Mordfall Bögerl: 7800 Hinweise, keine heiße Spur

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ARCHIV - Polizisten am 04.06.2010 in einem Wald bei Heidenheim-Nietheim. Dort wurde einen Tag zuvor von einem Spaziergänger mit Hund eine weibliche Leiche gefunden - die von Maria Bögerl. Der Fall bleibt rätselhaft.

Heidenheim - Tausende Spuren und Hinweise - doch immer wieder Fehlanzeige. Der Fall Maria Bögerl bleibt rätselhaft. Sechs Monate nach der Entführung und dem Mord an der Bankiersgattin heißt es: Ermitteln und Hoffen.

Wer war es? Warum wurde Maria Bögerl entführt und ermordet? Welche Spur könnte die Entscheidende sein, um die Tat vom 12. Mai aufzuklären? Das sind nur zwei von vielen offenen Fragen rund um die Bluttat, die vor einem halben Jahr die 54 Jahre alte zweifache Mutter aus dem Leben riss. Eine Sonderkommission der Polizei arbeitet weiter mit viel Aufwand daran, Licht ins Dunkel der Geschehnisse zu bringen. Zugleich kommen Erinnerungen an andere ungelöste Fälle auf. Wird der Fall Bögerl einer von ihnen?

Bilder von der Trauerfeier für Maria Bögerl

Bilder von der Trauerfeier für Maria Bögerl

Heidenheim an der Brenz, eine beschauliche Kreisstadt in Baden- Württemberg. 48 000 Menschen leben hier, etwa 11 000 davon in Schnaitheim, wo Maria Bögerl mit ihrer Familie wohnte. Bewegt die Tat die Menschen noch immer? “Es wird nicht mehr andauernd darüber gesprochen“, sagt Oberbürgermeister Bernhard Ilg (CDU), “aber ein Schritt vorwärts würde uns alle sehr erleichtern.“ Ilg ist persönlich mit der Familie und dem Mann des Entführungsopfers, Kreissparkassendirektor Thomas Bögerl, bekannt. Ihn nimmt das Geschehen auch ein halbes Jahr danach noch mit. “Das ist doch klar“, sagt er.

 

Mittwoch, 12. Mai: Maria Bögerl verschwindet aus dem Haus am Rande von Schnaitheim. Ihr Mann hinterlegt später 300 000 Euro an einer vereinbarten Stelle an der Autobahn. Doch das Lösegeld wird nicht abgeholt. Zwei Tage später tauchen das Handy und das Auto der 54- Jährigen auf. Schnell gehen die Angehörigen und die Polizei an die Öffentlichkeit - in einem Videoaufruf versuchen die Bögerls, die Ehefrau und Mutter wiederzufinden.

Leiche von Maria Bögerl gefunden

Leiche von Maria Bögerl gefunden

Knapp einen Monat später dann die Gewissheit: Sie lebt nicht mehr. Die Leiche Maria Bögerls wird in einem Waldstück gefunden. Trotz intensiver Ermittlungen: eine Festnahme gab es seitdem - doch der Verdächtige erwies sich als unschuldig. Ansonsten: Fehlanzeige. Dafür sickerten immer wieder Details durch. Mal über eine verspätete Lösegeldübergabe, mal über angebliche Blutspuren. Sie führen zu einem Ermittlungsverfahren wegen des Verrats von Dienstgeheimnissen.

Für Polizeisprecher Horst Baur ist die Ermittlung nicht zur Routine geworden. Resignieren? Daran darf er nicht denken. Doch viel mehr tun als weiterermitteln und auf “den“ Hinweis, “der“ Spur zu der, dem, oder den Tätern hoffen kann er nicht. Baur sagt Sätze wie: “Wir bekommen ab und zu neue Tipps, die wir überprüfen. Da kann sich schnell mehr daraus ergeben.“ Etwa 7800 Hinweise sind bis heute bei der Sonderkommission “Flagge“ eingegangen. 6000 sind die Ermittler nachgegangen.

Bankiers-Gattin entführt: Bilder von der Suche nach Maria Bögerl

Bankiers-Gattin entführt: Bilder von der Suche nach Maria B.

Anfangs waren es 80, jetzt sind es noch 50 Ermittler. Das Auswerten der restlichen Spuren gehört zu ihren Hauptaufgaben. Auch Vernehmungen gibt es weiterhin. Aber wie lange wird die Arbeit auf diesem Level fortgesetzt? Und was ist mit der breiten Kritik an der Polizei? “Die Pannen müssen auch ein Thema sein“, gibt Baur zu. “Aber bei einem solchen Fall wird es im Nachhinein immer so sein, dass man nicht sagen kann, dass alles optimal gelaufen ist.“

Die Aufklärungsquote bei Kapitalverbrechen liege bei weit mehr als 90 Prozent, sagt ein Sprecher des Landeskriminalamts. Doch wie in Mordprozessen zu beobachten ist: Viele Taten sind Beziehungstaten, oder der Kreis der Verdächtigen ist klarer eingrenzbar. Und dann gibt es eben die ungelösten, die rätselhaften Fälle.

Der Heilbronner Polizistinnenmord vom April 2007 mit seinen Ermittlungspannen ist einer von ihnen. Das LKA kann keine genaue Zahl angeben, wie viele solcher Taten es gibt. Aber dazu gehört zum Beispiel auch noch der Mord am elfjährigen Tobias aus Schönbuch im Kreis Böblingen. Er war am 30. Oktober 2000 mit 37 Messerstichen ermordet worden. Der Täter wurde bis heute nicht gefasst, die Tatwaffe nie gefunden.

Von Johannes Wagemann, dpa  

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