"Endlich haben wir einen Ort der Trauer"

Erste Gedenkstätte für deutsche Opfer des 11. September

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Im Innenhof der amerikanischen Botschaft in Berlin erinnert künftig ein Granitstein mit Inschrift an die elf Deutschen, die in New York ums Leben kamen

Berlin - Auf diesen Moment hat Manfred Gorki so lange gewartet: Am Donnerstag wurde im Innenhof der amerikanischen Botschaft in Berlin ein Gedenkstein für die deutschen Opfer des elften September enthüllt.

Der 66-jährige Gorki – er verlor seinen Sohn Sebastian (27) in New York – ist Initiator der Gedenkstätte.

„Der elfte September ist ein Datum, das uns seit einigen Jahren Angst macht“, erzählt der Familienvater aus dem westfälischen Iserlohn. Die bisherigen sechs Jahrestage der Terroranschläge hat er am New Yorker „Ground Zero“ verbracht. Der Ort, an dem sein geliebter Sohn Sebastian sein Leben verlor.

Der Angestellte der Deutschen Bank war im 96. Stockwerk des Südturms, als die Flugzeuge ins World Trade Center rasten. Erst im März 2000 war Sebastian Gorki nach New York gezogen. Seine Eltern Marlies und Manfred hatten ihn an einem sonnigen Morgen zum Flughafen in Frankfurt am Main gebracht – der Start in ein neues Leben inklusive Traumjob. Am Tag der Terroranschläge vertrat Sebastian Gorki in dem Wolkenkratzer einen Kollegen. Seine Lebensgefährtin, ebenfalls Bankerin, sollte eigentlich auch in ihrem Büro im Südturm sitzen. Doch sie fühlte sich an diesem Morgen nicht wohl und kam zu spät. Der Grund: Die 29-jährige Brasilianerin war im zweiten Monat schwanger. Als Baby Nicholas am 25. April 2002 zur Welt kam, war Oma Marlies Gorki dabei. Seinen Papa wird Nicholas nie kennenlernen.

Zwei Wochen nach dem Attentat hatten die Gorkis zusammen mit ihrem jüngeren Sohn Manuel in New York noch verzweifelt nach Sebastian gesucht. Dann hatten sie die traurige Gewissheit, dass er unter den Opfern ist. Mit ihm starben zehn weitere Deutsche im World Trade Center und einer in einem entführten Flugzeug. Doch über ihr Schicksal ist in ihrer Heimat kaum etwas bekannt.

Das wollte Manfred Gorki ändern. Unermüdlich setzte er sich in den vergangenen zwei Jahren für einen Ort der Trauer und Erinnerung ein. Die letzte Ablehnung habe er vom Innenministerium erhalten. „Die waren genauso unsensibel wie das Generalkonsulat nach den Anschlägen“, findet er. Damals ­habe das Konsulat kommentarlos das Fax weitergeleitet, das den Tod seines Sohnes bestätigte. „Ich bin enttäuscht, weil die Bundesrepublik sich nicht zu einer Gedenktafel durchringen konnte“, so Gorki. „In der amerikanischen Botschaft fühlen wir uns mit unserer Trauer endlich ernst genommen.“

US-Botschafter William R. Timken versprach, Familienangehörige der Opfer könnten sich in ­Zukunft an die Botschaft wenden und den Granitstein mit der Inschrift besuchen. Beim Fest der Enthüllung lagen darauf weiße Rosen. Eine davon erinnerte an Sebastian Gorki.

sas

Quelle: tz

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