Mutmaßlicher Täter soll aggressiv und „unbeschulbar“ sein

Nach Bluttat an Gesamtschule: Polizeipräsident fordert behutsamen Umgang für Opfer - und Täter

Drama im nordrhein-westfälischen Lünen: Am Dienstagmorgen soll ein 15-Jähriger einen Mitschüler (14) an einer Gesamtschule getötet haben. Polizei gibt erste Hinweise auf Motiv bekannt.

  • Nach dem gewaltsamen Tod eines Schülers in Lünen ist der mutmaßliche Täter in Untersuchungshaft gekommen. Das Verfahren unterliegt besonderen Vorschriften. Mehr dazu lesen Sie hier.
  • Einen Tag nach der Tat hat die Schule wieder geöffnet. Lehrer und Schüler trauern.
  • Der getötete Schüler wurde am Samstag den 27. Januar 2018 in Lünen beerdigt. 

Die News vom 26. Januar 2018

Mit einer Traueranzeige in der Zeitung verabschiedet sich die Familie von ihrem Sohn. Die Nachricht ist herzzerreißend.

Die News vom 24. Januar 2018

Update 14.57 Uhr: Nachdem ein Richter für den 15-jährigen Tatverdächtigen Untersuchungshaft wegen des Tatvorwurfs des Mordes angeordnet hat, hat Polizeipräsident Gregor Lange noch einmal auf die Bedeutung professioneller und sachlicher Polizeiarbeit hingewiesen. Das berichtet die Polizei Dortmund in ihrer Pressemitteilung.

Gregor Lange zeigte sich von der schrecklichen Tat tief betroffen: "Die tragische Tat eines minderjährigen Schülers hat auch mich erschüttert. Meine Gedanken und mein Mitgefühl sind bei Familie und Freunden des jungen Opfers, sowie bei seinen Mitschülern und Lehrern, die teilweise Zeugen der Tat wurden." Der Polizeipräsident macht deutlich: "Für mich geht es jetzt darum, den Betroffenen jegliche Unterstützung zukommen zu lassen und mit professioneller Polizeiarbeit alle Hintergründe zur Motivlage umfassend aufzuklären. Es war gut, dass unser Polizeieinsatz so schnell und erfolgreich zur Festnahme des Tatverdächtigen geführt hat. Die eingesetzte Mordkommission konnte zeitnah die Ermittlungen aufnehmen und kann sie nun umfassend weiter führen."

Für Spekulationen und Mutmaßungen in diesem tragischen Fall gebe es keinen Raum. Sowohl die Opferfamilie als auch der minderjährige Tatverdächtige haben Anspruch auf einen behutsamen Umgang mit dem Fall in der Öffentlichkeit. "Es ist mir sehr wichtig, dass die Familien des 14-jährigen Lüners und des 15-jährigen Tatverdächtigen momentan intensiv von den Opferschützern des Polizeipräsidiums Dortmund betreut werden." 

Mit einer Bitte wandte er sich noch an viele, zu Spekulationen neigende Mitmenschen: "Bitte: Räumen Sie den Familien, Mitschülern, Lehrern und allen Mittrauernden Raum und Zeit zur Trauer ein. Zeigen Sie Ihren Respekt!"

Update 14.20 Uhr:

Nach der tödlichen Attacke auf einen Schüler im westfälischen Lünen fordert die Gewerkschaft der Polizei (GdP) eine spezielle Messer-Statistik in Nordrhein-Westfalen. Gerade 15 bis 25 Jahre alte Männer trügen häufiger ein Messer bei sich, sagte der NRW-Landesvorsitzende der GdP, Arnold Plickert. Er habe den Eindruck, dass sich auch Jugendliche zum Selbstschutz bewaffneten. Sie würden davon ausgehen, dass „jeder ein Messer dabei hat“.

Eine entsprechende Statistik könne Auswirkungen auf das Training der Polizisten und ihr Verhalten bei Einsätzen haben, so Plickert. In der Kriminalstatistik für NRW 2016 werden beispielsweise insgesamt 2841 Körperverletzungen an Schulen aufgeführt. Unklar bleibt dabei, wie die Verletzungen zugefügt wurden, weil die Statistik nicht nach einzelnen Waffengattungen unterscheidet.

Update 12.31 Uhr:

 Die Dortmunder Staatsanwaltschaft will nach der Bluttat in einer Gesamtschule in Lünen Haftbefehl wegen Mordes gegen den 15 Jahre alten mutmaßlichen Täter beantragen. Der Jugendliche soll im Laufe des Mittags dem Haftrichter vorgeführt werden, wie die Anklagebehörde am Mittwoch in Dortmund mitteilte. Gegen den Jungen besteht dringender Tatverdacht, am Dienstag einen 14 Jahre alten Mitschüler erstochen zu haben. Die Mutter des 15-Jährigen, die an der Schule einen Termin mit ihrem Sohn bei einer Sozialarbeiterin hatte, wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft Zeugin des Verbrechens. Der Jugendliche hatte nach seiner Festnahme gestanden, den Mitschüler in den Hals gestochen zu haben, weil dieser seine Mutter mehrfach provozierend angeschaut habe. 

