Neues Tierschutzbund-Kennzeichen

Was bringt das neue Fleischsiegel?

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Ab heute ist das neue Fleischsiegel mehr und mehr in den Supermärkten anzutreffen

Berlin - Horror-Bilder aus der Massentierhaltung und Lebensmittelskandale haben bei vielen Verbrauchern ein Umdenken ausgelöst: Sie wollen mit gutem Gewissen einkaufen. Ein neues Tierschutz-Kennzeichen soll dabei helfen.

Horror-Bilder aus der Massentierhaltung, Lebensmittelskandale und Tierseuchen haben bei vielen Verbrauchern ein Umdenken ausgelöst: Sie wollen mit gutem Gewissen einkaufen. Ein neues Tierschutz-Kennzeichen des Deutschen Tierschutzbundes soll dabei helfen. Die tz stellt es vor:

Was sagt das neue, blaue Tierschutz-Siegel aus?

Die Tiere haben etwa ein Drittel mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben, verspricht Tierschutzbund-Präsident Thomas Schröder. Das Kennzeichen gibt es in zwei Stufen. Ein Stern bedeutet: Es ist ein konventionell gehaltenes Huhn oder Schwein, das aber besser gehalten wird, als es die gesetzlichen Mindeststandards vorschreiben. Die Hühner müssen eine Sitzstange, Heu und Picksteine haben. Auch das schmerzhafte Abschneiden von Schnäbeln oder das betäubungslose Kastrieren der Eber sowie das Abschneiden der Schwänze sind verboten. Zwei Sterne bedeuten: Zudem haben die Tiere u. a. einen Außenauslauf, bei den Schweinen gibt es Stroh­einstreu. In beiden Stufen ist es verboten, Gentechnisch behandeltes Futter zuzufüttern.

Wie wird kontrolliert?

Zertifizierte Betriebe werden durch die Gesellschaft für Ressourcenschutz kontrolliert, die auch andere Standards in der Landwirtschaft überprüft.

Wieviel teurer kommt das Fleisch mit Tierschutz-Siegel?

Tierschutzbund-Präsident Thomas Schröder geht davon aus, dass Fleisch mit dem Siegel mehr als zehn Prozent teurer wird als konventionelles Fleisch.

Ab wann gibt es das neue Label?

Ab heute. Zunächst gibt es das Siegel für Produkte von Geflügelhöfen des zu Wiesenhof gehörenden Privathof-Konzepts und für Mastschweine des Unternehmens Vion. Weitere Hersteller sollen sich anschließen, hofft der Tierschutzbund. Zudem soll es das Label langfristig auch für Rinder und andere Tiere geben.

Warum ist das neue Label umstritten?

Verbraucherschützer beklagen, dass es inzwischen einen Wust von Zeichen gibt, die den Kunden nur verwirren. „Uns wäre eine gesetzliche Regelung lieber mit klaren Kriterien, die eingehalten werden müssen“, so Hartmut König von der Verbraucherzentrale Hessen. Zudem wird der Tierschutzbund kritisiert, hier ausgerechnet mit dem Massentierhalter Wiesenhof gemeinsame Sache zu machen.

Welche Tierschutz-Siegel gibt es bereits?

Am weitesten verbreitet ist das sechseckige Bio-Siegel gemäß der EU-Ökoverordnung, daneben gibt es strengere Öko-Labels wie Naturland oder Demeter. Laut EU-Bio-Siegel sind pro Hektar, also 10 000 Quadratmeter, 230 Hennen oder 14 Mastschweine erlaubt. Das wären zwei Sterne beim Tierschutzbund-Label. Seit Januar gibt es in Edeka- und Kaufland-Läden zudem das „Tierschutz-kontrolliert“-Label von Vier Pfoten.

Klaus Rimpel

Etiketten-Schwindel

Verbraucher haben in anderthalb Jahren 6650 Lebensmittel im Internet angeprangert, weil sie sich von Aufmachung und Kennzeichnung der Produkte getäuscht fühlten. Das ist die Bilanz des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), der im Juli 2011 das Internet-Portal Lebensmittelklarheit.de eingerichtet hat. Auf dieser Anlaufstelle für Bürger, die sich durch die Aufmachung von Lebensmitteln getäuscht fühlen, werden Beispiele genannt wie „Kalbswiener“ mit nur 15 Prozent Kalbfleischanteil oder Beerenjoghurt ohne Beeren. „Was drin ist, muss drauf stehen. Was drauf steht, muss drin sein“, fordert vzbv-Chef Gerd Billen.

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