EHEC-Epidemie beendet!  Was aus BSE & Co. wurde

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Deutschlandweit starben 50 Menschen im Zusammenhang mit dem aggressiven Bakterium.

Berlin - Die EHEC-Epidemie ist vom Robert-Koch-Institut fast drei Monate nach ihrem Ausbruch in Deutschland für beendet erklärt worden. Wir zeigen, was aus BSE, Schweinepest und Co. geworden ist.

Der größte je beschriebene EHEC-Ausbruch in Deutschland ist zu Ende. Das Robert-Koch-Institut hat die EHEC-Epidemie fast drei Monate nach ihrem Beginn am Dienstag für beendet erklärt. Deutschlandweit forderte der aggressive Darmkeim 50 Todesopfer. Mehr als 4.320 Erkrankungsfälle wurden registriert. Die Behörden wollen den gefährlichen Erreger in Zukunft intensiver überwachen.

Da seit dem letzten übermittelten Erkrankungsbeginn vor drei Wochen kein neuer Erkrankungsfall bekannt geworden sei, betrachte das RKI den Ausbruch als beendet, teilte das Institut am Dienstag in Berlin mit. Die drei Wochen berücksichtigen den Angaben zufolge die Inkubationszeit, die Zeit für die Diagnosestellung und die Zeit für die Übermittlung eines Falls. “Damit ist der größte EHEC-Ausbruch in Deutschland beendet“, sagte RKI-Präsident Reinhard Burger.

Gefahr oder Hype? Das wurde aus Schweinegrippe, BSE und Co.

Fast drei Monate nach ihrem Ausbruch in Deutschland ist die EHEC-Epidemie ist vom Robert-Koch-Institut für beendet erklärt worden. Deutschlandweit starben 50 Menschen im Zusammenhang mit dem aggressiven Bakterium.  © dpa
Gefahr oder Hype? Wir zeigen, was aus Schweinegrippe, BSE und Co. wurde. © dpa
Das erste Mal sahen die Medien die Apokalypse Anfang der 80er Jahre heraufziehen. Vom  "Waldsterben" war plötzlich überall die Rede. Zeitungen und Magazine widmeten dem Phänomen Titelseiten und zeigten dramatische Bilder. Durch Schadstoffe in der Luft und sauren Regen sei der gesamte deutsche Wald bedroht, hieß es damals... © dpa
... Besorgte Deutsche gingen auf die Straße um für den Wald und gegen die Umweltverschmutzung zu demonstrieren. "Erst stirbt der Wald - dann der Mensch" war ihre Losung -  die auch heute noch gelegentlich, wie auf diesem Bild, aufgegriffen wird... © dpa
... Tatsächlich investierte der Staat mehr als 100 Millionen Euro in die Gesundung des Waldes. Das Thema verschwand wieder völlig aus den Medien. Ist die Gefahr für den Wald also gebannt? Im Gegenteil: Der jährliche Waldzustandsbericht zeigt, dass 1984 noch 44 Prozent der Waldfläche gesund war, 23 Prozent waren stark geschädigt. 2009 waren nur noch 36 Prozent gesund und schon 27 Prozent stark geschädigt. Entsetzen lösen die Zahlen aber nicht mehr aus... © dpa
... 1996 tauchte dann der Rinderwahn auf den Titelseiten der Zeitungen auf. Schon seit einigen Jahren hatte man die "Bovine spongiforme Enzephalopathie" - kurz BSE - bei Rindern beobachtet. Doch jetzt hielten es Wissenschaftler für möglich, dass BSE auf den Menschen übertragen werden kann und die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auslöst.... © dpa
... Die Verbraucher sind massiv verunsichert. Zahlreiche Produkte stehen plötzlich unter Verdacht, die Krankheit zu übertragen: Steaks, Gummibärchen, Milch und Kosmetika. Der Rindfleisch-Absatz bricht ein, Importe aus Großbritannien, wo die Krankheit zunächst ausbricht, werden zeitweise verboten. Jeder neue Fall schafft es auf die Titelseiten... © dpa
... Als auch in Deutschland Rinder erkranken, müssen zahlreiche Tiere gekeult werden. Die Bauern fürchten um ihre Existenz und gehen auf die Straße. Seit dem Jahr 2000 gibt es einen BSE-Schnelltest und auch die ersten bestätigten Fälle in Deutschland. Ein Jahr später gab es mit 125 Fällen so viele kranke Rinder in Deutschland wie nie zuvor. Das Interesse der Öffentlchkeit ließ kurz darauf nach. Tatsächlich ging aber auch die Zahl der BSE-Fälle zurück. 2009 wurden in Deutschland nur noch zwei kranke Rinder registriert.... © dpa
... Dass das Interesse an BSE nachließ, lag wohl auch daran, dass schon die nächste bedrohliche Seuche um den Planeten ging: SARS. Das Schwere Akute Atemwegssyndrom beobachteten Ärzte zum ersten Mal 2002 in China. Die Behörden versuchten mit Kontrollen, bei denen, wie auf diesem Bild, Autofahrern und Passanten Fieber gemessen wurde, die Krankheit einzudämmen....  © dpa
.... Patienten, die an SARS erkrankten, hatten durchweg Fieber über 38 Grad. Deshalb wurden Passagiere, die aus Asien kamen, am Flughafen genau überprüft und auch ihre Körpertemperatur gemessen.... © dpa
... Trotzdem breitete sich das Virus besonders in Asien aus. Dort setzten viele Menschen auf Atemmasken, um sich zu schützen. Zwischen November 2002 und Mai 2003 entwickelte sich SARS zur weltweiten Pandemie. Fast 1000 Menschen starben an dem Virus. So plötzlich wie SARS aufgetaucht war, verschwand es Ende 2003 auch wieder, noch bevor ein Impfstoff entwickelt werden konnte.... © dpa
... 2006 jagten Männer in Schutzanzügen in Deutschland Geflügel. Die Vogelgrippe war ausgebrochen und aus Asien wurde gemeldet, dass der Erreger mit dem Kürzel H5N1 auch auf den Menschen übergesprungen war, erste Todesopfer waren zu beklagen.... © dpa
... Wo es Verdachtsfälle auf Vogelgrippe gab, rückten die Männer in den Schutzanzügen an und töteten den gesamten Geflügelbestand eines Betriebs. Das Gebiet um betroffene Höfe wurde abgesperrt, alle Fahrzeuge mussten durch Desinfektionsduschen fahren.... © dpa
... In der Nähe der Grenze kontrollierten Polizisten Autos, damit kein Geflügel und keine Geflügelprodukte eingeführt werden. In Deutschland ist bislang noch kein Mensch an der Vogelgrippe gestorben, daher ließ auch die mediale Aufmerksamkeit nach. Dennoch gibt es auch heute noch weltweit Ausbrüche der Krankheit. Die Weltgesundheitsorganisation zählte bislang 286 Tote.... © dpa
... Zuletzt wurde im wahrsten Sinn des Wortes eine Sau durchs mediale Dorf getrieben. Die Schweingrippe sorgte 2009 für Aufsehen. Zuerst bei Schweinen ausgebrochen, sprang das Virus mit der Bezeichnung H1N1 auch auf den Menschen über. Jeder Versuch, die Krankheit in Neue Grippe umzutaufen scheiterte.... © dpa
... Im August und September 2009 nahm die Öffentlichkeit die Schweinegrippe als so bedrohlich war, dass man sich in München überlegen musste, wie man die Ansteckungsgefahr auf dem Oktoberfest minimieren könnte. Geschäftstüchtige Erfinder hatten gleich eine Lösung: Ein Bändchen als Markierung, damit jeder nur aus dem eigenen Masskrug trinkt.... © dpa
... Als ein im Schnellverfahren getesteter Impfstoff gegen die Schweinegrippe auf den Markt kommt, müssen die Deutschen erst einmal überzeugt werden, sich überhaupt impfen zu lassen. Zu abstrakt ist inzwischen die Gefahr. Der neue Gesundheitsminister Philipp Rösler ließ sich öffentlchkeitswirksam die Spritze setzen und hoffte auf Nachahmer... © dpa
... Trotzdem schwappte die Infektionswelle über Deutschland. Die Krankheit verlief aber in den allermeisten Fällen glimpflich. So schnell wie sie gekommen war, so schnell verschwand die Schweinegrippe wieder - aus den Arztpraxen und aus den Medien. © dpa

