Definitiv mehr los als in der Stratosphäre

Endlich daheim! Die tz trifft Felix Baumgartner

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Felix Baumgartner mit tz-Reporterin Sina Ojo.

Salzburg - Ich komme jetzt heim!“ – mit diesen Worten („Sowas überlegt man sich vorher“) und dem Sprung, der folgte, hat Extremsportler Felix Baumgartner am 14. Oktober Geschichte geschrieben.

Ich komme jetzt heim!“ – mit diesen Worten („Sowas überlegt man sich vorher“) und dem Sprung, der folgte, hat Extremsportler Felix Baumgartner am 14. Oktober Geschichte geschrieben. Am Samstag kam Baumgartner schon wieder heim – in den Hangar 7, sozusagen das Allerheiligste von Red Bull. Und es war – wenig überraschend – etwas mehr los als damals in der Stratosphäre. Journalisten aus ganz Europa waren geladen, natürlich auch die tz, die Baumgartner zu einem Gespräch traf.

Als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer durchbrochen und Geschichte geschrieben zu haben, dieses Gefühl vermitteln er und sein Team noch immer. „Das war der fantastischste Sprung der Geschichte“, sagte sein Mentor Joe Kittinger, der in den Sechzigerjahren Ähnliches vollbrachte. Und Baumgartner selbst, was kann er berichten von den Tagen nach seinem Irrsinnshupfer? Er staunt vor allem: „Jeden Tag kommen 500 Einladungen für TV- oder Radioauftritte aus der ganzen Welt.“ Aber der 43-Jährige genoss auch am Samstag im Hangar 7 den Rummel, stand geduldig Rede und Antwort und wurde nicht müde, seine Geschichte immer wieder zu erzählen. Auf Deutsch, auf Englisch, und noch mal auf Deutsch, diesmal fürs österreichische Publikum…

Felix Baumgartner gelingt Rekordversuch - Bilder vom Sprung aus dem All

Felix Baumgartner kurz vorm Start bei den letzten Vorbereitungen.  © dpa
Nach mehr als fünf Jahren Vorbereitung machte sich der Österreicher am Sonntag auf dem Weg zu seiner Kapsel.  © dpa
Der Moment der Wahrheit: Felix Baumgartner stieg um 15.28 Uhr in Roswell im US-Bundesstaat New Mexiko in die Kapsel.  © dpa
Ein Heliumballon zog den Salzburger und seine Kapsel an einem 50 Meter langen Seil auf 39 Kilometer Höhe.  © dpa
Bei dem lebensgefährlichen Sprung hat Baumgartner nur einen Druckanzug mit Spezialhelm getragen.  © dpa
Ein Heliumballon zog den Salzburger und seine Kapsel an einem 50 Meter langen Seil auf 39 Kilometer Höhe.  © dpa
Wichtig beim Start, die Kapsel im richtigen Moment vom Kran zu lösen.  © dpa
Wichtig beim Start, die Kapsel im richtigen Moment vom Kran zu lösen.  © dpa
Ein Helikopter kreiste bei den Vorbereitungen über dem Ballon.  © dapd
Zehnmal dünner als eine Plastiktüte ist die Außenhaut des Ballons.  © dapd
Die Ballon und die Kapsel hatten den kritischen Start gut überstanden.  © dapd
Seine Familie und sein Team beim Start des Ballons.  © dapd
Seine Familie und sein Team beim Start des Ballons.  © dapd
Letzte Aufnahmen des Ballons von der Erde aus.  © dapd
Der Aufstieg dauerte rund zweieinhalb Stunden.  © dapd
Neben seinem Druckanzug dient eine Kapsel als einziger Schutz zwischen Sportler und Außenwelt.  © dapd
Anfangs sah der Ballon noch aus wie ein Tropfen, umso höher er aufgestiegen war, desto mehr ging der Ballon in die Breite.  © dpa
Anfangs sah der Ballon noch aus wie ein Tropfen, umso höher er aufgestiegen war, desto mehr ging der Ballon in die Breite.  © AP
Durch den Helm wurde Baumgartner mit 100 Prozent Sauerstoff versorgt und konnte mit seiner Bodenmannschaft kommunizieren.  © dpa
Höchste Anspannung herrschte in der Mission Control, wo Joe Kittinger ständig mit seinem Schützling in Kontakt stand.  © AP
Bilder aus der Mission Control.  © dapd
„Jetzt wird's ernst, Felix“, sagte Baumgarnters Mentor, Joe Kittinger, über Funk, als er mit ihm die Checkliste zur Vorbereitung des Sprungs durchging.  © AP
"Jetzt brauchen wir einen Schutzengel für dich", sagte Kittinger.  © AP
In einer Höhe von 39 Kilometern öffnete der 43-Jährige die Kapsel und betrat die Plattform.  © dpa
Die letzten Worte vor seinem Absprung: "Ich komme jetzt nach Hause".  © AP
Dann hob Baumgartner die Hand zum Gruß kurz an den Kopf und stieß sich von der Kapsel ab.  © dpa
Er musste in einem perfekten Winkel aus der Kapsel abspringen.  © AP
Mit rund 1300 Stundenkilometern raste Baumgartner der Erde entgegen. Damit war Baumgartner rund 265 Stundenkilometer schneller als der Schall. Die Mach-Zahl soll bei 1,24 gelegen haben.  © AP
Rückblick: Am 16. August 1960 war Baumgartners Mentor Joe Kittinger bereits aus 31 Kilometern Höhe in die Tiefe gesprungen.  © AP
Rückblick: Am 16. August 1960 war Baumgartners Mentor Joe Kittinger bereits aus 31 Kilometern Höhe in die Tiefe gesprungen.  © AP
Rückblick: Am 16. August 1960 war Baumgartners Mentor Joe Kittinger bereits aus 31 Kilometern Höhe in die Tiefe gesprungen.  © AP
Nach 4 Minuten und 18 Sekunden zog Baumgartner seinen Fallschirm - früher als geplant.  © dpa
Die Mutter von Felix Baumgartner wartet auf die Landung ihres Sohnes.  © AP
Nicht einmal zehn Minuten später ist der 43-Jährige wieder auf der Erde...  © dpa
...und geht jubelnd auf die Knie.  © dpa
Bei der Landung riss Baumgartner die Arme in Siegerpose in die Höhe.  © dpa
Baumgartner stellte neben dem Durchbrechen der Schallmauer zwei weitere Rekorde auf: Er schaffte den höchsten bemannten Ballonflug und den höchsten Fallschirmsprung.  © AP
Kurz nach seinem Absprung war Baumgartner in das gefährliche Trudeln gekommen, konnte sich dann aber selbst wieder abfangen.  © dpa
„Es war um einiges schwieriger als wir angenommen haben“, sagte der Extremsportler später. "Zeitweise habe er befürchtet, das Bewusstsein zu verlieren."  © AP
Riesige Erleichterung bei Baumgartners Famiilie und dem gesamten Team.  © AP
„Mir sind gerade 20 Tonnen Last von den Schultern gefallen„, sagte Baumgartner in einer ersten Reaktion.  © AP
„Wenn man da oben steht, wird man demütig. Du denkst nicht mehr daran, Rekorde zu brechen, du denkst nicht mehr daran, wissenschaftliche Daten zu sammeln“, sagte Baumgartner später. „Du willst nur noch lebend zurückkommen.“  © AP
Baumgartners Team jubelt, als er bei der Mission Control ankommt.  © AP
Felix Baumgartner, Joe Kittinger und Mike Todd (l.) jubeln bei der Pressekonferenz nach dem Sprung.  © AP
Sponsor Red Bull hat mit dem von weltweit Millionen Menschen verfolgten Spektakel einen Werbewert erzielt, der die vermuteten Kosten von rund 50 Millionen Euro um ein zigfaches übersteigt.  © AP
Felix Baumgartner geht mit diesem Sprung zweifellos in die Geschichte ein.  © dpa

