Geschichte des Oktoberfests: Vom Pferderennen zum Wiesn-Spektakel

+
In seiner mehr als 200 Jahre alten Geschichte hat sich das Oktoberfest, auch Wiesn genannt, stark verändert.

Das Münchner Oktoberfest steht für Bier, Tracht und jede Menge Gaudi. Doch das war nicht immer so. In seiner mehr als 200 Jahre alten Geschichte hat sich die Wiesn verändert: vom einstigen Pferderennen zum größten Volksfest der Welt.

Zu Ehren der Heirat von Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese veranstaltete der Bankier Andreas von Dall’Armi am 17. Oktober 1810 ein Pferderennen am Stadtrand von München. Die Grünfläche, auf der das Spektakel ausgetragen wurde, wurde nach der Braut benannt: Theresienwiese – kurz Wiesn. Dort findet das Oktoberfest immer noch statt. Der Platz liegt mittlerweile mitten in der Stadt.

In den Anfangsjahren spielte das Bier auf dem Oktoberfest eine untergeordnete Rolle. Es wurde nicht einmal auf der Festwiese ausgeschenkt, sondern auf der Anhöhe des damals selbstständigen Dorfes Sendling. Erst als das Fest von Jahr zu Jahr mehr Besucher anlockte, entstanden die ersten Bierbuden und Brotzeitstände auf der Theresienwiese. Außerdem stellten Schausteller Schaukeln und Karusselle auf.

Das Oktoberfest begeistert Massen

Heute kommen jährlich rund sieben Millionen Besucher zum Oktoberfest. Die meisten finden Platz in einem der 14 großen Festzelte der Münchner Brauereien. Neben den traditionellen Fahrgeschäften wie dem Toboggan oder der Krinoline stehen inzwischen rasante Achterbahnen. Neuheit 2013 ist der höchste transportable Freefall-Turm der Welt. Dabei stürzen die Fahrgäste 70 Meter im freien Fall in die Tiefe.

Schick in Tracht zur Wiesn

Egal ob Tourist oder Münchner – wer heutzutage auf die Wiesn geht, erscheint in Tracht. Doch die Tradition ist gar nicht so alt, wie viele denken. Das Dirndl galt früher als Arbeitsgewand für Mägde. Zu einem Anlass wie dem Oktoberfest wäre die Bürgerschaft niemals damit in die Stadt gefahren.

Erst zu den Olympischen Spielen 1972 in München wurde das Dirndl zum Markenzeichen für Bayern und die Wiesn. In den 1980er-Jahren kam mit der Öko- und Anti-Atomkraft-Bewegung die Landhausmode auf. Nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wurden Dirndl und Lederhosen zum Massenphänomen. Seitdem gibt es immer ausgefallenere Kreationen. Im Trend liegen aber auch traditionelle Farben und Schnitte. Wer also ein Original-Dirndl aus Großmutters Zeiten im Schrank hängen hat, kann dieses auch 2013 noch tragen.

Das weltberühmte Oktoberfest-Bier

Auch das Oktoberfestbier hatte im 19. Jahrhundert wenig Ähnlichkeit mit dem heutigen Gerstensaft. Die Wirte boten ein untergäriges Lager-und Sommerbier an. Im heißen Sommer von 1872 ging ihnen jedoch das Bier aus und sie mussten auf andere Biersorten wie Märzen, Bockbier und Pils ausweichen. Diese verkauften sich auch in den Folgejahren gut. Erst im Jahr 1950 setzte sich das Edelhell, auch Edelstoff genannt, durch. Aus diesem Jahr stammt auch der weltweit bekannte Spruch „O‘zapft is!“.

Der damalige Oberbürgermeister Thomas Wimmer krempelte die Hemdsärmel hoch, nahm den Schlegel in die Hand und zapfte das erste Fass Bier mit dem Negativ-Rekord von 13 Schlägen an. Das hatte 1950 Symbolkraft: Er wollte ein Zeichen setzen, dass sich in der Nachkriegszeit niemand zu niedriger Arbeit wie der eines Schenkkellners zu schade sein sollte. Die Tradition des Bieranstichs besteht bis heute und eröffnet am 21. September auch das Oktoberfest 2013.

auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Italien: Lawine trifft Hotel in Erdbebengebiet - Viele Tote
Italien: Lawine trifft Hotel in Erdbebengebiet - Viele Tote
Kluger Köder: Mädchen überführt Grapscher
Kluger Köder: Mädchen überführt Grapscher
Radiosender stoppt „Bayerns unmoralischstes Gewinnspiel“
Radiosender stoppt „Bayerns unmoralischstes Gewinnspiel“
Intimrasur im Schaufenster: Sie nimmt Amts-Anordnung wörtlich
Intimrasur im Schaufenster: Sie nimmt Amts-Anordnung wörtlich

Kommentare