Mutter zu Geldstrafe verurteilt

Strafgefangener erneut verurteilt: Mann muss wegen Anstiftung zu sexuellem Missbrauch in Psychiatrie

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Blick durch einen Sicherheitszaun auf die Justizvollzugsanstalt Rosdorf. Die Staatsanwaltschaft Göttingen wirft einem Insassen sexuellen Missbrauch vor.

Ein 31-jähriger Strafgefangener wurde vom Landgericht Göttingen wegen Anstiftung zu sexuellem Missbrauchs verurteilt.

Update, 12.12.2019, 18.58 Uhr: Das Landgericht Göttingen hat am Donnerstag einen einschlägig vorbestraften Strafgefangenen wegen Anstiftung zum sexuellen Missbrauch zu einer weiteren Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Außerdem ordnete die Kammer an, dass der 31-Jährige in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird. 

Der Angeklagte hatte nach Überzeugung des Gerichts im Frühjahr 2016 seine damalige Freundin in E-Mails dazu aufgefordert, bei ihrem nächsten Besuch in der Justizvollzugsanstalt Rosdorf ihren drei Jahre alten Sohn mitzunehmen. Sie sollte dazu die Kleidung des Kindes so präparieren, dass er an diesem sexuelle Handlungen vornehmen könnte. 

Geldstrafe: Mutter wurde ebenfalls verurteilt

Die mitangeklagte frühere Freundin erhielt eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 15 Euro (insgesamt 1350 Euro). Nach Ansicht des Gerichts hat sich die 27-Jährige des sexuellen Missbrauchs an Kindern schuldig gemacht. Sie hatte sich in einer E-Mail dazu bereit erklärt, auf den Wunsch des 31-Jährigen einzugehen. 

Dazu kam es nicht, da JVA-Mitarbeiter zwischenzeitlich auf den Chat-Austausch aufmerksam geworden waren und die Staatsanwaltschaft und das Jugendamt eingeschaltet hatten. Das Gericht blieb mit seinem Urteil unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Diese hatte für den 31-Jährigen eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren sowie die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus gefordert. 

Die 27-Jährige solle eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten erhalten, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Die Verteidiger hatten dagegen auf Freispruch plädiert.

Update, 10.12.2019, 17.21 Uhr: Im Missbrauchsprozess gegen einen einschlägig vorbestraften Strafgefangenen hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag vor dem Landgericht Göttingen eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren gefordert. Außerdem sei die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus anzuordnen.Der 31-Jährige leide einem Gutachten zufolge an einer schweren seelischen Abartigkeit. Deshalb sei die Gefahr weiterer sexueller Missbrauchshandlungen sehr hoch.

Die Staatsanwaltschaft sieht es als erwiesen an, dass der 31-Jährige im Frühjahr 2016 seine damalige Freundin in E-Mails dazu aufgefordert hatte, ihren drei Jahre alten Sohn in die Justizvollzugsanstalt (JVA) Rosdorf mitzunehmen. Sie sollte die Kleidung des Kindes so präparieren, dass er an diesem sexuelle Handlungen vornehmen konnte.

Der 31-Jährige und seine mitangeklagte Ex-Freundin hatten vor Gericht angegeben, dass sie nicht vorgehabt hätten, diese sexuellen Fantasien in die Tat umzusetzen. Nach Ansicht des Staatsanwalts fand sich jedoch kein Hinweis darauf, dass sie sich einig gewesen seien, dass es nur ein „fiktives Angebot“ sein sollte. Der Angeklagte habe bewusst die Naivität seiner Ex-Freundin ausgenutzt. Auf sein Drängen habe ihm die 27-Jährige das Kind zum sexuellen Missbrauch angeboten. Nach Ansicht des Staatsanwalts sollte sie eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten erhalten, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Während der nächsten drei Jahre sollte sie einem Bewährungshelfer unterstellt werden.

Die Verteidiger plädierten auf Freispruch. Die Angeklagten hätten nur perverse sexuelle Fantasien ausgetauscht, sagte die Anwältin des 31-Jährigen. Dabei sei klar gewesen, dass diese nicht realisierbar seien, da der Besuchsraum in der Haftanstalt überwacht werde. Der Verteidiger der 27-Jährigen machte geltend, dass seine Mandantin sich von den Inhalten der E-Mails abgestoßen gefühlt habe. Der Angeklagte habe sie immer wieder bedrängt. Aufgrund ihres nahezu naiven Charakters habe sie ihm nie widersprochen.

