Für Menschen mit geringem Einkommen beträgt sie sogar sechs statt vier Prozent

Experte: Die Teuerung macht Arme noch ärmer

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Wer wenig Geld hat, muss davon überdurchschnittlich viel für Ernährung, Miete und Energie ausgeben.

Die EU meldet wegen der Preissteigerungen bei Energie und Lebensmitteln eine Rekordinflation von vier Prozent.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Für Menschen mit geringem Einkommen ist die Teuerung viel höher als angenommen.

Der Wirtschaftsstatistiker Prof. Hans Wolfgang Brachinger von der Uni Freiburg (Schweiz) und Präsident der Schweizer Kommission für die Bundesstatistik kommt zum Schluss, dass Leute mit geringem Einkommen oder Rentner besonders unter der Teuerung leiden. Er warnt, dass Arme so immer ärmer werden. Brachinger fürchtet, dass sich die Spaltung der Gesellschaft immer weiter vertiefen wird. Brachinger: „Je weniger Einkommen, desto schlechter können Menschen die Folgen der Teuerung abfedern“.

Der Mathematiker und Ökonom hat eine Familie mit drei Kindern und einem Nettoeinkommen von 2600 bis 3600 Euro durchgerechnet. Brachinger: „Wir kommen hier auf eine tatsächliche Inflationslast von 4,8 Prozent, die zeitweise sogar bei über sechs Prozent lag“. Der Experte hat dazu einen eigenen, so genannten Inflationslastindex entwickelt bei dem das Ausgabenverhalten von Haushalten mit geringem Einkommen berücksichtigt wird (so werden weniger langlebige, in der Tendenz immer billiger werdende Luxusgüter gekauft). Die amtliche deutsche Statistik kennt als Basis nur den Warenkorb, bei dem TV oder Computer mehr Gewicht haben, als Kneipenbier, Semmel oder Benzin.

Brachinger: „Der Anteil vom Nettoeinkommen, der nur für Lebensmittel, Wohnungen und Energie ausgegeben wird, steigt mit sinkendem Einkommen von 36 auf fast 60 Prozent. Wer weniger als 900 Euro netto verdient, muss 110 Prozent für Konsum ausgeben - er muss also entweder Ersparnisse angreifen oder Schulden aufnehmen. Bei einem Nettoeinkommmen unter 1500 Euro wird praktisch nichts gespart. Wer dagegen mehr als 10 000 Euro netto im Monat verdient, gibt höchstens 45 Prozent davon für Konsum aus“.

K.H.D.

Quelle: tz

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