Hello, Mr. Sarbest

Ex-General hilft Flüchtlingen in einer Grundschule

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Wenn Mr. Sarbest in die Schule kommt, laufen ihm die Kinder schon freudestrahlend entgegen. Er hat immer einen freundliches Wort für sie.

Mr. Sarbest und seine Familie helfen den Flüchtlingen in der Zin-Grundschule in Zakho so gut sie können. Zum Beispiel bringen sie täglich Essen zu den Flüchtlingen. 467 kurdische Vertriebene werden so in dem Gebäude  versorgt.

Mr. Sarbest ist ein stattlicher Mann. Man kann sich gut vorstellen, wie er noch vor ein paar Jahren als General der Peschmerga-Kämpfer das Kommando geführt hat. Stolz schreitet er durch die Zin-Grundschule in Zakho. Von überall her laufen ihm die Kinder entgegen: „Hello, Mr.Sarbest.“

Zakho ist eine 250 000-Einwohner-Stadt an der Grenze zur Türkei. Zakho ist aber auch die Stadt, in der sich prozentual am meisten Flüchtlinge aufhalten. Um die 280 000 Menschen sind in der Stadt, leben in Rohbauten, provisorischen Lagern oder eben in Grundschulen wie der Zin-Schule. „Wir in Zakho wissen, was es heißt auf der Flucht zu sein, wir haben das alles schon mal selbst erlebt“, sagt Mr. Sarbest. „Deshalb ist es für uns selbstverständlich, dass wir helfen. Egal wie viele da sind“

Spendenkonten:

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Konkret heißt das für den Ex-General: Er und seine Familie bringen zum Beispiel täglich Essen zu den Flüchtlingen, Sie sammeln Kleidung und Spielsachen für die Kinder, andere Nachbarn haben Matratzen und Decken gebracht. 467 kurdische Vertriebene werden so in dem Gebäude versorgt. „Auch Unicef tut in Zakho viel, die anderen Hilfsorganisationen unterstützen uns ebenfalls“, so Mr. Sarbest. Ohne die fremde Hilfe wäre die Lage noch viel katastrophaler, glaubt er.

Seine beiden Töchter und sein Sohn statten der Grundschule jeden Tag einen Besuch ab. Ihre eigene Schule ist derzeit geschlossen, weil sie ebenfalls in eine Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert wurde. Deshalb haben die Jugendlichen gerade viel Zeit. Die nutzen sie, um mit den Kindern nebenan zu spielen, zu malen und sie sogar zu unterrichten. In den ersten Tagen zeichneten viele der Kinder Gewehre und Explosionen. Inzwischen sind auch mal Blumenwiesen, Sonnen oder Tiere dabei. „Wenn Mr. Sarbest oder seine Kinder kommen, ist immer was los. Ich habe auch schon oft eine Banane bekommen“, erzählt Salan (10). Außerdem achte er immer darauf, dass in der Schule alles schön sauber sei.

Mr. Sarbest ist eben ein ehemaliger General. „Man muss den Leuten auch mal strenger etwas sagen, damit es funktioniert. Gemeinschaften können schnell aus dem Ruder laufen“, erklärt er. In Zakho würde das Zusammenleben zwischen Einheimischen und Flüchtlingen bisher sehr gut funktionieren. „Auf jeden Einwohnern kommt gerade mindestens ein Flüchtling. Stellen Sie sich vor, in Ihre Heimatstadt München kämen innerhalb von ein paar Wochen 1,5 Millionen Vertriebene. Die Zahl der Menschen, die in Zakho landen, überfordert manche. Aber alle wissen, dass es gerade keinen anderen Ausweg gibt. Und wir haben keinen Anstieg von Straftaten, darauf sind wir auch ein bisschen stolz.“

tz-Aktion mit Unicef: Bilder aus den Krisengebieten

tz-Aktion mit Unicef: Bilder aus den Krisengebieten

Mr. Sarbest fürchtet allerdings, dass eine Zeit kommen könnte, in der das Essen knapp werde und auch die Einwohner an ihre Grenzen stoßen könnten. „Ein Kampf ums Essen ist immer schlimm, da werden Menschen zu Tieren.“ Problematisch sei auch, dass alle Beamten und Staatsangestellten über mehrere Monate keinen Lohn bekommen hätten. „Die Familien brauchen selbst ihre Rücklagen auf, geben dabei noch etwas an noch Bedürftigere ab, das kann nur eine bestimmte Zeit lang gut gehen.“

Mr. Sarbest hofft auf noch mehr Unterstützung von außen. „Der IS tritt die Menschenrechte, die Grundlage jedes friedlichen Zusammenlebens, mit Füßen. Da kann man auch von der Ferne nicht nur zuschauen. Wir brauchen Länder, die im Kampf gegen die Terroristen an unserer Seite sind. Noch nie waren unsere Demokratien in solcher Gefahr. Wir hier sind bereit zu sterben, um diesem Irrsinn ein Ende zu bereiten.“

"Sie haben doch keine Wahl"

Nachbar der Zin-Grundschule: Ladenbesitzer Azad (33).

Der Laden von Azad (33) liegt gleich um die Ecke der Zin-Grundschule. Hier gibt es alles, was man zum Heimwerken braucht. Seit Wochen gehen die Geschäfte schon schleppend. In Zakho wird kaum mehr gebaut. In den Rohbauten campieren Flüchtlinge, die meisten Bauarbeiten sind gestoppt. Und die Flüchtlinge haben kaum Geld, um sich Werkzeuge oder anderes Baumaterial zu kaufen. Azad hat selbst sieben Kinder (sieben bis 14 Jahre alt), die zum Teil in die Zin-Schule gehen würden, gäbe es denn dort Unterricht. So schaut seine Frau zu Hause, dass die Kinder mit dem Lernen am Ball bleiben. Der Ladeninhaber hilft den Menschen in der Schule immer wieder aus, gewährt Preisnachlässe, verschenkt auch mal Gaskartuschen, Nägel oder Wäscheleinen. „Die Leute haben doch keine Wahl. Ich schon.“

Dorit Caspary

tz-Aktion für Unicef: Spenden Sie für Flüchtlingskinder

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