Horror-Unfall in Formel 3 - So geht es der Münchner Fahrerin Sophia Flörsch (17)

Horror-Unfall in Formel 3 - So geht es der Münchner Fahrerin Sophia Flörsch (17)

50.000 Euro Entschädigung

Freispruch: Aber Mollath ist enttäuscht

+
Frei: Gustl Mollath verlässt nach seinem Freispruch das Landgericht Regensburg.

Regensburg - Der ehemalige Psychiatrie-Patient Gustl Mollath ist frei. Das Landgericht Regensburg hat ihn am Donnerstag freigesprochen, hält ihn aber dennoch für schuldig.

Freispruch für Gustl Mollath, aber keine volle Rehabilitierung: Rund ein Jahr nach seiner Entlassung aus der Psychiatrie hat das Landgericht Regensburg den 57-Jährigen am Donnerstag im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen. Allerdings befand es den jahrelang gegen seinen Willen Festgehaltenen für schuldig, seine damalige Ehefrau misshandelt zu haben. Er habe sie 2001 mehrfach mit der Faust geschlagen und anschließend getreten, gebissen und gewürgt, urteilte das Gericht.

Da Mollath aber nicht schlechter gestellt werden durfte als in seinem ersten Prozess, bei dem ihm Schuldunfähigkeit attestiert worden war, musste ihn das Gericht auch diesmal freisprechen. Der Nürnberger kann daher den Gerichtssaal als freier Mann verlassen. Mollath zeigte sich alles andere als zufrieden mit dem Urteil: „Diese Art von Freispruch habe ich schon siebeneinhalb Jahre genossen.“

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung ist gegen das Urteil keine Revision möglich. Nur die Nebenklage habe die Möglichkeit, Rechtsmittel gegen die Freisprüche zu Freiheitsberaubung und Körperverletzung einzulegen. „Wir werden das prüfen“, sagte Anwalt Jochen Horn, der die Ex-Frau Mollaths vertritt. Das Gericht sah übrigens die Vorwürfe der Freiheitsberaubung und der Sachbeschädigung als nicht erwiesen an.

Mollath zeigte sich enttäuscht. „Den Tatvorwurf gegen meine Ex-Frau möchte ich nicht auf mir sitzen lassen“, sagte der 57-Jährige. „Es bleibt ein Wermutstropfen für meinen Mandanten, weil er die angestrebte Rehabilitation nicht erreicht hat“, sagte Verteidiger Gerhard Strate.

Auch die vom Gericht angeordnete Entschädigung nach der rechtswidrigen Unterbringung stimmte Mollath nicht versöhnlich. Der Nürnberger kann mit gut 50 000 Euro rechnen. „Von üppig kann keine Rede sein. In solchen Anstalten ist es schlimmer als in deutschen Gefängnissen“, betonte Mollath.

Mollath hatte in dem Wiederaufnahmeverfahren seine Ex-Frau bezichtigt, eine Intrige gegen ihn gesponnen zu haben. An ein Komplott der damaligen Frau Mollath, um den ihr unbequemen Ehemann aus dem Verkehr zu ziehen, weil er einen Schwarzgeldskandal aufdecken wollte, glaubte das Gericht aber nicht. Falsche Bezichtigungen seien in dem damaligen Zeitpunkt der Übergriffe noch nicht nachvollziehbar, sagte die Vorsitzende Richterin in ihrer Urteilsbegründung. Die Ehe-Situation sei damals noch nicht so sehr zerrüttet gewesen.

Das Landgericht Nürnberg-Fürth hatte Gustl Mollath 2006 wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen, ihn aber wegen attestierter Wahnvorstellungen und Gemeingefährlichkeit in die Psychiatrie eingewiesen. Der Nürnberger hatte sich jeglichen psychiatrischen Untersuchungen verweigert und war ausschließlich nach Angaben von Zeugen und seinem Verhalten am Landgericht Nürnberg-Fürth exploriert worden. Der Fall hatte eine Debatte über die Unterbringung in psychiatrischen Kliniken ausgelöst und auch die deutsche Justiz erschüttert. So war die damalige bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) in Bedrängnis geraten.

