EHEC: Rückläufige Zahlen in Hamburg

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Das Gemüse in den Supermärkten sieht toll aus. Wegen des EHEC-Erregers landen viele Sorten auf dem Müll.

Madrid/Hamburg - Die spanische Regierung prüft gegen Deutschland wegen der Produktionsausfälle ihrer Bauern rechtliche Schritte. In Hamburg gibt es positive Zeichen, dass die EHEC-Fälle rückläufig sind.

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EHEC: Warnung vor rohem Gemüse bleibt

Spanien prüft Schadensersatzansprüche gegen Deutschland für Produktionsausfälle der eigenen Landwirte im Zusammenhang mit den EHEC-Krankheitsfällen. Solche Forderungen seien nicht auszuschließen, sagte der spanische Agrarstaatssekretär Josep Puxeu nach Medienberichten vom Montag. Deutsche Behörden hätten darüber spekuliert, dass die Infektionen ihren Ursprung in spanischen Gurken haben könnten. Dies habe dazu geführt, dass mehrere Länder und Handelsgesellschaften die Einfuhr spanischer Agrarprodukte eingeschränkt hätten.

“Solche Hemmnisse sind verantwortungslos und ungeheuerlich“, sagte Puxeu. “Man darf nicht ein zuverlässiges Produktionssystem allein auf der Grundlage von Spekulationen an den Pranger stellen.“ Der Bauernverbände bezifferten die Verluste, die dem spanischen Gemüseanbau entstünden, auf sechs bis acht Millionen Euro am Tag. Die spanische Gesundheitsministerin Leire Pajín betonte, es gebe bisher keine Beweise und auch keine Anhaltspunkte dafür, dass die Gurken in Spanien mit EHEC-Erregern kontaminiert worden seien.

“Wir haben von den deutschen Stellen immer wieder verlangt, dass sie keine Schuldzuweisungen vornehmen sollen, solange es keine gesicherten Erkenntnisse gibt“, sagte die Ministerin dem Fernsehsender Telecinco.

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

dapd
Was verbirgt sich hinter der Abkürzung EHEC? © 
Es handelt sich bei EHEC-Bakterien um die sogenannten Enterohämorrhagischen Escherichia Coli-Bakterien. Seit Anfang Mai verbreitet ein besonders aggressiver Erreger Angst und Schrecken in Deutschland. © dpa
Bisher sind 36 Menschen an den Folgen der Erkrankung gestorben. Überraschend: Betroffen sind vor allem junge Frauen. Normalerweise erkranken Kleinkinder unter fünf Jahren, ältere und immunschwache Menschen durch eine EHEC-Infektion. © dpa/ap
Bei EHEC handelt es sich um eine gefährliche Variante des für den Menschen harmlosen Darmbewohners Escherichia coli. EHEC kommt im Darm von Weiderkäuern vor. Gelangt es jedoch in den Körper des Menschen, setzen die Bakterien dort gefährliche Giftstoffe frei. © dpa/ap
Wissenschaftler haben das Genom des Erregers bereits entschlüsselt. Dabei fanden sie heraus, dass zwei Bakterienstämme ihre Erbsubstanz miteinander ausgetauscht haben. © dpa
Welche Symptome bringt eine EHEC-Erkrankung mit sich? © dpa/ap
Der Erreger kann sich zunächst durch blutigen und wässrigen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Zudem sind bei schweren Verläufen auch Blutarmut, Gefäß- und Nierenschäden möglich. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, können Gesundheitsschäden wie etwa Nierenleiden zurückbleiben. © dpa
Wie wird die Krankheit übertragen? © dpa/ap
Da sich der Erreger vor allem im Kot von Nutztieren findet, ist direkter Kontakt mit den Tieren ein Übertragungsweg. Aber auch verunreinigte Lebensmittel, die Kot-Partikel enthalten, können Ursache sein. Wird gedüngtes Obst und Gemüse ungewaschen gegessen, kann das die Krankheit auslösen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist über Schmierinfektionen möglich. © dpa/ap
Was ist bei den aktuellen Fällen die Infektionsquelle? © dpa/ap
Schnell gerieten Gurken und Tomaten in Verdacht. Das Bundesamt für Risikobewertung hat allerdings inzwischen die Empfehlung, auf den Verzehr von Gurken, Tomaten und Blattsalat in Norddeutschland zu verzichten, aufgehoben.  © dapd
Denn inzwischen haben Wissenschaftler Sprossen von einem Biohof im niedersächsischen Bienenbüttel zweifelsfrei als Träger des Erregers identifiziert. © dpa
Beunruhigend: EHEC-Bakterien wurden auch auf bayerischem Salat gefunden. Er befand sich auf Lollo Rosso-Salat eines Fürther Gemüseerzeugers. Erste Laborergebnisse deuten jedoch nicht darauf hin, dass es sich um den gefährlichen Erreger-Typ handelt. © dapd
Wie kann ich mich vor EHEC-Erkrankungen schützen? © dpa/ap
Die Behörden empfehlen, dass in Deutschland derzeit keine rohen Sprossen gegessen werden sollten - auch keine selbst gezogenen.  © 
Der beste Schutz vor dem Keim ist allerdings Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Verbraucher könnten dem RKI zufolge das Risiko einer EHEC-Infektion weiter minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzen. Es gibt keine Impfung gegen den Keim. © dpa
In der Berichterstattung ist auch von HUS die Rede. Was ist das? © dpa/ap
HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, einen besonders schweren Verlauf der EHEC-Erkrankungen. Dabei kann es zu Nierenversagen und Blutarmut kommen. Das kann lebensbedrohlich sein. © dpa/ap
Was muss ich tun, wenn ich betroffen bin? © dpa/ap
Zunächst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollen EHEC-Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Hygiene ist ein Muss, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Mit dem Bakterium infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen. Diese könnten die Situation noch verschlimmern, erklärte ein Arzt des Berliner Krankenhauses Charité. Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte aus den Bakterien freigesetzt. © dpa/ap

