Tod von Amelie und Laura: "Worte findet man nicht"

Goslar - Eine gute Mutter sei die 34-Jährige für ihre drei Töchter gewesen, sagen Menschen aus ihrem Dorf. Nun sind zwei der Kinder tot - erstochen wohl von der Mutter selbst. Im Örtchen Astfeld sitzt der Schock tief.

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Das adrette Siedlungshaus steht in einer Sackgasse. An einem Busch wehen bunte Ostereier im Wind. Nichts deutet auf das tödliche Familiendrama, das sich am Dienstagmorgen hier in Astfeld am nördlichen Harzrand ereignete. Amelie ist erst vier Monate alt, ihre Schwester Laura fünf Jahre, als die Mädchen sterben. Beide wurden erstochen - wohl von ihrer Mutter. Lauras Zwillingsschwester soll nur knapp entkommen sein.

“Da gibt es keine Worte dazu“, sagt Heidi Buchterkirchen. Die 68-Jährige kennt die Familie, hat früher in der Nähe gewohnt. “Das sind ganz anständige, liebe Leute“, versichert sie. Die 17-jährige Tina Seiffert kannte die Familie flüchtig vom Tennisplatz. “Als ich das gehört habe, habe ich geweint“, sagt die junge Frau. Die ganze Familie sei immer nett gewesen, die Zwillinge so niedlich, an der Hand hätten sie sich immer gehalten. Der Vater der Zwillinge, ein Lehrer aus Goslar, sei im selben Verein wie sie, erzählt die 17-Jährige.

Zwei tote Mädchen: Bilder vom Tatort

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Im 2600-Seelen-Dorf Astfeld stehen viele Menschen unter Schock, niemand versteht die Tat. Und niemand spricht schlecht über die 34-jährige. Sie soll eine gute Mutter gewesen sein. Michael Blase von der Goslarer Polizei mutmaßt: “Vieles deutet darauf hin, dass die geschiedene und alleinerziehende Mutter nicht die seelische Stabilität für die Alltagsbelastungen hatte.“ Weder sie noch andere Familienangehörige seien bislang vernehmungsfähig.

Die überlebende Zwillingsschwester war am Dienstag zu ihrem Großvater gelaufen, der im Haus nebenan lebt. Sie hatte leichte Schnittverletzungen. Als der Mann ins Haus seiner Tochter kam, fand er das Baby tot in seinem Bett und seine fünfjährige Enkeltochter auf dem Flur in der oberen Etage. Beide Kinder hatten viele Stich- und Schnittwunden. Friedrich-Wilhelm Sattler, Leiter der Ermittlungen, spricht von “massiven Blutverlust“. Die Mutter sei apathisch gewesen, an den Händen habe sie Schnittwunden gehabt.

Im Kiosk von Martina Müller reden die Kunden über das Geschehene. “Wenn so etwas in Berlin oder Bayern passiert, dann findet man das schrecklich. Aber hier bei uns im Dorf, das geht einem noch viel näher“, sagt die 44-Jährige. Als sie von der Tat hörte, habe sie ihren 19-jährigen Sohn in den Arm genommen. “Worte findet man nicht“, sagt auch der 34 Jahre alte Landwirt Wulff Kunze. Er habe selbst einen zweijährigen Sohn, da könne man sich das absolut nicht vorstellen.

Vor etwa einem Jahr soll die Ehe der 34-Jährigen mit dem Lehrer zerbrochen sein, die Scheidung wurde laut Polizei im Oktober vergangenen Jahres ausgesprochen. Der Vater der Zwillinge hätte seine Töchter sicher auch gern bei sich gehabt, hieß es am Mittwoch. Die im Januar geborene Amelie hatte einen anderen Vater.

Die Scheidung scheint die Frau nicht gut verkraftet zu haben. “Sie hat Hilfe gesucht und auch beim Jugendamt bekommen“, sagt Fahnder Blase. Erst im März sei sie aus einer Klinik entlassen worden - mit dem Hinweis, dass sie keine Gefahr für sich oder andere sei. Versäumnisse der Behörden könnten daraus nicht abgeleitet werden, betonte Blase. Eine Trennung könne belastend sein. Das soziale Umfeld der Frau scheint in Ordnung gewesen zu sein, die Familie im Ort “normal“ verankert.

Die 22-jährige Nicole Noé schiebt einen Kinderwagen in den kleinen Laden von Martina Müller. Ihre Tochter Leonie ist auch vier Monate alt. “Ich war Praktikantin im Kindergarten“, erzählt die junge Mutter. Die Zwillinge seien dort auch gewesen. “Sie sahen so toll aus, waren immer toll angezogen“, erinnert sie sich. Es sei immer gesagt worden, die 34-Jährige sei eine “ganz tolle Mutter“. Mit einem Blick auf ihre kleine Tochter fügt die 22-Jährige hinzu: “Ich habe das zwar gehört, aber ich habe das noch nicht realisiert.“ Am frühen Abend wollte die Gemeinde von Astfeld in der kleinen Dorfkirche Abschied von Amelie und Laura nehmen.

dpa

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