Ex-RAF-Terroristin Verena Becker in U-Haft

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Verena Becker auf einem undatierten Fahndungsfoto, das in den 1970er Jahren verbreitet wurde und Generalbundesanwalt Siegfried Buback, der im Jahr 1977 erschossen wurde.

Frankfurt/Main - 20 Jahre nach ihrer Freilassung aus dem Gefängnis sitzt die frühere RAF-Terroristin Verena Becker wieder wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft.

Aufgrund neuer Beweise und Indizien im Mordfall Siegfried Buback 1977 wurde die 57-Jährige bereits am Donnerstag in Berlin festgenommen. Politiker forderten Aufklärung über die Rolle des Verfassungsschutzes in dem Fall.

Die RAF: Schreckensbilder vergangener Zeiten

Eine der Aufsehen erregendsten AKtionen der RAF: Die Entführung von Arbeitgeber-Präsident Hans-Martin Schleyer am 5. September 1977 in Köln.
Eine der Aufsehen erregendsten Aktionen der RAF: Die Entführung von Arbeitgeber-Präsident Hanns-Martin Schleyer am 5. September 1977 in Köln. © dpa
Bei der brutalen Aktion erschoss die RAF drei Leibwächter sowie den Fahrer Schleyers.
Bei der brutalen Aktion erschoss die RAF drei Leibwächter sowie den Fahrer Schleyers. © dpa
43 Tage lang hielten die Terroristen Schleyer gefangen...
43 Tage lang hielten die Terroristen Schleyer gefangen... © dpa
... Nachdem die parallel ausgeführte Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" scheiterte, wurde Schleyer am 18. Oktober 1977 erschossen.
... Nachdem die parallel ausgeführte Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" scheiterte, wurde Schleyer am 18. Oktober 1977 erschossen. © dpa
Wenige Monate zuvor hatte die RAF auch schon gemordet, als am 7. April in Karlsruhe Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seine zwei Begleiter kaltblütig erschossen wurden.
Wenige Monate zuvor hatte die RAF auch schon gemordet, als am 7. April in Karlsruhe Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seine zwei Begleiter kaltblütig erschossen wurden. © dpa
Fünf Jahre zuvor hatte die RAF auch in Bayern Anschläge verübt. So wurde unter anderem das Landeskriminalamt in München Ziel eines Bombenattentats. Dabei gab es zahlreiche Verletzte, 60 Autos wurden demoliert.
Fünf Jahre zuvor hatte die RAF auch in Bayern Anschläge verübt. So wurde unter anderem das Landeskriminalamt in München Ziel eines Bombenattentats. Dabei gab es zahlreiche Verletzte, 60 Autos wurden demoliert. © dpa
Der Terror der RAF reichte bis spät in die 80er Jahre hinein: Am 30. November 1989 wurde Deutsche-Bank-Vorstand Alfred Herrhausen in Bad Homburg ermordet.
Der Terror der RAF reichte bis spät in die 80er Jahre hinein: Am 30. November 1989 wurde Deutsche-Bank-Vorstand Alfred Herrhausen in Bad Homburg ermordet. © dpa
Jahrelang der Kopf der RAF: Andreas Baader.
Jahrelang der Kopf der RAF: Andreas Baader. © dpa
Ulrike Meinhof.
Ulrike Meinhof. © dpa
Gudrun Ensslin.
Gudrun Ensslin. Zusammen mit Baader und Meinhof war sie lange die treibende Kraft der RAF. © dpa
Brigitte Mohnhaupt.
Im folgenden weitere Terroristen, die für die RAF brutal aktiv waren: Brigitte Mohnhaupt. © dpa
Rolf Heißler. © dpa
Jan Carl Raspe.
Jan Carl Raspe. © dpa
Rolf-Clemens Wagner.
Rolf-Clemens Wagner. © dpa
Ernst-Volker Staub und Daniela Klette.
Ernst-Volker Staub und Daniela Klette. © dpa
Knut Volkerts.
Knut Volkerts. © dpa
Peter-Jürgen Boock.
Peter-Jürgen Boock. © dpa
Christian Klar, der nach 26 Jahre Haft in die Freiehit entlassen wird.
Christian Klar, der nach 26 Jahre Haft in die Freiheit entlassen wird. © dpa
Das Gefängnis, das Berühmtheit erlangte: Stuttgart-Stammheim. Dort nahmen sich die inhaftierten Baader, Meinhof und Ensslin das Leben.
Das Gefängnis, das Berühmtheit erlangte: Stuttgart-Stammheim. Dort nahmen sich die inhaftierten Baader, Meinhof und Ensslin das Leben. © dpa
Die letzte Seite des Schreibens, mit dem die RAF 1998 ihre endgültige Auflösung bekannt gab.
Die letzte Seite des Schreibens, mit dem die RAF 1998 ihre endgültige Auflösung bekannt gab. © dpa

