Eisbär, Herz und Homer Simpson

Fotos: Wolken, die aussehen wie Dinge

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Ein gebrochenes Herz über Montpellier (Frankreich)

München - Einen Verein für Wolkenliebhaber gibt es tatsächlich - er hat sogar 32.000 Mitglieder. Wir sprachen mit dessen Gründer und zeigen faszinierende Fotos von Himmelsknäueln, die Dingen ähneln.

Das Cover von "Wolken, die aussehen wie Dinge" (Riva Verlag)

Ein fliegender Delphin, ein Eisbär mit Sonnenbrille oder eine Frau oben-ohne beim Sonnenbaden: Manchmal lohnt es sich, einen Blick in den Himmel zu werfen. Tagtäglich ziehen hunderte Wolken unbeachtet über unsere Köpfe hinweg; dabei faszinieren die Himmelsgebilde nicht nur Meteorologen. „Jeder Mensch hat eine Beziehung zu Wolken, weil wir sie schon als Kinder toll finden“, sagt Gavin Pretor-Pinney. Der Brite gründete 2004 die Cloud Appreciation Society: Dem Verein für Wolkenliebhaber gehören mittlerweile 32 000 Mitglieder in 94 Ländern an. Dank deren weltweiter Schnappschüsse ist Pretor-Pinneys Online-Fotogalerie mittlerweile zum Brockhaus der Wolken geworden. 86 seiner faszinierenden Bilder laden nun in dem Band Wolken, die aussehen wie Dinge (Riva Verlag, 14,99 Euro) zum Interpretieren ein.

Die tz sprach mit Gavin Pretor-Pinney über Tipps für Wolkengucker, meteorologische Meditation sowie das perfekte weiße Knäuel am Himmel, und zeigt Ihnen dazu einige Fotos zum Mitraten.

Wolken, die aussehen wie Dinge: Eisbär, Herz und Homer Simpson

Wolken, die aussehen wie Dinge: Eisbär, Herz und Homer Simpson

Interview mit Gavin Pretor-Pinney

Woher kommt Ihre Faszination für Wolken?

Gavin Pretor-Pinney: Ich war so etwa vier, fünf Jahre alt und weiß noch, dass mich meine Mutter in ihrem Mini Cooper zur Schule gefahren hat. Ich saß auf dem Rücksitz, schaute aus dem Fenster und bemerkte eine riesige Wolke vor der Sonne. Die Sonnenstrahlen schienen hindurch. Ich starrte sie an und fragte mich, aus was Wolken eigentlich bestehen; wieso sie nicht vom Himmel fallen und wie es wäre, auf einer zu sitzen.

So ein Erlebnis hat vermutlich jedes Kind.

Pretor-Pinney: Wolken sind etwas Wunderschönes. Als Kinder stellen wir uns Fragen, die wir später selbst als Erwachsener nicht beantworten können. Irgendwann betrachten wir sie dann als so selbstverständlich, dass wir sie gar nicht mehr wahrnehmen.

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Wolke, die etwas Anderem ähnelte?

Pretor-Pinney: In der Grundschule hat unsere Lehrerin uns einmal nach draußen mitgenommen. Wir lagen im Gras und sollten die Wolken beobachten. Alle Kinder entdeckten irgendwas außer ich. Gerade weil ich unbedingt eine Form sehen wollte, sah ich nichts. Die Lehre daraus war: Man kann nichts erzwingen. Wolkengestalten finden wir nur, wenn wir unbeschwert sind. Ich sage immer, lustige Wolkenformen sind gesund für unsere Seele, weil sie voraussetzen, dass wir geistig entspannen und unsere Gedanken wandern lassen.

Haben Sie einen Tipp für Wolkengucker?

Pretor-Pinney: Grundsätzlich ist es keine gute Idee, nach Wolken zu suchen. Sie machen, was sie wollen. Man sollte ab und zu einfach nach oben schauen und die Vorgänge im Himmel beobachten. Wolken sind eine Einladung an unsere Phantasie. Und wenn Sie mal eine lustige oder interessante Wolke sehen, halten Sie inne – ich nenne das scherzhaft meteorologische Meditation: Ein paar Momente auf Wolken schweben, hilft einem, am Boden zu bleiben.

Was war die außergewöhnlichste Wolke, die Sie je gesehen haben?

Pretor-Pinney: Vor einigen Jahren bin ich nach Australien gereist, um eine ganz bestimmte Wolke zu sehen. Sie formt sich nur zu gewissen Jahreszeiten nahe des Dorfes Burketown im entlegenen Norden von Queensland. Die Wolke stellt sich früh am Morgen auf, wie eine Welle und rollt mit knapp 100 km/h über dich hinweg.

Haben Sie immer eine Kamera mit, wenn Sie vor die Tür gehen?

Pretor-Pinney: Witzigerweise mache ich heute kaum noch selbst Fotos: Mit der Verbreitung von Digitalkameras und E-Mail ist es für jedermann ganz einfach geworden, jederzeit stehen zubleiben und ein Foto zu schießen. Man stellt es online und die ganze Welt kann es sehen. Das hat aber auch einen Vorteil: Wenn ich eine faszinierende Wolke am Himmel sehe, muss ich nicht mehr panisch ins Haus zurückrennen, um meine Kamera zu holen. Ich kann sie einfach betrachten, genießen und dann weiterziehen lassen.

Sie haben Ihre Liebe zu Wolken im wahrsten Sinne auch an Ihre siebenjährige Tochter weitergegeben…

Pretor-Pinney: Ja, ich habe sie nach einer Wolkenart benannt. Floras zweiter Vorname ist Cirrus. Das war der Kompromiss, mit dem ich meine Frau letztlich überzeugen konnte. Cirrus-Wolken sind sehr hübsch. Sie stehen ganz hoch am Himmel und sehen ein bisschen aus wie einzelne dünne Haarsträhnen. Meiner Tochter gefällt ihr Name.

isp

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