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Bildung

Frankfurt: Verdi sieht Bildungsqualität und Gesundheitsschutz in Kitas gefährdet

Start der eingeschränkten Regelbetreuung in Offenbach. 
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Start der eingeschränkten Regelbetreuung in Offenbach. 

Das Hessische Sozialministerium möchte in Kitas verstärkt fachfremdes Hilfspersonal einsetzen. Die Gewerkschaft Verdi verurteilt das scharf. Die Wiedereröffnung der Kitas dürfe nicht zu Lasten der Beschäftigten oder der Bildungsqualität gehen.

  • Nachdem die Kitas in Frankfurt monatelang geschlossen werden, soll der Normalbetrieb wieder aufgenommen werden
  • Wegen Personalmangel aufgrund der Corona-Pandemie soll fachfremdes Personal eingesetzt werden
  • Verdi bemängelt, dass der Gesundheitsschutz in den Kitas in den Hintergrund rückt

Frankfurt - Die Gewerkschaft Verdi schlägt Alarm. Ab Montag, 6. Juli, sollen alle Kinder wieder in ihre Kitas, Horte und Krippen zurückkehren. „Normalbetrieb“ so bezeichnet es das hessische Sozialministerium. Aber was ist schon normal? Verdi fürchtet, dass die Wiedereröffnung zu Lasten der Beschäftigten geht.

Personal in Kitas in Frankfurt fehlte schon vor der Corona-Pandemie

Schon vor derCorona-Pandemie habe den Einrichtungen an allen Ecken Personal gefehlt, referiert Kristin Ideler bei einer Pressekonferenz im Saalbau Gutleut. Ideler ist bei Verdi für die Kitas in kommunaler Trägerschaft zuständig. Die Bertelsmann-Stiftung hat vergangenen Herbst die Lücke auf 8000 Kräfte beziffert. Ab 1. August führt das Land zudem einen verbesserten Personalschlüssel ein. Dafür bräuchte es noch einmal 1686 Fachkräfte zusätzlich, so Ideler. Dazu kommt, dass am Montag womöglich alle Kinder kommen, aber längst nicht alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Risikogruppen bleiben fort, so sie können.

Das Land hat sich darum einen Trick ausgedacht. Nach Rücksprache mit dem Jugendamt sollen die Träger auch fachfremdes Personal in den Kitas einsetzen dürfen. Einziges Einstellungs-Kriterium: ein erweitertes Führungszeugnis. Verdi sieht darin eine Deprofessionalisierung des ganzen Berufsstands Erzieherin/Erzieher.

Frankfurt Kita-Öffnung nach Corona hätte besser vorbereitet werden sollen

„Ich habe ein Bankkonto“, verdeutlicht Ulrike Bräutigam, Kita-Leiterin und Personalrätin der Stadt Hanau. „Aber niemand würde auf die Idee kommen, mich deswegen als Bankkauffrau einzusetzen.“ „Bildungsarbeit ist wichtig“, sagt auch Henning Kühn, Erzieher im Frankfurter Gallus. „Wir dachten eigentlich, das Bild der Basteltante und des Kindergartenonkels wäre passé.“ Vielmehr wirke es, als wären die Kitas nur zur Kinderaufbewahrung da, damit die Eltern arbeiten gehen können, sagt er frustriert.

Statt die Standards abzusenken, sollte das Land die praxisintegrierte Ausbildung viel mehr fördern, wünscht Kristin Ideler. Auch hätte die Wiedereröffnung der Einrichtungen besser vorbereitet werden müssen.

Frankfurt: Corona-Gesundheitsschutz in Kitas tritt laut Verdi in den Hintergrund

Nun müssen - wie schon oft in den vergangenen Wochen - Hygienekonzepte kurzfristig angepasst werden, so das überhaupt möglich ist. Der Gesundheitsschutz rücke in den Hintergrund, moniert Verdi. Die festen Gruppen, die während der Hochzeit der Pandemie strikt voneinander getrennt waren, werden sich wieder mischen. Eltern kommen wieder in die Kita. Abstandregeln fallen aus. „Kinder brauchen Nähe, Körperkontakt“, sagt Tanja Demuth, Erzieherin und Personalrätin der Stadt Riedstadt.

Dann noch die erweiterte Hygiene und die Flächenreinigung. „Mit dem vorhandenen Personal ist das nicht zu stemmen“, sagt Ideler. Das Land soll darum schnell einen Kita-Gipfel mit allen Beteiligten einberufen, fordert Verdi. Ältere Kollegen sollen nicht direkt zurück in den Kinderdienst, sondern andere Aufgaben übernehmen: Dokumentation, Elterngespräche per Videokonferenz oder Telefon, pädagogische Maßnahmen vor- und nachbereiten.

Hessen plant auch für Grundschulen die Rückkehr zum Regelbetrieb noch vor den Sommerferien. Für die GEW ist das „absurd“ und „unzumutbar“.

Alle neuen Entwicklungen der Corona-Pandemie sowie die aktuellen Fallzahlen in Hessen finden Sie in unserem News-Ticker.

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