Ex-RAF-Terroristin Verena Becker festgenommen

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Die ehemalige Terroristin Verena Becker auf einem undatierten Fahndungsfoto, das in den 1970er Jahren verbreitet wurde, und Generalbundesanwalt Siegfried Buback im September 1976 in Bonn. Der S ohn des 1977 ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback hält Ex-RAF-Terroristin Verena Becker mit höchster Wahrscheinlichkeit für die Todesschützin seines Vaters.

Karlsruhe - Die frühere RAF-Terroristin Verena Becker ist mehr als 30 Jahre nach der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback unter dringendem Tatverdacht verhaftet worden.

Sie soll 1977 an dem Attentat in der Karlsruher Innenstadt beteiligt gewesen sein, teilte die Bundesanwaltschaft am Freitag in Karlsruhe mit. Neben Buback waren damals auch sein Fahrer Wolfgang Göbel und Justizhauptwachtmeister Georg Wurster erschossen worden. Becker wurde am Freitag in Karlsruhe verhört. Nach den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft soll die heute 57-Jährige entgegen früherer Erkenntnisse “wesentliche Beiträge zur Vorbereitung und Durchführung des Anschlags“ geleistet haben. Ob gegen sie Anklage erhoben wird, ist noch unklar.

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Der Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts, Michael Buback, hofft nun, dass der Fall in einem neuen Prozess aufgerollt wird. Der RAF-Forscher Wolfgang Kraushaar verwies darauf, dass bereits 1977 die Indizien gegen Becker erdrückend waren, es aber bisher keine Anklage gegen sie gegeben habe. Die Festnahme Beckers erfolgte schon am Donnerstag in Berlin durch Beamte des Bundeskriminalamtes. Kurz zuvor hatte Becker in der “Bild“-Zeitung noch beteuert, dass sie Buback nicht erschossen habe. “Nein, das wissen Sie doch. Die Sache ist für mich erledigt“, hatte sie gesagt. In Berlin lebte sie seit längerem mit ihrer Schwester im Stadtteil Zehlendorf.

Die RAF: Schreckensbilder vergangener Zeiten

Eine der Aufsehen erregendsten AKtionen der RAF: Die Entführung von Arbeitgeber-Präsident Hans-Martin Schleyer am 5. September 1977 in Köln.
Eine der Aufsehen erregendsten Aktionen der RAF: Die Entführung von Arbeitgeber-Präsident Hanns-Martin Schleyer am 5. September 1977 in Köln. © dpa
Bei der brutalen Aktion erschoss die RAF drei Leibwächter sowie den Fahrer Schleyers.
Bei der brutalen Aktion erschoss die RAF drei Leibwächter sowie den Fahrer Schleyers. © dpa
43 Tage lang hielten die Terroristen Schleyer gefangen...
43 Tage lang hielten die Terroristen Schleyer gefangen... © dpa
... Nachdem die parallel ausgeführte Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" scheiterte, wurde Schleyer am 18. Oktober 1977 erschossen.
... Nachdem die parallel ausgeführte Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" scheiterte, wurde Schleyer am 18. Oktober 1977 erschossen. © dpa
Wenige Monate zuvor hatte die RAF auch schon gemordet, als am 7. April in Karlsruhe Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seine zwei Begleiter kaltblütig erschossen wurden.
Wenige Monate zuvor hatte die RAF auch schon gemordet, als am 7. April in Karlsruhe Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seine zwei Begleiter kaltblütig erschossen wurden. © dpa
Fünf Jahre zuvor hatte die RAF auch in Bayern Anschläge verübt. So wurde unter anderem das Landeskriminalamt in München Ziel eines Bombenattentats. Dabei gab es zahlreiche Verletzte, 60 Autos wurden demoliert.
Fünf Jahre zuvor hatte die RAF auch in Bayern Anschläge verübt. So wurde unter anderem das Landeskriminalamt in München Ziel eines Bombenattentats. Dabei gab es zahlreiche Verletzte, 60 Autos wurden demoliert. © dpa
Der Terror der RAF reichte bis spät in die 80er Jahre hinein: Am 30. November 1989 wurde Deutsche-Bank-Vorstand Alfred Herrhausen in Bad Homburg ermordet.
Der Terror der RAF reichte bis spät in die 80er Jahre hinein: Am 30. November 1989 wurde Deutsche-Bank-Vorstand Alfred Herrhausen in Bad Homburg ermordet. © dpa
Jahrelang der Kopf der RAF: Andreas Baader.
Jahrelang der Kopf der RAF: Andreas Baader. © dpa
Ulrike Meinhof.
Ulrike Meinhof. © dpa
Gudrun Ensslin.
Gudrun Ensslin. Zusammen mit Baader und Meinhof war sie lange die treibende Kraft der RAF. © dpa
Brigitte Mohnhaupt.
Im folgenden weitere Terroristen, die für die RAF brutal aktiv waren: Brigitte Mohnhaupt. © dpa
Rolf Heißler. © dpa
Jan Carl Raspe.
Jan Carl Raspe. © dpa
Rolf-Clemens Wagner.
Rolf-Clemens Wagner. © dpa
Ernst-Volker Staub und Daniela Klette.
Ernst-Volker Staub und Daniela Klette. © dpa
Knut Volkerts.
Knut Volkerts. © dpa
Peter-Jürgen Boock.
Peter-Jürgen Boock. © dpa
Christian Klar, der nach 26 Jahre Haft in die Freiehit entlassen wird.
Christian Klar, der nach 26 Jahre Haft in die Freiheit entlassen wird. © dpa
Das Gefängnis, das Berühmtheit erlangte: Stuttgart-Stammheim. Dort nahmen sich die inhaftierten Baader, Meinhof und Ensslin das Leben.
Das Gefängnis, das Berühmtheit erlangte: Stuttgart-Stammheim. Dort nahmen sich die inhaftierten Baader, Meinhof und Ensslin das Leben. © dpa
Die letzte Seite des Schreibens, mit dem die RAF 1998 ihre endgültige Auflösung bekannt gab.
Die letzte Seite des Schreibens, mit dem die RAF 1998 ihre endgültige Auflösung bekannt gab. © dpa

