Fans dürfen sich auf weitere Folgen freuen

Flüchtlings-YouTuber: So kam es zu Zukars Video

+
Gefragter YouTuber: der syrische Flüchtling Firas Al Shater alias Zukar. 

Berlin - Er ist ein YouTube-Shootingstar: Der Syrer Firas Al Shater alias Zukar hat mit seinem humorvollen Flüchtlings-Video einen Volltreffer gelandet. Es soll nicht der einzige bleiben. 

Sein Terminkalender ist proppenvoll. Firas Al Shater alias Zukar kann sich vor Interview-Anfragen kaum noch retten. Sein YouTube-Video "Wer sind diese Deutschen?" geht durch die Decke. Rund 1,5 Millionen Menschen haben den dreiminütigen Clip angeschaut, in dem der Syrer erklärt, wie die Deutschen ticken. Bei Folge 1 seiner "Zuckerstückchen", wie er sie nennt, soll es aber nicht bleiben. Zukar startet eine ganze Webserie. Die Flüchtlingskrise und Integration mal anders, aus den Augen eines Flüchtlings. Und das alles witzig und spritzig verpackt. 

Doch warum hat Zukar diese humorige Variante bei einem ernsten Thema wie der Flüchtlingskrise gewählt? Ganz einfach: „Das ist für uns beide immer noch der beste Weg zu den Menschen", sagt Al Shaters Partner Jan Heilig, Geschäftsführer der „filmbit filmproduktion GmbH" gegenüber unserer Online-Redaktion. Das Video ist eine Gemeinschaftsproduktion der beiden. „Außerdem", sagt Heilig, „sind wir einfach so, wir machen gerne Spaß." 

"In eine Lücke im Medienkonzert gestolpert"

Die zwei Männer kennen sich aber schon länger. Al Shater arbeitete schon mehrfach mit Jan Heilig zusammen, unter anderem für den Kinofilm „www.syria-inside.com", bei dem er für den syrischen Filmemacher Tamer Alawam einsprang, der 2012 in dem Land bei Dreharbeiten ums Leben gekommen war.

Die Idee, ein Video wie „Wer sind diese Deutschen?" zu kreieren, kam allerdings relativ spontan, erzählt Jan Heilig. „Wir wollten einen Trailer für interessierte Medienplattformen produzieren." Das Umarmungs-Experiment hatte Al Shater bereits im Kasten. Darauf hat das Duo aufgebaut. 

Dass Zukar mit dem Clip zum YouTube-Star aufsteigt, das haben weder der 24-Jährige selbst noch Heilig erwartet. „Wir wussten nur, es ist gut, und wir würden es sofort teilen", erzählt der filmbit-Geschäftsführer. Aber gleich so einen Riesenerfolg – nein, damit hat niemand gerechnet. „Offenbar war da eine Lücke im Medienkonzert, in die wir gestolpert sind: Die Stimme der Flüchtlinge selbst – ungefiltert." 

Die Aufregung bevor das Video online gegangen ist, hat sich jedenfalls gelohnt. Sie hielt sich ohnehin in Grenzen. Schließlich ist es nicht die erste Veröffentlichung des Flüchtlings. „Er ist genauso Mitglied der Generation Internet wie die gleichaltrigen Deutschen", sagt Heilig über Al Shater. 

Al Shater schleuste westliche Reporter heimlich nach Syrien

Hinzukommt, dass sich der junge Syrer in der Branche auskennt. Wie er in Folge 1 seiner Video-Reihe sagt, arbeitete er bereits in seiner Heimat Syrien als Filmemacher. Die politische Entwicklung in seiner Heimat wollte er nicht tatenlos mit ansehen. Von Anfang an dokumentierte er sie als Aktivist und eben als Filmemacher, drehte Islamisten- und Assad-kritische Filme und wurde deshalb von beiden Seiten verfolgt, erklärt Heilig. Das war es ihm wert, um der Regime-Propaganda etwas entgegenzusetzen und aufzuklären. 2011 gehörte er zu den Mit-Organisatoren der ersten Demonstrationen gegen das Regime in Damaskus. Neun Monate verbrachte er in Gefängnissen, wurde gefoltert. Auch Islamisten haben den Syrer gefangen gehalten. Trotzdem ließ er nicht davon ab. Sogar westliche Reporter habe er laut Heilig heimlich nach Syrien geschleust und sie bei der Berichterstattung unterstützt. 

