Bundeswehr-Prozess: Knast unwahrscheinlich

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Die Verteidigung forderte schon mehrfach die Einstellung des Verfahrens.

Münster - Sieben Jahre nach den Vorfällen um die sadistischen Ausbildungsmethoden von Bundeswehrrekruten in Coesfeled wurde die Verhandlung am Donnerstag im Landgericht Münster fortgesetzt.

Neuer Prozess um Quälereien an Rekruten begonnen (Mit Bild) Münster (dpa) -

Der Strafprozess um sadistische Ausbildungsmethoden an Bundeswehrrekruten in Coesfeld ist am Donnerstag in eine neue Runde gegangen. Wegen der Vorfälle im Jahr 2004 sind noch sieben Ex-Unteroffiziere angeklagt. Freiheitsstrafen gelten als unwahrscheinlich.

“Es wird nur um Geldstrafen gehen können“, sagte Staatsanwalt Michael Frerichs am Landgericht Münster. Im Sommer 2004 waren über 160 Soldaten der Coesfelder Freiherr-vom-Stein-Kaserne bei Übungen den Misshandlungen und Demütigungen ausgesetzt gewesen. Laut Anklage wurden bei nachgestellten Verhören Rekruten gezwungen, gefesselt und mit verbundenen Augen zu knien. Einigen seien Tritte, Schläge oder Stromstöße versetzt worden.

KSK: Das ist die Elite-Einheit der Bundeswehr

Die rund 1000 Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) gelten als Deutschlands härteste Kämpfer. © dpa
Die 1996 aufgestellte Elitetruppe ist auf militärische Sonderaufträge im Ausland wie auch auf die Bekämpfung von Terroristen spezialisiert. © AP
Die Soldaten sind etwa zur Rettung abgeschossener deutscher Piloten hinter feindlichen Linien und zur Befreiung deutscher Staatsangehöriger aus Kriegs- und Bürgerkriegsgebieten besonders ausgebildet. © dpa
Stationiert ist die Einheit in Calw im Schwarzwald. © dpa
Das KSK ist in die Struktur der Bundeswehr eingebunden und truppendienstlich ein regulärer Verband im Heer. © AP
Mehrere Dutzend Soldaten des Kommandos werden auch in Afghanistan eingesetzt. © dpa
Unter anderem suchen sie dort nach Taliban-Kämpfern und El-Kaida-Terroristen. © dpa
Über die streng geheimen Einsätze gelangt aber wenig an die Öffentlichkeit. © dpa
Lediglich im Frühjahr wurde bekanntgegeben, dass sie einen Taliban-Kommandeur gefangengenommen hatten, der für einen Anschlag auf die Bundeswehr verantwortlich gemacht wurde. © dpa
Das Kommando wurde auch bei der Festnahme mutmaßlicher Kriegsverbrecher in Bosnien und im Kosovo eingesetzt sowie in Mazedonien. © dpa
Die Berufs- und Zeitsoldaten des KSK haben die modernste Ausrüstung. © dpa
Zu ihrer Spezialausbildung gehören Nahkampf... © dpa
...Fallschirmspringen... © dpa
...Abseilen aus Hubschraubern... © dpa
...und Sprengen © dpa
sowie Überleben unter Extrem-Bedingungen in Gebirge, Dschungel oder Wüste. © dpa
KSK-Soldaten bei einer simulierten Geiselbfereiung. © dpa
KSK-Soldaten beim Unterwassertraining. © dpa
KSK-Soldaten beim Unterwassertraining. © dpa
Ein KSK-Soldat bei einer Schießübung. © dpa
Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder gibt im Jahr 2004 in der Graf Zeppelinkaserne in Calw einem Soldaten der Kommando Spezialkräfte (KSK) die Hand. Der Elite-Soldat trägt einen Anzug zur Bombenentschärfung. © dpa
KSK-Soldaten beim Training © dpa

Ursprünglich hatte es 18 Angeklagte gegeben. Andere Verfahren gegen den Kompaniechef und die eigentlichen Rädelsführer der Misshandlungen wurden schon 2007 abgeschlossen. Die Männer, die nun vor Gericht stehen, waren damals zu Geldstrafen verurteilt oder freigesprochen worden.

Diese sieben Urteile wurden später aufgehoben. Weil das Strafverfahren seit bald neun Jahren läuft, forderten Verteidiger der Ex-Unteroffiziere die Einstellung des Prozesses. Das lehnte der Staatsanwalt jedoch mehrfach ausdrücklich ab: Diese Gelegenheit hätten die Männer schon vor Jahren verpasst. Die Justiz dürfe dem Steuerzahler nicht die großen Verfahrenskosten aufbürden.

dpa

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