In Hamburg waren auf Salatgurken aus Spanien EHEC-Erreger festgestellt worden. Die spanischen Stellen argumentieren, dass die Gurken möglicherweise nicht bei der Produktion in Südspanien, sondern auf dem Transport oder bei der Verarbeitung kontaminiert worden seien.

Hamburger Klinikum registriert rückläufige Zahl der EHEC-Fälle

Die Zahl der EHEC-Neuerkrankungen und Verdachtsfälle in Hamburg hat über das Wochenende im Vergleich zu den Vortagen abgenommen. Das teilte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Montag in der Hansestadt mit. Sowohl die Zahl der gemeldeten EHEC- als auch die der HUS-Fälle sei geringer angestiegen. “Ich hoffe sehr, dass dies ein Indiz dafür ist, dass der Höhepunkt der Erkrankungswelle überschritten ist“, hieß es in einer Mitteilung der Senatorin.

In Hamburg wurden bis Montag (11.00 Uhr) 488 EHEC-Infektionen bzw. EHEC-Verdachtsfälle registriert (Samstag 467 Fälle). Davon werden in den Krankenhäusern 94 Kranke stationär wegen des Hämolytisch-Urämischen-Syndroms (HUS) oder HUS-Verdachts behandelt. Dies bedeutet im Vergleich zum Sonnabend drei zusätzlich gemeldete HUS-Fälle.

Sorge bereiten den Ärzten vor allem die neurologischen Probleme, die viele HUS-Erkrankte bekommen. Bei den schwer erkrankten Patienten gebe es “zunehmend mehr neurologische Ausfälle“, erklärte der Neurologe Prof. Christian Gerloff vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf. “Es sind von den 58 Patienten, die momentan bei uns stationär sind, mehr als die Hälfte. Und das Bild ist sehr bunt.“ So gebe es Unruhezustände, aber auch Sprachstörungen - ähnlich wie bei einem Schlaganfall - oder Zuckungen bis hin zu epileptischen Anfällen. Neuerdings würden daher manche Patienten bereits prophylaktisch mit Medikamenten gegen solche Anfälle behandelt.

Einzelne Patienten hätten auch kleine Schlaganfälle als Folge der Erkrankung gehabt, berichtete Gerloff - weil kleine Gefäße verstopfen. “Das wird auch bleibende Schäden hinterlassen.“

Die Mediziner setzen nun Hoffnungen auf die Behandlung mit dem neuen Wirkstoff Eculizumab bei schweren HUS-Fällen. Bisher sei diese Antikörper-Therapie bei elf Patienten eingesetzt worden, berichtete Stahl. Wie erfolgreich der “Rettungsversuch“ ist, werde sich aber erst in drei bis vier Wochen zeigen.

Der Infektiologe Prof. Ansgar Lohse mahnte, die Hygieneregeln weiter strikt zu beachten. “Wir empfehlen, sich an die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts zu halten.“ Schließlich sei bisher noch unklar, wo der Erreger ursprünglich herkommt. Außerdem sei der Verlauf der Krankheit von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich.

Minister und Landesvertreter zu EHEC-Treffen zusammengekommen

Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) und Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sind am Montagnachmittag in Berlin mit Landesvertretern und Vertretern verschiedener Behörden zu einem Treffen zur Situation bei den EHEC-Erkrankungen zusammengekommen. Sie wollten im Robert-Koch-Institut (RKI) über den aktuellen Stand der Untersuchungen sprechen. Auch sollten die getroffenen Maßnahmen und weitere Schritte diskutiert werden.

Bahr sagte vor der Zusammenkunft, das Zustandekommen dieses Treffens zeige, dass in dieser Situation “alle an einem gemeinsamen Strang ziehen“. Aigner betonte mit Blick auf die Umsatzverluste einiger Landwirte, dass der Schutz der Verbraucher “ganz klar die oberste Priorität“ habe.

An dem Gespräch nehmen neben Aigner und Bahr die Präsidenten des Robert-Koch-Instituts, des Bundesinstituts für Risikobewertung wie auch des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit teil, sowie die Vorsitzenden der Gesundheits-, Verbraucher- und Agrarministerkonferenz der Länder und die Hamburger Gesundheitssenatorin.

Nach zwei neuen Todesfällen in Nordrhein-Westfalen und einem in Mecklenburg-Vorpommern hat sich die Zahl der in Deutschland an einer EHEC-Infektion verstorbenen Menschen auf 13 erhöht.

dpa/dapd

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