Schüler gilt als aggressiv und „unbeschulbar“

Der 15-Jährige, der einen Mitschüler an einer Gesamtschule in Lünen getötet haben soll, sei polizeibekannt gewesen und habe als aggressiv und „unbeschulbar“ gegolten, so die Behörden. Deshalb habe er vorübergehend eine andere Schule besucht. Am Dienstag habe er in der Käthe-Kollwitz-Schule zusammen mit seiner Mutter auf einen Gesprächstermin bei einer Sozialarbeiterin gewartet, weil er zurück auf die Schule sollte. Dabei sei er auf den 14-Jährigen getroffen.

Dabei habe der 14-Jährige nach der Wahrnehmung des mutmaßlichen Täters die Mutter mehrfach provozierend angeschaut, berichtete die Polizei. Daraufhin habe der 15-Jährige ein Messer gezückt und den Mitschüler mehrfach in den Hals gestochen. Die Tatwaffe sei am Tatort sichergestellt worden. Laut Obduktion starb der 14-Jährige durch die Attacke. Der Tatverdächtige sollte am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt werden.

Trauer an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Lünen.

Was passierte an der Gesamtschule?

Am Dienstagmorgen wurde ein Schüler an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Lünen (Nordrhein-Westfalen) getötet. Ein minderjähriger Mitschüler soll den Jungen namens Leon umgebracht haben. 

Bei dem Opfer und dem Tatverdächtigen handelt es sich um deutsche Staatsangehörige. Der Tatverdächtige, der in Deutschland geboren ist, verfügt zusätzlich auch noch über die kasachische Staatsbürgerschaft, berichtet wa.de*. Die Polizei bestätigte die Angaben.

Von einem Amoklauf gehen die Ermittler derzeit nicht aus. „Das ist, glaube ich, auszuschließen“, sagte der ermittelnde Staatsanwalt Heiko Artkämper am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Dortmund. 

Außerdem hat die Polizei Nordrhein-Westfalen Meldungen dementiert, wonach der Angriff nicht dem späteren Opfer gegolten haben soll.

Einer gemeinsamen Pressemitteilung der Dortmunder Staatsanwaltschaft und der Polizei zufolge ereignete sich der Vorfall kurz nach 8 Uhr morgens. Der Tatverdächtige wurde kurz nach der Tat im Rahmen einer sofort eingeleiteten Fahndung am nahegelegenen Datteln-Hamm-Kanal widerstandlos festgenommen. Der mutmaßliche Täter ist laut Polizei 15 Jahre alt, das Opfer 14 Jahre. Beide besuchten die Käthe-Kollwitz-Gesamtschule. Der 15-Jährige soll dort schon lange Schüler gewesen sein, aber zuletzt mehrere Wochen lang eine andere Schule besucht haben. Am Dienstag soll er mit seiner Mutter wieder in der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule erschienen sein.

Eine Mordkommission übernahm die Ermittlungen. Der Tatverdächtige sollte vernommen werden. „Im Moment laufen die Ermittlungen auf Hochtouren, warum das genau passiert ist, was genau passiert ist“, sagte eine Polizeisprecherin. Am Tatort werde nach Spuren gesucht, Zeugen würden vernommen.

Bluttat an Gesamtschule in Lünen - Bilder vom Einsatzort

Schüler an Gesamtschule in Lünen getötet
Im nordrhein-westfälischen Lünen soll am Dienstagmorgen ein Jugendlicher einen Mitschüler an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule getötet haben. © dpa
Schüler an Gesamtschule in Lünen getötet
Im nordrhein-westfälischen Lünen soll am Dienstagmorgen ein Jugendlicher einen Mitschüler an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule getötet haben. © dpa
Schüler an Gesamtschule in Lünen getötet
Im nordrhein-westfälischen Lünen soll am Dienstagmorgen ein Jugendlicher einen Mitschüler an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule getötet haben. © dpa
Schüler an Gesamtschule in Lünen getötet
Im nordrhein-westfälischen Lünen soll am Dienstagmorgen ein Jugendlicher einen Mitschüler an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule getötet haben. © dpa
Schüler an Gesamtschule in Lünen getötet
Im nordrhein-westfälischen Lünen soll am Dienstagmorgen ein Jugendlicher einen Mitschüler an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule getötet haben. © dpa
Schüler an Gesamtschule in Lünen getötet
Im nordrhein-westfälischen Lünen soll am Dienstagmorgen ein Jugendlicher einen Mitschüler an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule getötet haben. © dpa
Schüler an Gesamtschule in Lünen getötet
Im nordrhein-westfälischen Lünen soll am Dienstagmorgen ein Jugendlicher einen Mitschüler an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule getötet haben. © dpa
Schüler an Gesamtschule in Lünen getötet
Schüler an Gesamtschule in Lünen getötet © dpa

Nach unbestätigten Informationen der Bild-Zeitung soll das Opfer mit einem Messer erstochen worden sein. 