„Wir wissen nicht sicher, ob der Angeklagte im Zustand der Schuldunfähigkeit handelte oder nicht“, betonte die Vorsitzende Richterin Elke Escher. Zumindest eine verminderte Schuldfähigkeit zur Tatzeit sei möglich, da es nicht fern liege anzunehmen, dass bei Mollath eine „wahnhafte Störung“ vorgelegen habe. Diese Annahme sei aber nicht gesichert. Dennoch sei zugunsten des Angeklagten von einer „Steuerungsunfähigkeit“ auszugehen. Dieser Vorwurf traf Mollath besonders. Ihm hafte nach wie vor der Makel des Wahnsinnigen an.

Der Fall Gustl Mollath - Eine Chronologie

November 2002: Mollath wird von seiner Frau wegen Körperverletzung angezeigt. Er soll sie im August 2001 ohne Grund mindestens 20-mal mit den Fäusten geschlagen haben. Außerdem habe er sie gebissen, getreten und sie bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Mollath bestreitet die Vorwürfe. © dpa
Mai 2003: Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth erhebt Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung. © dpa
September 2003: Die Hauptverhandlung beginnt vor dem Amtsgericht Nürnberg. Im April 2004 wird sie fortgesetzt. Ein Gutachter attestiert Mollath gravierende psychische Störungen. © dpa
Dezember 2003: Mollath erstattet Strafanzeige gegen seine Frau, weitere Mitarbeiter der HypoVereinsbank und 24 Kunden wegen Steuerhinterziehung, Schwarzgeld- und Insidergeschäften. © dpa
Februar 2004: Die Anzeige wird von der Staatsanwaltschaft abgelegt. Die Angaben seien zu unkonkret für ein Ermittlungsverfahren. © dpa
Juni 2004: Mollath muss zur Begutachtung ins Bezirkskrankenhaus Erlangen, kommt aber wieder frei. Im Februar 2005 wird er in das Bezirkskrankenhaus Bayreuth eingewiesen. Dort bringt er fünf Wochen zu. © dpa
August 2006: Ein Gutachter bescheinigt Mollath wahnhafte psychische Störung und paranoide Symptome. Das Landgericht Nürnberg spricht Mollath wegen Schuldunfähigkeit von der Anklage der Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung frei. Aber es ordnet seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an, weil er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle. Er ist bis heute im Bezirkskrankenhaus Bayreuth untergebracht. © dpa
Februar 2007: Der Bundesgerichtshof verwirft Mollaths Revision als unbegründet. © dpa
März 2012: Die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) sagt im Landtag, Mollaths Strafanzeige wegen der Bankgeschäfte seiner Frau sei „weder Auslöser noch Hauptanlass noch überhaupt ein Grund für seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus gewesen“. Seine Vorwürfe gegen die Bank hätten keinen begründeten Anfangsverdacht für Ermittlungen ergeben. © dpa
November 2012: Ein interner Revisionsbericht der HypoVereinsbank aus dem Jahr 2003 wird publik. Danach traf ein Teil von Mollaths Vorwürfen zu. Die Freien Wähler fordern Merks Rücktritt und einen Untersuchungsausschuss. © dpa
30. November 2012: Merk will den Fall Mollath komplett neu aufrollen lassen und ordnet einen Wiederaufnahmeantrag wegen möglicher Befangenheit eines Richters an. © dpa
