Vorwürfe gegen Niederlande

Belgisches Parlament beschäftigt sich mit Fipronil-Eiern

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Eier auf dem Förderband einer Hühnerfarm in Merksplas. Millionen Eier wurden in Belgien, den Niederlanden und Deutschland aus dem Handel genommen, nachdem eine Belastung mit dem Pflanzenschutzmittel Fipronil festgestellt wurde. Foto: Kristof Van Accom

Erst Wochen nach Bekanntwerden eines ersten Fipronil-Verdachts hat Belgien andere EU-Staaten informiert. Durfte das so lange dauern? Und warum gibt es zu einer Eierprobe zwei ganz unterschiedliche Ergebnisse? Um solche Fragen geht es nun im belgischen Parlament.

Brüssel (dpa) - Der belgische Agarminister Denis Ducarme hat schwere Vorwürfe gegen die Niederlande in der Fipronil-Krise erhoben. Die belgische Lebensmittelsicherheitsbehörde habe von einem internen niederländischen Bericht nur über gute Kontakte in die Niederlande erfahren.

Seinem niederländischen Kollegen habe schon im November 2016 ein Bericht zu Fipronil in Eiern im Land vorgelegen, sagte Ducarme in Brüssel bei einer Sondersitzung der Ausschüsse für Landwirtschaft und Gesundheit im belgischen Parlament. "Es gab über diesen Bericht keinerlei offizielle Kommunikation der Niederlande", sagte Ducarme.

Außerdem hätten die belgischen Behörden mehr als einen Monat auf Informationen der niederländischen Kollegen warten müssen, die erlaubt hätten, die Verbreitung Fipronil-belasteter Eier nachzuvollziehen und Gegenmaßnahmen einzuleiten.

"Ein Monat. Ein Monat ohne die geringste Information der niederländischen Agentur. Was heißt das? Das heißt, dass wir keinen Zugang zu einer Kundenliste der niederländischen Firma hatten", sagte Ducarme. Derzeit wird angenommen, dass ein belgischer Hersteller einem gängigen Reinigungsmittel Fipronil beimengte und die Mischung an Betriebe in Belgien, den Niederlanden und Deutschland verkaufte. "Wir haben einen Monat verloren, um Tests zu machen", so Ducarme.

Die belgische Lebensmittelsicherheitsbehörde FASNK erfuhr am 2. Juni von einem Fipronil-Verdachtsfall in Belgien, informierte die anderen EU-Staaten aber erst am 20. Juli. Die Verzögerungen sind laut Ducarme wesentlich auf mangelnde Kooperation der Niederlande zurückzuführen.

Die Lebensmittelsicherheitsbehörde FASNK hatte am Dienstag bekannt gegeben, dass bei einer am 18. Juli entnommenen Probe ein Fipronil-Wert von 0,92 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) gemessen wurde. Die Anwendung des Insektengifts ist in der EU für Tiere verboten, die Lebensmittel liefern. Ab 0,72 mg/kg geht die EU von einer Gesundheitsgefahr aus.

Ursprünglich war bei dem fraglichen Test ein niedriger Wert von 0,076 mg/kg festgestellt worden. Der Betrieb nutzte jedoch sein Recht, ein Gegengutachten erstellen zu lassen - das wiederum den deutlichen höheren Wert von 0,92 mg/kg ergab. Die FASNK versucht nun, den Grund für die unterschiedlichen Messungen zu ermitteln und die Regierung kündigte eine Reihe neuer Vorsichtsmaßnahmen an.

So sollen unter anderem alle Legehennen-Betriebe gesperrt werden, deren Proben von jenem Labor ausgewertet wurden, das den niedrigeren Wert gemessen hatte. Dies dürfte drei zusätzliche Höfe betreffen. Außerdem soll es einen Rückruf der Eier aus diesen Betrieben geben, Verbraucher sollen über Chargennummern informiert werden und können betroffene Eier in den Laden zurückbringen.

Im Fipronil-Skandal haben auch fünf weiterverarbeitende Betriebe in Frankreich Eier erhalten, die mit dem Insektizid belastet sind. Das sind drei mehr, als bislang bekannt gewesen war. Die Eier seien ihnen aus den Niederlanden und Belgien geliefert worden, teilte das Landwirtschaftsministerium am Dienstagabend in Paris mit.

Ein weiteres Thema der Ausschuss-Sitzung in Brüssel ist das Verhalten der Lebensmittelaufsichtsbehörde FASNK. Eine Sprecherin der FASNK sagte am Wochenende, dass die FASNK schon Anfang Juni von einem Fipronil-Verdachtsfall wusste. Erst am 20. Juli wurden andere EU-Staaten informiert. Minister Ducarme forderte einen Bericht der FASNK an - eigentlich noch bis zur Anhörung.

Die Landwirte-Organisation Boerenbond, die in Bauern in Flandern und im Osten Belgiens vertritt, schätzt den Schaden für die Geflügelbranche durch die Fipronil-Krise derweil auf mindestens zehn Millionen Euro. Die Organisation forderte staatliche Unterstützung für betroffene Betriebe. In der Wallonie im Süden des Landes will der regionale Landwirtschaftsminister René Collin Ansprechpartner für Landwirte einsetzen, die Entschädigungen beantragen wollen.

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