Die Bundesanwaltschaft teilte mit, es gebe nach wie vor keine Beweise, dass Becker auch die tödlichen Schüsse auf Buback und seine beiden Begleiter von einem Motorrad aus abgefeuert habe. Der seit langem bestehende Verdacht gegen die frühere Terroristin habe sich nach einer Hausdurchsuchung in Berlin vor einer Woche erhärtet. “Dabei wurden Unterlagen sichergestellt, deren Inhalt zusammen mit den bereits bisher vorhandenen Beweismitteln den dringenden Tatverdacht begründet, dass Verena Becker als Mittäterin an dem Anschlag beteiligt war“, erklärte die Bundesanwaltschaft.

Zu dem Attentat hatte sich das “Kommando Ulrike Meinhof“ der Roten Armee Fraktion (RAF) bekannt - wer aber auf Buback geschossen hatte, ist bis heute ungeklärt. Unter anderem hatte eine neue DNA-Analyse den Verdacht einer Beteiligung Beckers erhärtet, nachdem sie 2008 noch entlastet worden war. An Briefumschlägen, mit denen die damaligen Bekennerschreiben versandt worden waren, war Genmaterial entdeckt worden, das nach dem Gutachten eindeutig von Becker stammt. Michael Buback hatte immer wieder die These geäußert, Becker könne die Todesschützin gewesen sein.

Die 57-Jährige war im Dezember 1977 wegen einer Schießerei während ihrer Festnahme zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nach nur vier Jahren im Gefängnis suchte sie den Kontakt zum Verfassungsschutz. Dabei soll sie RAF-Insiderwissen weitergegeben und erklärt haben, dass der frühere RAF-Terrorist Günter Sonnenberg das Motorrad fuhr, Christian Klar im Fluchtwagen wartete und Stefan Wisniewski vom Motorrad-Rücksitz aus auf Bubacks Wagen schoss.

Das Verfahren gegen Becker im Mordfall Buback war im März 1980 ohne eine Anklage eingestellt worden, weil die Beweise dafür nicht reichten und Becker inzwischen zu lebenslang verurteilt worden war. 1989 wurde sie begnadigt.

Michael Buback hofft nach dem Haftbefehl auf einen neuen Prozess. Es wäre zu wünschen, dass es zu einer Anklage und zu einem Prozess kommt, der dann die “vollständige Wahrheit“ ans Licht bringt, sagte Buback der “Mitteldeutschen Zeitung (Samstag). “Ich hatte inzwischen die Hoffnung aufgegeben, dass diesem dringenden Tatverdacht nachgegangen wird“, sagte Buback. “Es gibt vier voneinander unabhängige Zeugenaussagen, die eine zierliche Frau hinten auf dem Tat-Motorrad gesehen haben. Von dort wurde auch geschossen.“

Der Politikwissenschaftler Kraushaar sieht ebenfalls starke Anhaltspunkte für eine Beteiligung Beckers an der Ermordung von Siegfried Buback. “Schon 1977 waren die Indizien so stark, dass Günter Sonnenberg das Motorrad gefahren hat und Verena Becker geschossen hat, dass man sich wundern muss, warum nicht bereits damals gegen sie Anklage erhoben worden ist“, sagte der Wissenschaftler des Hamburger Instituts für Sozialforschung der Deutschen Presse-Agentur dpa. “Das ist das eigentlich Skandalöse.“ Die meisten RAF-Morde sind nie vollständig geklärt worden, weil die verhafteten Terroristen Aussagen zu den Todesschützen verweigerten.

dpa

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