Pressekonferenz angekündigt

Vater des Germanwings-Piloten will Unschuld seines Sohnes beweisen

Berlin - Der Absturz der Germanwings-Maschine über den französischen Alpen ist bereits zwei Jahre her. Nun möchte der Vater des Co-Piloten, Andreas L., eine Pressekonferenz geben. Er ist fest von der Unschuld seines Sohnes überzeugt.

Günter L. (63) schrieb in einer Einladung zur Pressekonferenz: „Bis heute wird an der Annahme des dauerdepressiven Copiloten, der vorsätzlich und geplant in suizidaler Absicht das Flugzeug in den Berg gesteuert haben soll, festgehalten. Wir sind der festen Überzeugung, dass dies so nicht richtig ist.“ 

Laut Bild findet die Pressekonferenz am Freitag um 10.30 Uhr in Berlin statt. Es ist der Tag und nahezu die gleiche Uhrzeit, zu der 2015 der Funkkontakt zu dem Germanwings-Flug abgebrochen war, der später über den französischen Alpen abgestürzt war. Die Maschine befand sich auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf und hatte 149 Menschen an Bord - darunter eine Schulklasse. Alle wurden dabei in Tod gerissen.

Germanwings-Absturz: Gibt es ein neues Gutachten?

Angeblich gibt es nun ein Gutachten, das Günter L. bei der Pressekonferenz vorstellen möchte und laut Bild Aufklärung in den Fall bringen könnte. Die zuständige Staatsanwaltschaft in Düsseldorf glaubt das allerdings nicht. „Es gibt keine Zweifel, dass Andreas L. die alleinige Verantwortung für den Absturz trägt“, hieß es dort. Es scheint demnach klar, dass L. erst den Piloten aus dem Cockpit ausgesperrt und dann manuell den Sinkflug eingeleitet hatte. Außerdem sei der Co-Pilot zum Zeitpunkt des Absturzes psychisch krank gewesen, habe unter Depressionen gelitten. Auch die französische Flugunfallbehörde schließt technisches Versagen aus.

Die Bild-Zeitung hat die Angehörigen der Germangwings-Opfer gefragt, was sie von L.s Einladung zu der Pressekonferenz halten. Eine Frau, die ihren Bruder und ihre Nicht verlor, sagte:  „Gerade während wir an der Gedenkstätte in Le Vernet unseren verstorbenen Familienmitgliedern gedenken. Solch einen Termin zu legen – das ist für uns wie ein Trauma.“ Und ein Mann, dessen Tochter, Lebensgefährtin und Enkel starben, sagte: „Die Eltern haben die Situation ihres Sohnes vor der Katastrophe nicht erkannt, haben ihn nicht davon abgehalten zu fliegen. Jetzt muss den Eltern geholfen werden, denn sie leugnen Tatsachen. Wollen die Eltern provozieren? Für uns war die erste Katastrophe der Absturz an sich, dass wir geliebte Menschen verloren haben. Die zweite Katastrophe war, dass dafür ein Mensch verantwortlich ist. Die dritte Katastrophe ist das Verhalten der Eltern, die provokante Traueranzeige, der überdimensionale Grabstein, jetzt die Pressekonferenz am Jahrestag.“

„Es gibt keinen Grund an den Ergebnissen zu zweifeln“

Auch ein Sprecher der Lufthansa äußerte sich: „Die Behörden haben die Absturzursache aufgeklärt, es gibt keinen Grund an den Ergebnissen zu zweifeln. Der 24. März sollte allein der Trauer der Angehörigen und dem Gedenken an die Verstorbenen gewidmet sein. Aus unserer Sicht ist solch eine Veranstaltung an diesem Datum völlig deplatziert.“

Die Eltern des Co-Piloten aus Montabaur (Rheinland-Pfalz) hatten sich bereits vor zwei Jahren die Kritik der Hinterbliebenen der Germanwings-Opfer eingehandelt, als sie eine Traueranzeige für ihren Sohn in der Westerwälder Zeitung veröffentlicht hatten. "Wir möchten uns bei allen bedanken, die uns in einem Jahr voller Erschrecken und Angst, Nichtbegreifens, Ruhelosigkeit, Sprachlosigkeit, Verzweiflung und nicht bewältigter Trauer beigestanden und geholfen haben, unseren so sehr großen Verlust zu tragen und alles, was über uns hereinstürzte, auszuhalten", war darin zu lesen.

pak/Video: Glomex

Rubriklistenbild: © dpa

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