Eier kehren in Regale zurück

Verbindungsbeamte sollen nach Fipronil-Skandal helfen

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Ein Mitarbeiter vom Chemischen Veterinäruntersuchungsamt Krefeld schlägt ein Ei auf, um auf Rückstände zu prüfen. Foto: Marcel Kusch

Deutschlandweit untersuchen Labore Eier auf das Insektizid Fipronil, mittlerweile gibt es Ergebnisse aus einigen Bundesländern. In Belgien hat der Skandal um belastete Eier ein parlamentarisches Nachspiel.

Berlin (dpa) - Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) hat nach dem Eier-Skandal eine bessere Weitergabe von Informationen auf europäischer Ebene gefordert. Diese müsse schneller und besser werden, sagte er laut einer Mitteilung.

Er erwarte "lückenlose Aufklärung". Seine beiden belgischen und niederländischen Kollegen hätten ihm "volle Transparenz und schnelle Informationen zugesichert". Man habe sich verständigt, deutsche Verbindungsbeamte in die Behörden der Niederlande und Belgien zu schicken. So solle der Fluss von Informationen gewährleistet werden.

Schmidts niedersächsischer Amtskollege Christian Meyer (Grüne) hält den Fipronil-Skandal in seinem Bundesland für überwunden. Untersuchungen von Eiproben und Produkten hätten ergeben, dass über vier ermittelte Betriebe hinaus keine weiteren Eierproduzenten in Niedersachsen von dem Skandal betroffen seien, sagte Meyer am Dienstag in Hannover. "Das ist glaube ich ein gutes Zeichen." Alle Proben von außerhalb der betroffenen Betriebe seien negativ gewesen. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) forderte, das Insektizid Fipronil wegen seiner unbekannten Langzeitwirkung vom Markt zu nehmen.

Bundesweit untersuchen Labore Eier auf Fipronil. So tauchten in Baden-Württemberg nach Ministeriumsangaben bislang keine heimischen Eier mit einer Fipronil-Belastung auf. Eier aus den Niederlanden seien nicht mehr im Handel erhältlich. Auch in Schleswig-Holstein stellte das Landeslabor kein Fipronil in Eiern aus Hühnerbetrieben der Region fest. Alle untersuchten 15 Stichproben seien einwandfrei gewesen, aus Sicherheitsgründen solle es noch weitere Analysen geben. In Rheinland-Pfalz hieß es, Hinweise darauf, dass fipronilhaltige Mittel in rheinland-pfälzischen Geflügelhaltungen zum Einsatz gekommen seien, gebe es nach gezielten Kontrollen bisher nicht.

Aldi Süd erklärte, dass es nach und nach wieder Eier in den Filialen zu kaufen gebe. "Wir rechnen damit, bis Donnerstag wieder sukzessive Eier aller Haltungsformen anbieten zu können", teilte das Unternehmen in Mülheim/Ruhr mit. Aldi Nord erklärte, dass die Lieferanten bestätigen müssen, dass die Eier kein Fipronil enthalten. Regional könne es in den nächsten Tagen noch vereinzelt zu Engpässen kommen. Aldi Nord und Süd hatten am Freitag angekündigt, alle Eier aus dem Sortiment zu nehmen.

Unterdessen wehrte sich die belgische Lebensmittelsicherheitsbehörde FASNK gegen Vorwürfe, zu langsam reagiert zu haben. "Wir haben niemals versucht, irgendetwas zu verschleiern", sagte FASNK-Chef Herman Diricks am Montagabend dem Sender VRT. "Wir werden alles, was wir getan haben, erklären."

Nachdem die Behörde am 2. Juni von einem Fipronil-Verdachtsfall erfahren hatte, gab Belgien erst am 20. Juli Informationen an andere EU-Staaten weiter. Agrarminister Denis Ducarme erwartet nun einen Bericht über die Abläufe bei der FASNK. An diesem Mittwoch soll es dazu eine Debatte im belgischen Parlament geben.

Falls Belgien im Fipronil-Skandal zu langsam gehandelt haben sollte, könnte dem Land ein EU-Vertragsverletzungsverfahren drohen. Wenn ein Land eine Gefährdung der Lebensmittelsicherheit nicht früh genug melde, verstoße es gegen europäisches Recht, sagte eine Sprecherin der Brüsseler EU-Kommission, und ein Verfahren könne eingeleitet werden. "Aber das ist aktuell nicht der Fall in Belgien", betonte sie. "Zahlreiche Informationen sind noch zu ermitteln, im Rahmen der rechtlichen Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft und durch unsere Kontakte mit den belgischen Behörden."

Nach der offiziellen Bekanntgabe gab es Dutzende Nachweise in Eiern niederländischer Produzenten, Millionen dieser Eier waren nach Deutschland, die Schweiz und Schweden geliefert worden. Alle Bundesländer - mit Ausnahme Sachsens - waren betroffen. Millionen Eier wurden aus den Regalen von Supermärkten genommen und vernichtet. Zudem gab es erste Rückrufe für Erzeugnisse mit verarbeiteten Eiern.

Um solche Produkte will sich nun auch die Bundesregierung kümmern. Bund und Länder hätten ein Programm "zur intensiven Überwachung von Lebensmitteln mit hohem Eianteil vereinbart", wie es in der Mitteilung des Bundesagrarministeriums weiter hieß. Es müsse "lückenlos" aufgeklärt werden. "Auch wenn die gefundenen Werte sehr gering sind, Fipronil hat nichts in Lebensmitteln zu suchen", sagte Schmidt. Ursache der Belastung mit Fipronil sei "offensichtlich kriminelle Energie". Er begrüße es, dass Staatsanwaltschaften in den Niederlanden, Belgien und Deutschland ermittelten.

Die Verwendung von Fipronil bei Tieren, die Lebensmittel liefern, ist in der EU verboten. Es wird angenommen, dass ein belgischer Hersteller das Insektizid einem Reinigungsmittel beimengte und es an Betriebe in Belgien, den Niederlanden und Deutschland verkaufte. Das Insektizid soll Tiere vor Flöhen, Läusen und Zecken schützen. Aus Expertensicht sind die von Fipronil-Eiern und -Produkten ausgehenden Gefahren für Verbraucher bei den bisher gemessenen Konzentrationen überschaubar. In hohen Dosen kann Fipronil für Menschen aber gefährlich sein.

Aktueller Stand der deutschen Lebensmittelwarnungen

Niederländische Liste mit betroffenen Codes

Mitteilung der FASNK - Französisch

NRW-Umweltministerium zu Fipronil

VZBV

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