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Gewichtspolizei für Stewardessen: Flugbegleiter enthüllen bittere Airline-Politik

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Stewardessen der Fluggesellschaft Emirates
Stewardessen der Fluggesellschaft Emirates. Die Anforderungen im Job sind hoch. © Frank Sorge / Imago

Emirates gilt als die sicherste Fluggesellschaft der Welt – und jene mit den härtesten Anforderungen an das Personal. Aussehen und Gewicht werden streng überwacht.

Dubai - Der Job der Stewardess bei Emirates ist heiß begehrt und hart umkämpft. Es winken rund 2.100 Euro netto, eine Wohnung in Dubai, private Flugtickets für nur zehn Prozent des Preises und weitere Annehmlichkeiten. Doch die Airline stellt dafür harte Anforderungen, einige betreffen Fachkenntnisse, andere das Aussehen. Die Fluglinie soll sogar das Gewicht der Stewardessen ganz genau überwachen, werfen ehemalige Angestellte Emirates vor. Bei Gewichtszunahme sollen sogar Gehaltskürzungen drohen.

Diese Anforderungen hat Emirates an die Flugbegleiter

Jobs bei Emirates sind heiß begehrt. Zu Castings als Flugbegleiterin kommen in der Regel deutlich mehr Kandidatinnen als es Stellen gibt. Schon hier wird optisch ausgesiebt: Die Bewerberinnen müssen mindestens 1,60 Meter groß sein und mit ausgestreckten Armen die Höhe von 2,10 Meter erreichen. Doch es gibt noch viele weitere Kriterien, die sind jedoch ein Geheimnis der Airline. Wer beim Casting rausfliegt, erhält kein direktes Feedback.

Doch auch wer den Job bekommt, kann sich nicht ausruhen. Das Aussehen der Stewardessen gehört für Emirates zum Image der Marke. Für Männer gibt es bestimmte Vorgaben zum Tragen des Bartes, der Länge der Haare oder der Menge an Gel, die sie verwenden. Für Frauen ist die Farbe des Lippenstifts vorgeschrieben und die Art der Frisuren. Alle losen Strähnen ums Gesicht müssen die Mitarbeiterinnen feststecken. Und die „gewählte Frisur darf die richtige Positionierung unseres Hutes nicht beeinträchtigen“, sagt die Flugbegleiterin Alexandra Cosoff gegenüber Daily Mail. Neben dem Aussehen müssen die Stewardessen aber auch mit Kenntnissen über Weine und Speisen glänzen und alle Fragen der Kunden beantworten können. Besonders in der First Class gilt es, sich auf jeden Gast persönlich vorzubereiten. Die Flugbegleiterinnen kennen die Vorlieben jedes Reisenden, egal ob Lieblingszeitschrift oder bevorzugtes Getränk.

Flugbegleiterinnen, Economy Class, Emirates
Flugbegleiterinnen der Emirates Airlines in der Economy Class. © imageBROKER/Joko/ Imago

Gewicht rauf, Gehalt runter: So hart soll Emirates durchgreifen

Die Anforderungen von Emirates sollen jedoch noch weiter gehen: Ehemalige Flugbegleiterinnen werfen der Fluglinie vor, das Gewicht ihrer Angestellten genau zu überwachen. Wer als übergewichtig gilt, werde von der Airline bestraft, so der Vorwurf. Es soll ein sogenanntes „Appearance Management Program“ geben. Die Beauftragten, die als „Gewichtspolizei“ bekannt seien, überwachen demnach routinemäßig das Gewicht der Mitarbeiter in diesem Programm und verhängen Strafen wie Gehaltskürzungen, wenn die Stewardessen die Anforderungen der Fluggesellschaft nicht erfüllen, wie die Daily Mail berichtet.

Kolleginnen hätten Warnungen über ihre Gewichtszunahme erhalten. Das sagte die ehemalige Angestellte Karla Bayson, die neun Jahre lang für die Airline arbeitete, gegenüber der Zeitung Insider. Demnach hätten die betroffenen Kolleginnen das Gewicht innerhalb von zwei Wochen verlieren müssen, bevor die nächste Kontrolle anstand. Eine weitere, anonyme Quelle gab an, dass zu jedem Zeitpunkt rund 150 der insgesamt 25.000 Bordpersonal-Angestellten in besagtem Programm waren. Die jüngsten Behauptungen von Karla Bayson kommen nur wenige Monate nachdem sich bereits eine andere ehemalige Angestellte ähnlich geäußert hatte. Duygu Karaman hatte erklärt, dass sie ebenfalls Teil des „Gewichtsabnahme-Programms“ von Emirates gewesen sei, da sie zwei Kilogramm mehr wog, als es die Vorgaben der Airline vorsahen. Demnach sei sie drei Jahre lang in dem Programm gewesen und habe sich beispielsweise mit willkürlichen Gewichtskontrollen vor Flügen konfrontiert gesehen. Erst wer das geforderte Gewicht ein Jahr lang habe halten können, sei aus dem Programm genommen worden, so Karaman weiter.

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