18. März 2013: Die Staatsanwaltschaft beantragt die Wiederaufnahme wegen neuer Tatsachen, die dem Gericht bei der Verurteilung 2006 noch nicht bekannt gewesen seien. Entscheiden muss das Landgericht Regensburg. © dpa
26. April 2013: Der Mollath-Untersuchungsausschuss tritt erstmals zusammen. © dpa
28. Mai 2013: Das Landgericht Regensburg lehnt eine Entscheidung über Mollaths Psychiatrie-Unterbringung vor der Prüfung des Wiederaufnahmeantrags ab. © dpa
09. Juli: Der Untersuchungsausschusses geht zu Ende. SPD, Grüne und Freie Wähler sehen gravierende Fehler bei den Ermittlern und bei Merk und verlangten deren Entlassung. CSU und FDP sehen keine Fehler bei Merk. © dpa
22. Juli: Nach dem Landgericht Regensburg weist auch das Oberlandesgericht Nürnberg einen Befangenheitsantrag von Mollaths Anwalt gegen einen Richter ab. © dpa
24. Juli: Das Landgericht Regensburg weist die Anträge zur Wiederaufnahme des Mollath-Prozesses zurück. © dpa
6. August: Der seit Jahren in Bayern in der Psychiatrie sitzende Gustl Mollath kommt überraschend frei. Das Strafverfahren gegen ihn wird wieder aufgenommen. Das hat das Oberlandesgericht Nürnberg beschlossen. © picture alliance / dpa
5. September: Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe gibt einer Beschwerde Mollaths statt. Seine Unterbringung in der Psychiatrie war demnach seit 2011 verfassungswidrig. Die damaligen Beschlüsse des Landgerichts Bayreuth und des Oberlandesgerichts Bamberg zur Unterbringung Mollaths seien nicht gut genug begründet gewesen. © dpa
12. Dezember: Das Landgericht Regensburg kündigt an, dass es Mollath erneut psychiatrisch begutachten lassen will. Mollath lässt über seinen Anwalt mitteilen, dass er dies ablehnt. © dpa
19. Dezember: Das Landgericht Regensburg teilt mit, dass das Wiederaufnahmeverfahren gegen Mollath am 7. Juli 2014 beginnt. © dpa
7. Juli 2014: Vor dem Landgericht Regensburg beginnt das Wiederaufnahmeverfahren gegen Mollath. © dpa
23. Juli 2014: Die beiden Verteidiger von Mollath - Gerhard Strate (Mitte) und Johannes Rauwaldt (rechts) - legen nach Unstimmigkeiten mit dem Nürnberger ihr Mandat nieder. Das Gericht bestimmt sie zu Pflichtverteidigern. © dpa
08. August 2014: Die Staatsanwaltschaft - Oberstaatsanwalt Wolfhard Meindl - fordert in ihrem Plädoyer einen Freispruch für Gustl Mollath. Der Anklagevertreter ist jedoch von der Schuld des 57-Jährigen überzeugt. Die Verteidigung verlangt einen Freispruch „ohne Wenn und Aber“. Mollath selbst sagt, er habe die Taten nicht begangen. © dpa
14. August. 2014: Das Landgericht Regensburg spricht Gustl Mollath frei. © dpa

dpa

Auch interessant

Meistgelesen

Mega-Nacken: Polizeifoto bringt Netz zum Ausrasten 
Mega-Nacken: Polizeifoto bringt Netz zum Ausrasten 
Charlie (5) verliert Kampf gegen Krebs: Seine letzten Worte zerreißen der Mutter das Herz
Charlie (5) verliert Kampf gegen Krebs: Seine letzten Worte zerreißen der Mutter das Herz
Mann will 23-Jährigem Kopf abhacken - sofort Polizeieinsatz an Tankstelle
Mann will 23-Jährigem Kopf abhacken - sofort Polizeieinsatz an Tankstelle
Frau darf wegen dieses knappen Outfits nicht in Louvre - Jetzt äußern Fans einen Verdacht
Frau darf wegen dieses knappen Outfits nicht in Louvre - Jetzt äußern Fans einen Verdacht

Kommentare