1. tz
  2. Welt

Ein Kenner erklärt uns das „irische Gefühl“

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Die Iren sind ein Volk, das aus lauter rothaarigen, raufenden und saufenden Musikanten besteht und auf einer Atlantikinsel lebt, die mit nachgezählten 52 Nuancen von Grün punkten kann – was nicht weiter verwundern kann, weil es dort unablässig regnet.

Und die Iren können mit all diesen Vorurteilen bestens leben, weil sie es, wie so manches, besser wissen, und weil sie sich nur wundern, warum dann immer so viele Leute aus aller Welt anreisen und in ihren B&Bs einquartieren. Übrigens sind nur vier Prozent rothaarig.

Die Iren bilden gern Gemeinschaften. Oft am Tresen ihrer Pubs, manchmal auch in Hinterzimmern, wo dann Revolutionen ausgeheckt werden. Die Idee von der Europäischen Gemeinschaft hat sich ihnen früh erschlossen, sie waren einer der ersten Teilnehmer. Das hat sich für sich für sie ausgezahlt. Die Millionen aus Brüssel nutzten sie so gut, dass sie plötzlich als Celtic Tiger fauchen konnten und vom Armenhaus Europas zu einem der reichsten Länder der Welt aufstiegen. Wenn man etwas geschenkt bekommt, dann gibt man auch was zurück, und so schenkten die Iren der EU vor vier Jahren ein hartes Rauchverbot. Alle haben es nachgemacht, und so stehen heute überall die Leute vor den Türen der Pubs im Regen. Das irische Gefühl.

Dass sie jetzt den Freunden in der EU ein Bein gestellt haben, kann nur ein Missverständnis sein. Vermutlich haben sie „Reform“ mit „Revolution“ verwechselt. Die Tradition ihres Landes verlangt, dass sich Revolutionen gegen England richten müssen. Ein doppeltes Missverständnis: Die Iren haben übersehen, dass die verhassten Brits gar nicht richtig dazugehören zur Gemeinschaft.

Rainer Seipel

Der tz-Kulturredakteur ist bekennender Irland-Fan und bereist die Grüne Insel seit 30 Jahren.

Quelle: tz

Auch interessant

Kommentare