Faszination Reality-TV: Die Lust am Beobachten

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Die Faszination für Reality-TV ist schon lange in Deutschland angekommen. Angefangen hat alles im Jahr 2000 mit Big Brother.

Reality-Shows zeigen das wahre Leben – oder? Sendungen wie „Big Brother“ galten einst als Skandal, gehören heute aber längst zum Standardprogramm der Fernsehsender. Warum ist das so, worin liegt der Reiz? Eine Annäherung an die Faszination Reality-TV.

Die Aufregung ist groß, als 2000 das Reality-TV in Form von „Big Brother“ Einzug in Deutschland hält: 13 Männer und Frauen, für 100 Tage in einem Container eingesperrt, ständig gefilmt von unzähligen Kameras. Medienkritiker laufen Sturm, es wird diskutiert und gestritten: purer Voyeurismus oder ein soziales Experiment? Darf, ja will man so etwas gucken?

Als die Bewohner schließlich in den Container ziehen, glotzt halb Deutschland auf die Mattscheibe. Es folgen zehn weitere Staffeln, Charts-Platzierungen ehemaliger Bewohner und ein Gastauftritt von FDP-Politiker Guido Westerwelle. Die Faszination Reality-TV ist in Deutschland angekommen.

Alkoholprobleme vor einem Millionenpublikum

In den 2000er und auch in den 2010er Jahren ziehen unzählige Formate nach. Ursprünglich aus den USA stammend, erreichen Reality-Shows über den Musiksender MTV eine riesige Verbreitung, darunter „The Real World“ oder „MTV Made“. Auch Prominente lassen ihren Alltag von Kameras begleiten.

Besonders beliebt ist die Show „The Osbournes“, die den Alltag von Rocklegende Ozzy Osbourne und seiner Familie dokumentiert – inklusive Alkoholproblemen und Krebserkrankungen. Und nicht zu vergessen Kim Kardashian, die seit 2007 ihr komplettes Familienleben in „Keeping Up with the Kardashians“ verarbeitet. Und der Erfolg gibt ihr recht: Die Lust des TV-Publikums am Alltag anderer Menschen ist zeitweise riesig.

Alles (un)echt

Um den Hunger der Zuschauer zu stillen, greifen die Fernsehsender auf Scripted-Reality-Formate zurück und werden bei der Vermarktung immer kreativer: Das Sendeformat von „Newtopia“ kündigten sie groß als „TV Experiment“ an. Hinterher stellte sich allerdings heraus, dass es sich auch bei dieser Sendung um Scripted Reality handelt.

Scripted-Reality-Sendungen sind in Deutschland nicht neu. Einige davon haben einen festen Platz im TV-Programm ergattert, zum Beispiel „Berlin – Tag & Nacht“. Auch bereits abgesetzte Gerichtsshows wie „Richterin Barbara Salesch“ gehören diesem Genre an.

Reality-TV als Spiegel

Doch was reizt die Zuschauer daran, fremden Menschen beim Augenbrauenzupfen, Dösen oder Erbstreit zuzusehen? Zum einen ist es sicherlich die angeborene Neugier und damit auch Voyeurismus, gewürzt mit einer Prise Schadenfreude und Fremdschämen. Zum anderen vergleichen sich Menschen sehr gerne – am liebsten nach unten, um sich besser zu fühlen. Und wer sich vom Erfolg anderer mitreißen lassen will, vergleicht sich eben nach oben.

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