Allerdings rechnen die Forscher künftig mit mehr Meldungen über EHEC-Infektionen als in vergleichbaren Vorjahreszeiträumen. Als Gründe nannten sie die erhöhte Aufmerksamkeit für EHEC/HUS sowie eine vermehrt durchgeführte Diagnostik. Diese Infektionen könnten über Ausscheidungen von Menschen übertragen werden, auch wenn diese keine Symptome mehr hätten. Darüber hinaus könne die Übertragung direkt von Mensch zu Mensch oder durch Lebensmittel erfolgen, die kontaminiert wurden.

Deshalb sollten auch nach dem Ende des Ausbruchs “etwaige Erkrankungen durch Infektion mit EHEC O104:H4 intensiv nachverfolgt und zeitnah dem RKI übermittelt werden“, sagte Burger. Das Lagezentrum, das für das Management des Ausbruchs am 23. Mai 2011 im RKI eingerichtet worden war, soll allerdings geschlossen werden.

Erreger forder 50 Todesopfer bundesweit

Seit Ausbruch der Epidemie Anfang Mai erkrankten nach RKI-Angaben bundesweit 4.321 Menschen an dem gefährlichen Darmkeim, 852 von ihnen litten am Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS). Am vergangenen Donnerstag hatten die Behörden die generelle Verzehrwarnung vor rohen Sprossen aufgehoben. Lediglich aus Ägypten importierte Bockshornkleesamen sowie Sprossen und Keimlinge, die aus diesen Samen gezogen wurden, sollten weiterhin nicht roh verzehrt werden.

Diese Samen waren bereits Ende Juni “mit hoher Wahrscheinlichkeit“ als Auslöser des Epidemie-Ausbruchs in Deutschland identifiziert worden. Am 5. Juli ordnete die Europäische Union den Rückruf der im Zeitraum 2009 bis 2011 importierten Chargen von Bockhornkleesamen an und verhängte ein Einfuhrverbot für sämtliche ägyptische Samen und Bohnen.

dapd

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