Deutsche Akten schockieren wohl Kollegen

Fall Maddie McCann: Mordverdächtiger bleibt weiter in Haft - Revision verworfen

Seit Jahren laufen die Ermittlungen im Fall Maddie McCann. Jetzt ist klar: Der Mordverdächtige kommt momentan nicht frei.

  • Im Fall Maddie McCann ermitteln deutsche, britische und portugiesische Behörden.
  • Der Mordverdächtige bleibt noch für längere Zeit im Gefängnis.
  • Der Bundesgerichtshof hat seine Revision gegen ein Ende 2019 ergangenes Urteil verworfen.

Update vom 20. November, 10.34 Uhr: Der Mordverdächtige im Fall Maddie McCann bleibt noch für längere Zeit in Haft. Der Bundesgerichtshof verwarf seine Revision gegen ein Ende 2019 ergangenes Urteil wegen der Vergewaltigung einer US-Amerikanerin, wie am Freitag in Karlsruhe mitgeteilt wurde. Damit kommt der Mann, der aktuell die letzten Wochen einer anderen Haftstrafe verbüßt, in naher Zukunft nicht frei.

Ermittlungs-Eklat im Fall Maddie McCann? „Als ich die deutsche Akte las, war ich schockiert“

Erstmeldung vom 17. November: Lissabon - Wer hat Maddie McCann entführt und möglicherweise getötet? Seit Jahren gilt Christian B. als Hauptverdächtiger. Eine Anklage hat es bislang aber noch nicht gegeben. Ob es überhaupt noch dazu kommen wird, bezweifeln internationale Ermittler jetzt wohl stark. Ausschnitte aus der Mail eines portugiesischen Fahnders sollen aufgetaucht sein. Darin stellt er den deutschen Behörden ein vernichtendes Zeugnis aus.

Sie haben keine Beweise, nur Spekulationen. Als ich die deutsche Akte las, war ich schockiert“, zitiert die Bild aus der angeblichen Mail, „ich hätte nie gedacht, dass das BKA so schlecht ermitteln würde“. Im Prinzip stünden die deutschen Behörden mit leeren Händen da, schimpft der portugiesische Beamte.

Maddie McCann: Heftige Vorwürfe gegen BKA - „Keine ernsthafte, unparteiische Untersuchung“

Es gibt keine ernsthafte, unparteiische und objektive Untersuchung“, wirft er dem BKA falsches Verhalten vor, „sondern nur die Absicht, den Verdächtigen um jeden Preis im Gefängnis zu behalten.

Kurz bevor diese Vorwürfe öffentlich wurden, haben sich die Verantwortlichen von BKA, Scotland Yard und der portugiesischen Polícia Judiciaría in Lissabon getroffen. Das bestätigt Staatsanwalt Hans Christian Wolters. Sie wollten das weitere Vorgehen im Fall Maddie McCann abstimmen, heißt es, doch die Aktenlage habe einigen Kollegen nun die Sprache verschlagen.

Christian B.: Anklage gegen Verdächtigen im Fall Maddie McCann wackelt - Beweislage reicht nicht

Christian B. ist momentan in einem deutschen Gefängnis. Der Verdacht, er habe Madeleine getötet, hat mit seiner Haft aber nichts zu tun. Zurzeit sitzt der 43-Jährige die Strafe für ein Drogendelikt ab. Wegen guter Führung könnte er im Januar 2021 theoretisch wieder auf freien Fuß kommen, allerdings stehen weitere sieben Jahre Haft wegen der Vergewaltigung einer 72-Jährigen im Raum. Diese Strafe wird zwar aktuell geprüft, während der laufenden Ermittlungen wird der Verdächtige aber sicherlich in Untersuchungshaft bleiben.

Für eine Anklage im Fall Maddie McCann reicht die Beweislage derweil immer noch nicht aus, erläutert Staatsanwalt Wolters. Über 13 Jahre lang ist Maddie mittlerweile verschwunden. Sogar ob die damals Dreijährige noch am Leben ist, ist nicht mit letzter Gewissheit geklärt. Deutsche Behörden gehen davon aus und ermitteln wegen Mordes. In England gilt Maddie nach wie vor als vermisst. (moe)

Rubriklistenbild: © epa/Luis_Forra/Fotomontage

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