Er hat eben Historisches geleistet: Millionen Menschen vor dem Fernseher hatten an jenem Sonntag die Daumen gedrückt, gebangt, dass alles gutgeht. „Die ganze Welt hat den Atem angehalten“, weiß auch der Protagonist selbst. „Wir haben die Herzen der Leute berührt!“

Unter anderem das von Ban Ki-moon. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen war derart beeindruckt, dass er den Österreicher kurzerhand zu sich einlud – und ihm anbot, als UN-Botschafter zu arbeiten. Baumgartner: „Ban Ki-moon hat mir erzählt, dass seine Kinder mit leuchtenden Augen den Sprung vor dem Fernseher verfolgt haben. Und ich glaube, er hat erkannt, dass die Jugend wieder Vorbilder braucht. Das habe ich in vielen Gesprächen erlebt. Gerade für die jungen Leute, die die Mondlandung nicht mehr miterlebt haben, ist dieser Weltall-Sprung ihre ganz persönliche Mondlandung.“

Sein Ziel sei es jetzt, „die junge Generation zu inspirieren“. Deshalb hat der gelernte KfZ-Mechaniker das Angebot von Ban dankend angenommen.

Ob Baumgartner denn auch den Sprung in die Politik wagen würde? „Nein, auf keinen Fall“, sagt er. Erst mal steht die Arbeit mit den Jugendlichen im Fokus. Und dann? Was ist sonst für die Zukunft geplant? Getreu dem Motto „Born To Fly“ (geboren, um zu fliegen), das Felix auf den rechten Unterarm tätowiert hat, zieht es den Sportler auch weiter in himmlische Sphären. „Als Kind hatte ich zwei Träume: Ich wollte Fallschirmspringen und Hubschrauberpilot sein. Den einen habe ich mir jetzt erfüllt, der zweite ist meine Zukunft.“

In dieser Zukunft haben auch Freundin Nicole und Mama Eva wieder mehr Platz. Das wünscht er sich zumindest. Denn wenn es ein bisschen ruhiger wird, „will ich gerne eine eigene Familie gründen“, so Baumgartner.

Dafür will er sich aus dem Extremsport zurückziehen. Na ja, eigentlich. „Im Base-Jumping habe ich meinen Zenith erreicht. Ich bin am Ende einer Reise angekommen“, sagt er. „Aber wenn ich gefragt würde, ob ich bei einem bemannten Mondflug mitkommen würde, wäre ich sofort dabei.“

Hat denn so ein Mann vor gar nichts Angst? „Ich habe genau die gleichen Ängste, die andere Menschen auch haben. Nur Höhenangst“, versichert er augenzwinkernd, „die habe ich nicht.“

Sina Ojo

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