Eltern sind bestürzt von der Tat

So richtig fassen können es die Eltern noch nicht, dass gerade ein 14-Jähriger an der Schule ihrer Kinder getötet wurde. „Ich finde es ganz schlimm. Man ist noch richtig konfus“, sagt eine Mutter am Dienstag. Sie hat gerade ihren Sohn, einen Fünftklässler, von der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Lünen nördlich von Dortmund abgeholt.

Abdelkader Bouzea kannte das Opfer. „Ich war sein Fußballtrainer“, erzählt der Mann vor dem Schultor. Noch am Morgen habe er dem 14-Jährigen eine Nachricht geschrieben, wann er zum Training kommen solle. Eine Antwort habe er nicht mehr erhalten.

Bange Minuten am Morgen, kurz nach Unterrichtsbeginn. „Wir mussten in den Klassen bleiben“, erzählt Eren Karatas (14). Dann habe ein Lehrer gesagt, dass jemand erstochen worden sei. Direkt mitbekommen habe er die Tat nicht, aber gehört, dass es einen Streit zwischen Täter und Opfer gegeben haben soll. „Sie kannten sich wohl.“ Erens Mutter Döndü Karatas fragt: „Warum hat der 15-Jährige das getan? Ich bin total traurig, dass es heutzutage so gewalttätig zugeht.“

Notfallseelsorger kümmern sich um die anderen Schüler

An Unterricht ist nach der Tat nicht mehr zu denken. Eltern sollen ihre Kinder abholen. Alleine gehen darf niemand. Schüler mit Handy schreiben ihren Eltern oder rufen sie an. Einem 13-Jährigen steht der Schrecken noch ins Gesicht geschrieben. Er erzählt, dass einige Mitschüler geweint haben, als sie in der Klasse auf ihre Eltern warten mussten. Um die Schüler kümmern sich am Vormittag auch Notfallseelsorger. Zu sehen ist, wie eine völlig aufgelöste Schülerin von zwei Erwachsenen in ein Gebäude begleitet wird.

Bewohner sprechen über die Bluttat: „Sowas ist in Lünen noch nie vorgekommen“

Auch auf der Straße in der Nähe der Schule sprechen die Passanten über die Tat. „Sowas ist hier in Lünen noch nie vorgekommen“, sagt eine 52-Jährige. Die Schule habe eigentlich einen guten Ruf. Man habe schon mal von kleineren Schlägereien gehört, aber in der Zeitung habe eigentlich nie etwas gestanden. Eine 68-Jährige zeigt auf ihrem Handy das Bild einer schwarzen Trauerschleife, die sie kurz zuvor von einer Bekannten bekommen hat. „Traurig“ hat sie dazu geschrieben.

Bürgermeister von Lünen entsetzt: Schweigeminute geplant

Auf der Internetseite der Stadt hat der Bürgermeister von Lünen, Jürgen Kleine-Frauns, sein Entsetzen über die Geschehnisse zum Ausdruck gebracht: „Diese schreckliche Tat macht mich tief betroffen. Wir alle in Lünen sind entsetzt und fassungslos. Unser tiefes Mitgefühl und unsere Anteilnahme gelten der Familie des Opfers. Unsere Gedanken sind aber auch auf die Schulgemeinde gerichtet. In diesen schweren Stunden sind wir für sie da.“ Für Mittwoch, 12 Uhr kündigte er eine Schweigeminute in allen Schulen und im Lüner Rathaus an.

Auf der Webseite der Stadt Lünen teilte der Bürgermeister weiter mit, dass die Schüler derzeit in der Schule sicher seien, die Polizei sei dort im Einsatz. Eltern, die ihre Kinder von Schule abholen wollen, sollten einen Personalausweis mitbringen. Es finde an der Gesamtschule am Dienstag kein Unterricht mehr statt.

Die Kollwitz-Schule ist eine von zwei Gesamtschulen in Lünen, einer Stadt am Rand von Ruhrgebiet und Münsterland. Nach Angaben der Stadtverwaltung besuchen 968 Schüler die Einrichtung. Die Schule hat mehrere Schwerpunkte. Neben einer musisch-künstlerischen Ausrichtung spielen Sprachen, Sport und naturwissenschaftliche, technische und mathematische Schwerpunkte tragende Rollen.

Kinder- und Jugendkriminalität beschäftigt Landespolitik

Zuletzt hatte der Kampf gegen Kinder- und Jugendkriminalität auch die Landespolitik bestimmt. Der frühere NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) hatte ihn als „eine der wichtigsten Aufgaben der NRW-Polizei“ bezeichnet. Immerhin war 2016 jeder fünfte Straftäter jünger als 21 Jahre, die Zahl war im zweiten Jahr infolge wieder angestiegen.

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va/AFP/dpa/Video: Glomex

Rubriklistenbild: © dpa

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