zu Schaden.

Ukraine-Krieg: Kampf um Mariupol

Erstmeldung vom Donnerstag, 07.04.2022, 11.45 Uhr: Das Zentrum der seit Wochen umkämpften Hafenstadt Mariupol scheint eingenommen worden zu sein. Prorussische Separatisten haben nach eigenen Angaben, mit Unterstützung der Truppen aus Moskau* die weitgehende Kontrolle über das Zentrum der Stadt im Osten der Ukraine erlangt. Dementgegen steht die Darstellung der Gegenseite. „Mariupol hält sich“, sagte der ukrainische Präsidentenberater Olexeij Arestowytsch. Die Kämpfe hätten sich nach pro-russischen Angaben in den Bereich des Hafens, sowie rund um das Stahlwerk „Asow-Stahl“*, verlagert.

Rund 3000 Soldatinnen und Soldaten der Ukraine würden in Mariupol noch Widerstand leisten, so Bassurin. Laut dem pro-russischen Separatisten würden die Verteidiger Unterstützung aus der Bevölkerung erhalten. Die Angaben konnten bisher nicht unabhängig bestätigt werden. Seit Wochen ist die Lage in Mariupol katastrophal. Die Stadtverwaltung spricht von möglicherweise zehntausenden getöteten Menschen aus der Zivilbevölkerung. Immer wieder scheitern Versuche, die verbliebenen Einwohner zu evakuieren. Mariupol gilt als ein strategischer Schlüssel im Ukraine-Krieg*. (tu/lm/ksa/na/kke mit AFP/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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