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Europol-Abzocke: Studentin fällt auf Telefon-Betrüger rein - 20.000 Euro weg

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Von: Simon Stock

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Die dreiste Europol-Betrugsbande hat mit einer Serie von Fake-Anrufen eine Studentin ausgenommen. Sie verlor 20.000 Euro. Der Täter übten heftigen Druck aus.

Hamm - „This call is from Europol“: Seit Monaten versuchen Betrüger, Menschen in Deutschland übers Handy abzuzocken. Es gibt eine richtige Reaktion auf den Fake-Anruf der vermeintlichen Europol-Ermittler, doch immer wieder fällt jemand unter dem Druck der Telefontäter auf die dreiste Masche herein und verliert Geld. Im aktuellen Fall einer Studentin aus Leipzig sogar sehr viel Geld.

BehördeEuropol
SitzDen Haag (Niederlande)
Gründung1. Oktober 1998

Europol-Abzocke: Studentin verliert 20.000 Euro an Anruf-Betrüger

Es begann mit einem ominösen Anruf, wie wa.de berichtet. Dreimal klingelte das Handy der Studentin, dreimal wurde eine deutsche Nummer angezeigt. Beim dritten Mal hob sie schließlich ab und bekam eine Ansage vom Band zu hören. Ihre persönlichen Daten seien missbraucht worden, hieß es. Als die Studentin wie gewünscht die Taste „1“ auf ihrem Smartphone drückte, wurde sie zu einer vermeintlichen Mitarbeiterin der Bundespolizei weitergeleitet.

Die erklärte der erstaunten Studentin, dass angeblich mehrere Bankkonten und zwei Berliner Adressen auf ihren Namen registriert seien. Es gehe um den Verdacht von Geldwäsche und Drogenhandel. Um dem Ganzen einen amtlichen Anstrich zu verpassen, nannte die Betrügerin der Studentin eine „Aktennummer“, wie der MDR berichtet. Anruf beendet.

Auftritt „Europol“: Ein vorgeblicher Mitarbeiter der internationalen Strafverfolgungsbehörde rief an und forderte die Leipzigerin auf, ihr gesamtes Geld auf ein spezielles Bankkonto zu überweisen, um eine Haftstrafe abzuwenden. Dies tat sie unter dem so erzeugten Druck direkt per App ihrer Online-Bank noch während des Telefonats. Ihre ganzen Ersparnisse, knapp 20.000 Euro.

Europol-Betrüger arbeiten mit Druck am Telefon

Zum Abschluss sagte ihr der Europol-Betrüger, dass er einen Termin bei einer lokalen Polizeistation gemacht habe - dort würde sie weitere Informationen zu ihrem konkreten Fall erhalten. Doch dort wusste auf Nachfrage niemand etwas davon. Das Geld ist weg.

So wie der Leipzigerin war es auch bei einer Frau aus Iserlohn (NRW), die eine hohe Geldsumme an die Europol-Betrüger verlor. Sie wurde zu einem vermeintlichen Europol-Sachbearbeiter weitergeleitet, der in englischer Sprache mit indischem Akzent weitere Ausführungen zum vermeintlichen Identitätsmissbrauch machte. Angeblich sei die „ID“ der Angerufenen für eine Straftat genutzt worden, weshalb eine sofortige Zusammenarbeit mit Europol, also dem Anrufer, Pflicht sei. Andernfalls drohten „erhebliche Folgen“ bis hin zu einer Gefängnisstrafe. Auch hier siegte der Druck der Täter über die Skepsis der Angerufenen.

Europol ist keine Erfindung, sondern eine echte europäische Polizeibehörde mit Sitz in Den Haag (Niederlande). Mies: Die angebliche Anruf-Nummer stimmte mit einer echten Telefonnummer von Europol überein. Das überzeugte auch die Studentin aus Leipzig. Die Täter nutzen dabei laut Bundeskriminalamt (BKA) ein spezielles technisches Verfahren, weshalb ihre Opfer eine tatsächlich zu Europol oder einer deutschen Polizeidienststelle gehörende Telefonnummer angezeigt bekommen.

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