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Finanzguru Greenspan erwartet "Jahrhundertkrise"

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Alan Greenspan sieht für die Weltwirtschaft schwarz.
Alan Greenspan sieht für die Weltwirtschaft schwarz. © dpa

New York - Der Abschwung der Weltwirtschaft wird offensichtlich drastischer als bislang angenommen.

Finanz-Guru Alan Greenspan, ehemaliger Chef der US-Notenbank, malt in einem Interview mit der britischen Financial Times ein dramatisches Bild der globalen Konjunkturkrise – er spricht gar von einer „Jahrhundertkrise“.

Greenspan rechnet im Rahmen der weltweiten Finanzmarktkrise mit weiteren Bankenpleiten: „Diese Krise ist anders – ein Ereignis, wie es ein- oder zweimal pro Jahrhundert vorkommt, tief verwurzelt in den Ängsten vor der Insolvenz großer Finanzinstitutionen.“ Erst wenn sich die US-Immobilienpreise wieder stabilisieren, nehme die Insolvenzgefahr ab, erklärte der Ex-Notenbanker.

Greenspan begründet seine Einschätzung damit, dass der Staat den wankenden Bankensektor zuletzt im großen Stil unterstützen musste: „Erst als staatlicher Kredit an die Stelle von privatem Kredit trat, wurde ein Anschein von Stabilität an den Märkten wieder hergestellt.“ Greenspan glaubt: „Vermutlich gibt es weitere Banken und Finanzinstitutionen, die wegen Zahlungsunfähigkeit durch Regierungen gestützt werden müssen.“

Auch in Deutschland sank die Wirtschaftsleistung im Frühjahr offenbar stärker als befürchtet. Nach Informationen der SZ ging das Bruttoinlandsprodukt zwischen April und Juni im Vergleich zum ersten Quartal des Jahres um ein Prozent zurück. Die endgültige Zahl wird kommende Woche veröffentlicht. Bisher hatten die meisten Experten ein Minus von etwa 0,5 Prozent erwartet. Ein Rückgang um ein Prozent würde demgegenüber einen Ausfall von noch einmal zwölf Milliarden Euro bedeuten.

Das gewerkschaftsnahe Wirtschaftsforschungsinstitut IMK hält eine Rezession in Deutschland noch in diesem Jahr für möglich. Die Wahrscheinlichkeit liege bei 50 Prozent, sagte der Konjunkturexperte des Instituts, Peter Hohlfeld.

Am Montag hatte das Ifo-Institut einen verstärkten Auftragsrückgang und einen Jobabbau in der Wirtschaft angekündigt und Alarm geschlagen: „Die Erwartungen der deutschen Unternehmen für die nächsten sechs Monate sind grottenschlecht.“

Für die Bunderegierung gibt es laut Sprecher Thomas Steg keinen Grund, die bisherigen Wachstumsprognosen nach unten zu korrigieren. Auch gäbe es keine Überlegungen für Konjunkturprogramme.

Quelle: tz

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