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Der frühere BKA-Chef Hans-Ludwig Zachert wies den von Buback-Sohn Michael geäußerten Verdacht, Becker sei von Ermittlungsbehörden jahrzehntelang geschützt worden, als “abwegig“ zurück. Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe ordnete am Freitagabend Untersuchungshaft für Becker an, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte. Sie wird als Mittäterin, aber nicht als Todesschützin verdächtigt.

DNA-Spuren an Bekennerschreiben

Der damalige Generalbundesanwalt Buback war am 7. April 1977 erschossen worden, dabei wurden auch zwei Begleiter getötet. Ermittlungen gegen Becker waren 1980 eingestellt worden, im Frühjahr 2008 wurde ein neues Verfahren eröffnet. Der jetzige Haftbefehl lässt sich unter anderem zurückführen auf DNA-Spuren Beckers an Briefumschlägen der Bekennerschreiben nach dem Buback-Mord sowie Unterlagen, die bei der Durchsuchung ihrer Wohnung beschlagnahmt worden waren.

Bubacks Sohn Michael zeigte sich im AP-Gespräch erleichtert über die Festnahme und sprach von von einem “guten Tag für unseren Rechtsstaat“. Bei MDR INFO kritisierte er zugleich erneut die Ermittlungsbehörden. Bestätige sich die Mittäterschaft Beckers an dem Mord an seinem Vater, müsse man der Frage nachgehen, warum die Aufklärung trotz sehr, sehr starker Hinweise so zögerlich vonstatten gegangen sei. “Und dann könnte es natürlich eine Rolle spielen, dass Frau Becker gleichzeitig eine dringend Tatverdächtige ist, aber eben auch eine Informantin des Geheimdienstes.“

Ex-BKA-Chef regt Kronzeugenregelung für Becker an

Ex-BKA-Chef Zachert wies Kritik Bubacks, der Verfassungsschutz könne Becker vor Strafverfolgung geschützt haben, als “abwegig“ zurück. Er regte im Magazin “Focus“ an, in ihrem Fall die Kronzeugenregelung anzuwenden. Wenn es gelänge, Becker durch einen Straf-Rabatt zum Reden zu bringen, könnte sie zur Aufklärung mehrerer RAF-Verbrechen beitragen, sagte Zachert, der von 1990 bis 1996 BKA-Präsident war, den Angaben zufolge. Der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Wolfgang Bosbach, sagte der Oldenburger “Nordwest-Zeitung“: “Die Vermutung des Buback-Sohnes Michael, dass der Verfassungsschutz jemanden deckt, der vielleicht an einem Mord beteiligt war, beinhaltet einen massiven Vorwurf. Ich hoffe nicht, dass der sich eines Tages bestätigt.“ Dass jetzt, 32 Jahre nach der Tat, die Ermittlungen mit Hochdruck fortgeführt würden, “zeigt doch, dass der Staat nichts zu vertuschen hat“. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel rief Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble auf, sämtliche Akten über den Mord an Buback offenzulegen. “Gerade bei neuen Indizien ist es zwingend notwendig, dass die Akten genutzt werden, um zu klären, wer Buback ermordet hat, sagte Niebel dem “Hamburger Abendblatt“ zufolge. “Sonst setzt man sich dem Vorwurf der Vertuschung aus.“

ap

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