Tod durch Türsteher: Club droht das Aus

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Polizisten stehen in Frankfurt am Main vor der Diskothek U60311, in der am Montag ein Diskobesucher bei einer gewalttätigen Auseinandersetzung schwer verletzt wurde.

Frankfurt/Main - Der Frankfurter Diskothek “U60311“ droht nach einer tödlichen Prügelei am Osterwochenende das Aus: Das Ordnungsamt Frankfurt prüft derzeit, den Club zu schließen.

Der bekannten Frankfurter Diskothek “U60311“ droht nach einer tödlichen Prügelei das Aus: Das Ordnungsamt prüft, den Club zu schließen, sagte der Frankfurter Sicherheitsdezernent Volker Stein (FDP) der Nachrichtenagentur dpa, wie zuvor bereits der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom Donnerstag. “Das ist die Spitze des Eisbergs“, sagte Stein über den Vorfall vom Osterwochenende. Die Polizei hat die Disco schon häufiger im Visier gehabt, unter anderem bei Drogenrazzien.

Für einen 31 Jahre alten Disco-Gast endete der Besuch in dem Tanztempel in der Nacht zum Ostermontag tödlich: Er brach in dem Lokal unter den Schlägen der Türsteher zusammen, die ihn danach schwer verletzt einfach vor der Tür ablegten - zwei Tage später starb der Mann im Krankenhaus. “Ein Streit um Nichtigkeiten hat sich wohl hochgeschaukelt“, sagte ein Polizeisprecher.

“Wenn sich die Ordnungswidrigkeiten häufen, scheint auch die Zuverlässigkeit der Betreiber nicht gegeben zu sein“, sagte Stein. Möglicherweise sei auch gegen das Tanzverbot verstoßen worden, demzufolge in Hessen an Feiertagen in bestimmten Zeiträumen nicht getanzt werden darf. Stein rechnet nicht mit einer schnellen Entscheidung über die Zukunft des Clubs. Er will zunächst die Akten von der Staatsanwaltschaft abwarten. Die Betreiber des “U60311“ lehnten am Donnerstag eine Stellungnahme ab.

Drei Türsteher sitzen in Untersuchungshaft, wie es von der Polizei heißt. Gegen die 29, 32 und 35 Jahre alten Männer soll wegen Totschlags ermittelt werden. Ein vierter Mann wurde bereits wieder auf freien Fuß gesetzt. Gegen den 20-Jährigen wird aber weiter wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt.

Mögliche Tatwaffe: ein mit Quarzsand gefüllter Handschuh, der an dem Abend sichergestellt wurde. Handschuhe wie dieser sollen die Wucht bei Faustschlägen erhöhen. Der Ablauf der Schlägerei sei noch unklar, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft, nachdem zehn Zeugen befragt wurden. Die Ermittler gingen jedoch nicht davon aus, dass das Opfer einen Streit provoziert habe. Ohne ersichtlichen Grund sei der Gast an der Theke von einem der Türsteher gepackt worden.

Klar ist bislang: Mit Schlägen und Tritten wurde der 31-Jährige im Lokal bewusstlos geprügelt und anschließend vor die Tür geschleppt. Dort fand seine Freundin den Verletzten und holte Hilfe.

Die Disco in einer ehemaligen Fußgängerunterführung mitten in der Frankfurter Innenstadt ist etwa 1000 Quadratmeter groß. Betreiber des Clubs ist eine GmbH. Seit 1994 mietet diese Gesellschaft das Gelände von der Stadt, der Mietvertrag wird jährlich verlängert. “Es gibt keine Überlegungen zu einer außerordentlichen Kündigung“, sagte Mathias Wilhelm, stellvertretender Leiter des Liegenschaftsamtes.

Der Club war im Jahr 2002 bereits vorrübergehend geschlossen worden. Bei einer Razzia hatte die Polizei größere Mengen Aufputschmittel sichergestellt. Damals wurde auch gegen mehrere Türsteher wegen Drogenhandels ermittelt.

Eröffnet wurde das “U60311“ im Herbst 1998. “U“ steht für Untergrund, die Zahl ist die Postleitzahl des Innenstadtbezirks. Das “U60311“ gilt als Nachfolge-Club des Frankfurter “Omen“, das zwischen 1988 und 1998 wesentlich den Ruf Frankfurts als Techno-Metropole neben Berlin begründete.

dpa 

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