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Fall Tristan: Fahnder geben nicht auf

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Fingerabdrücke des Mörders.
Fingerabdrücke des Mörders. © dpa

Frankfurt/Main - Der Tunnel ist 130 Meter lang. Ein schmales, auch am hellichten Tag finstereres Loch mit schmalem Fußweg und einem rauschenden Bach.

Nur mutige Menschen nahmen diese inzwischen zugemauerte Abkürzung nahe des Bahnhofs in Frankfurt-Höchst. Hier geschah vor genau zehn Jahren eines der scheußlichsten Verbrechen an einem Kind. Doch bis heute konnte der Mörder des 13-jährigen Halbwaisen Tristan nicht gefasst werden. Am Mittwoch Abend um 20.15 Uhr unternimmt die Kripo in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ einen neuen Anlauf. Gefragt wird u.a. nach einem mysteriösen Mann mit Pferdeschwanz.

Auf dem Heimweg von der Schule war der blonde Bub am Nachmittag des 26. März 1998 so bestialisch „abgeschlachtet“ worden, dass die Polizei lange keine Details verriet. Dann tat sie es doch: in der Hoffnung, ein Mitwisser könnte den „Schlächter“ wegen seiner Grausamkeit verraten.

Aber auch die letzte, in Deutschland bisher einmalige Aktion hatte keinen Erfolg: Knapp 10 0000 männliche Bewohner der Frankfurter Stadtteile Höchst und Unterliederbach gaben freiwillig ihren Fingerabdruck ab. Etwa 30 allerdings weigerten sich. Ein blutiger Fingerabdruck des unbekannten Killers war auf einem Heft im durchwühlten Schulranzen des Opfers gesichert worden.

Nun soll eine alte Spur wieder aufgegriffen werden: Eine 14-Jährige hatte vor zehn Jahren der Kripo mitgeteilt, sie habe einen Unbekannten mit Pferdeschwanz nahe des Tatortes gesehen. Möglicherweise derselbe Mann erschien wenige Tage später in einer Anwaltskanzlei und sagte, er habe „Mist gebaut“ und brauche Hilfe. Der Pferdeschwanz-Mann war zur Tatzeit etwa 20 bis 30 Jahre alt – und konnte bisher nicht ermittelt werden.

Tristan hatte seine Mutter im Alter von zehn Jahren verloren. Sein Vater arbeitete ganztägig. Das Einzelkind war oft allein. Möglicherweise wurde der Bub von seinem Mörder an jenem Nachmittag in den Tunnel gelockt. Der Täter schlug ihm zuerst mit der Faust ins Gesicht. Dann würgte er ihn mit einem Unterarmgriff bis zur Bewusstlosigkeit, säbelte ihm fast den Kopf ab, ließ ihn in dem Bach ausbluten, verstümmelte ihn im Genitalbereich und zerrte dann die Leiche in den Tunnel. Die Obduktion damals hatte ein „weltweit einmaliges Verletzungsbild“ ergeben.

P.L.

Quelle: tz

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