Systematisch abgeschrieben?

„Focus Online“ wehrt sich vor Gericht gegen Klage der „Bild“-Zeitung 

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Focus Online

München/Köln - Die „Bild“-Zeitung wirft „Focus Online“ vor, systematisch bei ihr abzuschreiben und wehrt sich juristisch. „Focus Online“ hält das für unbegründet.

„Focus Online“ hat beim Landgericht Köln beantragt, eine Klage der „Bild“-Zeitung abzuweisen, die dem Online-Medium vorwirft, bei „Bild plus“ abzuschreiben. Eine entsprechende Klageerwiderung hat „Focus Online“ am Mittwoch eingereicht. Die Vorwürfe des „Artikelklaus“ und der wettbewerbwidrigen Behinderung entbehrten jeder Grundlage, teilte Hubert Burda Media in München mit, zu der „Focus Online“ gehört. Offensichtliches Ziel der Klage sei es, Informationen zu monopolisieren, die hinter der Paywall von „Bild plus“ veröffentlicht worden seien, um sie besser vermarkten zu können.

Aus Inhalten fremder Medien zu zitieren und eigene anderen anzubieten, sei branchenüblich und werde auch von der „Bild“-Gruppe täglich praktiziert. Die Vorwürfe der „Bild-Zeitung“ stünden außerdem im Widerspruch zur eigenen Praxis, argumentiert „Focus Online“, weil bezahlpflichtige „Bild plus“-Artikel zum Teil nahezu zeitgleich kostenlos auf anderen Portalen des Verlags angeboten würden. In der Klageerwiderung seien dafür zahlreiche Beispiele aufgeführt, sagte ein Burda-Sprecher am Mittwoch.

„Focus Online“ handle bei der Nutzung seiner Informationsquellen nach rein publizistischen Kriterien. Der Anteil von Artikeln mit Zitaten aus „Bild plus“ liege außerdem bei unter einem Prozent. „Die Klage dient offenbar keinem juristischen Zweck, sondern der kampagnenartigen Diskreditierung eines erfolgreichen Mitbewerbers“, sagte der „Focus Online“-Chefredakteur, Daniel Steil, laut der Mitteilung. „Dem Ausgang des Verfahrens sehen wir sehr optimistisch entgegen.“

Der Chefredakteur Bild Digital, Julian Reichelt, sagte dazu auf Anfrage, es sei glücklicherweise nicht branchenüblich, eigens für „Bild plus“ erstellte journalistische Premiuminhalte systematisch zu kapern und so Reichweite zu generieren, die dann vermarktet werde. „Anscheinend ist es aber üblich für das redaktionelle Gebahren von „Focus Online“, auf diese Weise ein erklärtes und geschütztes Geschäftsmodell zu torpedieren.“ Es gehe nicht um eine „Monopolisierung“ frei zugänglicher aktueller Informationen, sondern um die räuberische Übernahme exklusiver Geschichten. „So verdient „Focus Online“ Geld mit fremden Leistungen und Inhalten.“

Die „Bild“-Zeitung hatte Mitte Januar beim Landgericht Köln eine Klage gegen „Focus Online“ eingereicht (Az.: 14 O5/17). Ihr Vorwurf lautete: Das Online-Medium schreibe systematisch exklusive Bezahlinhalte von „Bild plus“ ab. Das sei eine gezielte Behinderung des Geschäftsmodells eines Wettbewerbers und verletze außerdem das sogenannte Datenbankrecht nach Paragraf 87 des Urheberrechtsgesetzes.

„Bild“ hatte mit seiner Klage Unterlassung verlangt und angekündigt, auch eine Schadenersatzfeststellung erreichen zu wollen. Reichelt hatte im Januar erklärt: „Für uns geht es hier um das Wertvollste, was wir als journalistische Marke haben: unsere mit eigenen Ressourcen recherchierten Inhalte.“ Eine Sprecherin des Landgerichts Köln bestätigte am Mittwoch auf Anfrage, dass eine umfangreiche, mehr als 450 Seiten umfassende Klageerwiderung eingegangen sei.

dpa

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