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Baby-Elefant geht Wilderern in die Falle: Retter amputieren halben Rüssel - doch das Tier stirbt qualvoll

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Von: Marcus Giebel

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Ein Elefant mit halb amputiertem Rüssel schaut zwischen Holzbalken hervor
Der Schmerz ist ihr anzusehen: Dem kleinen Elefanten-Weibchen musste der halbe Rüssel amputiert werden, nachdem es in eine Wilderer-Falle geraten war. © picture alliance/dpa/AP/Munandar

Dieses Bild lässt wohl niemanden kalt. Ein kleiner Elefant mit nur noch halbem Rüssel schaut traurig zwischen zwei Holzbalken hervor. Eine Wilderer-Falle kostete das Tier letztlich sein Leben.

München - Menschen können die grausamsten Geschöpfe auf Erden sein. Wenn es um den eigenen Profit geht, zählt für manchen auch ein Tierleben nichts.

So auch im Fall eines kleinen Sumatra-Elefanten, der nun in Indonesien zu Tode gekommen ist. Das Weibchen war kurz zuvor nahe eines Walddorfes auf der Insel Sumatra entdeckt worden. Sein Rüssel hing in einer Schlingfalle, die mutmaßlich Wilderer ausgelegt haben, um ausgewachsene Dickhäuter zu fangen und sich an deren Elfenbein zu bereichern.

Mit Falle sollten bedrohte Tierarten gewildert und Geld verdient werden

„Die Absicht hinter der Falle war offensichtlich, bedrohte Tierarten zu wildern und Geld zu verdienen“, wird Agus Arianto, Leiter der Naturschutzbehörde der Provinz Aceh, unter anderem in der Bild und der Daily Mail unter Berufung auf die Associated Press zitiert. Und weiter: „Wir werden bei der Untersuchung mit Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten.“

Wie lange der Baby-Elefant bereits in der Falle steckte und entsprechende Qualen durchstehen musste, ist unklar. Von seiner Herde war jedenfalls weit und breit nichts zu sehen, heißt es. Der kleine Vierbeiner also quasi aufgegeben worden.

Naturschützer amputieren halbe Rüssel und wollen Elefant so retten

Rettern gelang es immerhin, das etwa ein Jahr alte Tier aus der Falle zu befreien. Doch dessen Zustand war bereits alarmierend schlecht. Weil er durch die Schlinge beinahe abgetrennt worden sei, entschieden sich die Naturschützer zur Amputation des halben Rüssels.

Ein großer Einschnitt für den kleinen Elefanten, denn das Körperteil nutzen die grauen Riesen nicht nur zum Riechen, sondern ist auch Hilfsmittel beim Essen, Trinken sowie zur Kommunikation. Auch bei Kämpfen spielt der Rüssel eine große Rolle.

Ein kleiner Elefant mit halb amputiertem Rüssel steht in einem Holzgehege
Letzte Station eines viel zu kurzen Lebens: Auch die Naturschützer konnten den Baby-Elefanten nicht retten. © picture alliance/dpa/AP/Munandar

Baby-Elefant stirbt infolge der sich ausbreitenden Infektion

In einer Auffangstation sollte der enorm geschwächte Vierbeiner wieder zu Kräften kommen und neuen Lebensmut fassen. Doch nur einen Tag später musste die Naturschutzbehörde seinen Tod vermelden. Ursache sei die sich ausbreitende Infektion gewesen. Wahrscheinlich war der Baby-Elefant bereits seit längerer Zeit verletzt, heißt es weiter.

Es lässt sich wohl kaum vorstellen, unter welchen Schmerzen die Kleine in den letzten Tagen ihres kurzen Lebens gelitten haben muss. Womöglich war der Tod letztlich sogar eine Erlösung - so schlimm es sich auch anhört.

Zahl der freilebenden Sumatra-Elefanten binnen sieben Jahren fast halbiert

Die Sumatra-Elefanten, die nur auf der gleichnamigen Insel beheimatet sind, stehen auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN), die 37.500 bedrohte Tier- und Pflanzenarten umfasst. Aktuell sollen nicht einmal mehr 700 Exemplare der Unterart des Asiatischen Elefanten in freier Wildbahn leben. 2014 waren es offiziell noch 1300 gewesen. Ihnen seien in den vergangenen 25 Jahren unglaubliche 69 Prozent ihres Lebensraums genommen worden.

Die Corona-Krise scheint die Lage noch zu verschlimmern. Denn immer mehr Menschen würden Jagd auf Tiere machen, um über die Runden zu kommen. Die wirtschaftliche Lage in Indonesien ist aktuell sehr angespannt. Laut Naturschützer Arianto wurden in den vergangen neun Jahren allein im Osten der Privinz Aceh 25 Sumatra-Elefanten gefangen oder getötet.

Erst im Juli war ein kopfloser Elefanten-Leichnam auf einer dortigen Palmölplantage entdeckt worden. Es kam zu fünf Festnahmen, neben dem mutmaßlichen Wilderer wurden auch vier Personen gefasst, die das Elfenbein gekauft haben sollen. Ihnen drohen bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft sowie eine Geldstrafe von umgerechnet 6000 Euro - das ist ein Vielfaches des durchschnittlichen Jahreseinkommens im Land. (mg)

Lesen Sie auch: Immer häufiger kommen Elefanten ohne Stoßzähne zur Welt - einer der Auslöser liegt schon Jahrzehnte zurück. ODER: Im Tierpark Hellabrunn feierte jüngst Baby-Elefant Otto seinen ersten Geburtstag.

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