„Traurig, dass es solche Schilder braucht“

Edeka-Verkäuferin angespuckt! Marktleiter erklärt trauriges Schild

Im Kassenbereich eines Edeka-Marktes hängt ein Statement mit traurigem Hintergrund.
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Im Kassenbereich eines Edeka-Marktes hängt ein Statement mit traurigem Hintergrund.

Nach Frust-Attacken auf sein Team entschied sich der Leiter eines Edeka-Marktes für ein auffällig platziertes Statement - der Inhalt bewegt die Gemüter.

Ilmenau - In einem Thüringer Edeka-Markt fiel einem Kunden ein besonderes Schild im Kassenbereich auf - die Botschaft darauf imponierte ihm so sehr, dass er seinen Fund auf der Social-Media-Plattform Twitter postete. Zwei übereinander aufgehängte Blätter werden von dicken schwarzen Buchstaben gefüllt, die eine eindringliche Ansage an die Kund:innen des Marktes richten.

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Edeka-Ansage: Wer „seine Kinderstube verliert“, ist nicht erwünscht

„Besondere Zeiten stellen uns vor besondere Herausforderungen“, beginnt der Text, der im nächsten Satz seinen ernsten Hintergrund offenbart: „Unsere Mitarbeiter zu beleidigen, bringt Sie nicht schneller zum Ziel!“ Das Markt-Team ziehe in solchen Fällen Konsequenzen: „Wer in dieser Zeit, in der alle täglich ihr Bestes geben, seine Kinderstube verliert, den begleiten wir gerne persönlich zur Tür.“ Beim Twitter-User, der das Schild postete, schienen die Zeilen einen Nerv getroffen zu haben. „So sieht‘s aus, vielen Dank“, bekräftigt er die Ansage der Markt-Verantwortlichen. Auch die Kommentare unter seinem Foto pflichten der Botschaft bei: „Sollte eigentlich selbstverständlich sein. Schon traurig, dass es solche Schilder braucht“, findet ein User.

Edeka-Schild mit traurigem Hintergrund: Mitarbeiterinnen beschimpft und sogar angespuckt

Dass die gute Kinderstube bei einzelnen Kund:innen des betroffenen Marktes aber wohl nicht selbstverständlich war, zeigt eine Nachfrage zu den Hintergründen: Tatsächlich hängt das Schild mit der nachdrücklichen Message schon länger im Edeka Ilmenau, erklärt Marktleiter Thomas Sander im Gespräch mit tz.de. Der ursprüngliche Anlass, an den Plexiglas-Scheiben aller Kassen einen Appell an die gute Kinderstube anzubringen, seien Attacken auf seine Mitarbeiter:innen zu Beginn der Corona-Pandemie gewesen, so Sander. Immer wieder kam es zu Beschimpfungen des Markt-Teams, „eine Verkäuferin wurde sogar angespuckt“ - seit Anfang der Krisensituation seien die Beschäftigten zur Zielscheibe geworden, „an denen wird der ganze Frust ausgelassen“.

Also entschloss sich der Thüringer, ein Statement zu setzen: Wer in seinem Edeka an der Kasse wartet, kann die klare Ansage des Markt-Teams lesen. Dass die Schilder nach etwa einem Jahr immer noch hängen und so ins Blickfeld des Twitter-Nutzers geraten konnten, hat auch seinen Grund: „Es ist halt immer noch aktuell, dass es Leute gibt, die hier ausrasten“, schildert Sander die Problematik. Hinweise, die Masken richtig zu tragen, einen Einkaufskorb zu benutzen oder vereinzelt fehlende Produkte - Kleinigkeiten, von denen sich einige unzufriedene Kund:innen so sehr provoziert fühlen, dass sie ausfällig werden.

Edeka-Aktion kommt an: Die meisten „Kunden fanden es toll“

Sanders Schilder-Aktion kam nicht bei allen gut an: Vereinzelt erhielt er Beschwerden, er würde mit seiner Ansage ausgrenzen - dafür hat der Marktleiter wenig Verständnis. „Wer sich benimmt, wird nicht rausgeschmissen“, das sei ganz einfach. Er wolle dem Großteil seiner Kund:innen, die ganz normal ihren Einkauf erledigen möchten, aber eben ein möglichst angenehmes Einkaufserlebnis bieten, wenn es sonst schon nicht viele Ablenkungsmöglichkeiten im Alltag gebe. Insgesamt finden die Schilder an den Kassen aber nicht nur bei dem Twitter-Nutzer, der das Foto gepostet hat, Zustimmung: „Es gibt halt viele, die lesen das und schmunzeln“ erzählt Thomas Sander. „98% unserer Kunden fanden es toll“ schätzt er, ein „Danke, dass ihr da seid“ gebe es für sein Team auch ab und an von Kund:innen - die Schilder bleiben wohl aber trotzdem erst einmal an ihrem Platz. Eher skurriler Natur war kürzlich eine Champagner-Frage einer Edeka-Kundin. (eu)

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