So geht's mit der Webserie weiter

Seit zweieinhalb Jahren lebt Firas Al Shater nun als anerkannter Flüchtling in Berlin, fühlt sich dort auch wohl. Die Willkommenskultur sieht der Syrer noch ungebrochen und viel stärker, als die Medien die Situation darstellen. Und dennoch: Wenn er könnte, würde er gerne wieder zurück in seine Heimat. Schon allein, weil ein Teil seiner Familie sich in dem Kriegsgebiet noch aufhält. Doch die Chancen für eine Rückkehr seien gleich Null, sagt Heilig. Zu gefährlich ist die Lage in dem Land, in dem der IS seine Schreckensherrschaft ausübt. Zwar läuft Al Shaters Visum ab, doch „dieses wird für Syrer ja sehr wahrscheinlich noch oft verlängert". Deshalb schmiedet der Flüchtling schon fleißig Pläne für die Zukunft: Er bereitet sich auf ein Studium im Filmschnitt an der HFF Konrad Wolf in Potsdam vor. 

Dort dürfte sein Name dann schon ein Begriff sein. Denn der 24-Jährige lässt seine zahlreichen Fans, die er mit seinem Zukar-Debut gewonnen hat, nicht im Stich. Zehn Folgen sind geplant. 50 Prozent der Finanzierung hat das Co-Produktions-Team bereits gesichert. „In Kürze wird dafür Filmförderung beim Medienboard Berlin Brandenburg beantragt, die neuerdings auch Webserien fördern", verrät Heilig. Der Erfolg könnte Al Shater sogar die Möglichkeit eröffnen, das Ganze größer aufzuziehen. "Das ist im Gespräch", gibt der filmbit-CEO zu. „Aber die zehn Folgen selber haben wir versprochen und die machen wir auch."

Darum soll's in den nächsten Folgen gehen

Um die YouTube-Reihe fortzusetzen, holt sich Al Shater einen deutschen Partner – aktuell sei die Caritas schon interessiert – mit ins Boot. Das Ziel: Zukar soll dadurch Zugang zu allem bekommen, was mit den Deutschen zu tun hat. Zu viel über die kommenden Inhalte der Videos möchte natürlich noch niemand rausposaunen. Im Groben wird es sich um Bereiche der Alltagskultur oder der Flüchtlingsarbeit drehen. Weitere Ideen sind das Motto "Typisch Deutsch", eine Liste "Fünf Dinge, die Flüchtlinge nur schwer verstehen" oder eine Folge darüber, warum Zukar seinen Freunden bei der Steuererklärung hilft. "Außerdem kommen bestimmt auch mal Katzen drin vor", gibt Jan Heilig preis. So viel steht also fest: Die Fans können sich überraschen lassen. 

Reaktionen auf das erste Zukar-Video:

Auch interessant

Meistgelesen

Regionalexpress rammt Lkw - ein Toter und elf Verletzte
Regionalexpress rammt Lkw - ein Toter und elf Verletzte
Erschossener Elefant fällt um - und tötet Jäger
Erschossener Elefant fällt um - und tötet Jäger
Nach jahrelangem Missbrauch: 23-Jährige schneidet Prediger Penis ab
Nach jahrelangem Missbrauch: 23-Jährige schneidet Prediger Penis ab
Kinderpanzer zum Verkauf bei Amazon! Eltern reagieren grandios
Kinderpanzer zum Verkauf bei Amazon! Eltern reagieren grandios

Kommentare