Angeklagter nahm an E-Mail-Pilotprojekt in der JVA teil

Dass sich die beiden Angeklagten per Mail austauschen konnten, obwohl nach den niedersächsischen Strafvollzugsvorschriften Gefangenen ein E-Mail-Zugang verwehrt ist, hängt mit einem inzwischen beendeten Pilotprojekt an der JVA Rosdorf zusammen. Dort sei 2016 in einer Station für Strafhaft ein Mediensystem eingeführt worden, das neben Hörfunk, Fernsehen und Telefonie auch die Möglichkeit zu einem besonders gesicherten Versand und Empfang von E-Mails bot, erläuterte der Sprecher des niedersächsischen Justizministeriums, Hans-Christian Rümke.

Die Kontrolle der Mails habe denselben gesetzlichen Bestimmungen des Justizvollzugsgesetzes unterlegen wie der Briefverkehr. „Danach konnten der Empfang und das Versenden der Emails untersagt werden, wenn zu erwarten war, dass die Sicherheit und Ordnung der Anstalt gefährdet oder das Mailen einen schädlichen Einfluss auf den Gefangenen hat oder seine Eingliederung behindern wird.“

Nach Angaben des Angeklagten musste er damals seine Kontaktpersonen registrieren und freigeben lassen. Er habe an diese Adressen Texte bis 180 Zeichen, aber keine Anhänge versenden können. Alle versandten Nachrichten seien gespeichert geblieben, er habe sie nicht löschen können.

Eine als Zeugin geladene Polizistin berichtete, dass die JVA-Mitarbeiter erst durch eine technische Störung darauf aufmerksam wurden, dass der Angeklagte mehrere tausende Mails mit teilweise pädophilen Inhalten verschickt hatte.

Nach Angaben des Justizministeriums wurde das Pilotprojekt 2018 aus Kostengründen beendet. Stattdessen habe man ein Telefonsystem eingeführt, das es den Gefangenen ermöglicht, aus ihrem Haftraum heraus zu telefonieren. Zuvor müssten sie die Freigabe einer Telefonnummer mit der dahinter stehenden Kontaktperson beantragen, erläuterte Ministeriumssprecher Rümke. Gefangene könnten aus ihrem Haftraum nur die freigegebenen Nummern anrufen, jedoch selbst nicht angerufen werden.

Update, 02.12.2019, 18.28 Uhr: Mitangeklagt ist seine 27-jährige Ex-Freundin, die zur Tatzeit im Frühjahr 2016 im Landkreis Göttingen lebte. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 31-Jährigen vor, seine damalige Freundin in E-Mails dazu aufgefordert zu haben, bei ihrem nächsten Besuch in der Justizvollzugsanstalt Rosdorf ihren drei Jahre alten Sohn mitzunehmen. 

Der Junge sollte seinen Instruktionen zufolge bei dem Besuch keine Windel und keine Unterhose tragen, stattdessen eine Strumpfhose mit einem Loch im Schrittbereich. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ging es dem bereits einschlägig vorbestraften Angeklagten darum, seinen pädophilen sexuellen Neigungen nachzugehen. 

Mutter stimmte zu: Sorge dafür, dass er „keine Windel umhat und eine Strumpfhose mit Loch anhat“

Die Mitangeklagte soll der Bitte des 31-Jährigen in einer Email zugestimmt haben. „Ich mache es für dich“, so heißt es dort, dass der Junge „keine Windel umhat und eine Strumpfhose mit Loch anhat“. 

JVA-Beamte wurden bei den Inhalten stutzig und verhindern Besuch

Zu dem Besuch in der Haftanstalt kam es dann allerdings nicht mehr. Mitarbeiter waren zwischenzeitig auf die verdächtigen Inhalte der Email-Kommunikation aufmerksam geworden und hatten daraufhin die Staatsanwaltschaft und das Jugendamt eingeschaltet. Die Polizei durchsuchte die Zelle des 31-Jährigen und die Wohnung der 27-Jährigen. 

Dreijähriger war zwischenzeitlich bei einer  Pflegefamilie untergebracht

Das Kind kam zunächst in eine Pflegefamilie, inzwischen lebt es wieder bei der Mutter. Zu Beginn des Prozesses wies der Vorsitzende Richter darauf hin, dass auch eine Unterbringung des Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus in Betracht komme. 

31-jährige JVA-Insasse sitzt wegen einem anderen Missbrauchsfall in Haft

Derzeit sitzt dieser wegen einer Verurteilung in einem anderen Missbrauchsfall in Strafhaft. Opfer soll ein dreijähriges Mädchen gewesen sein. Nach Verlesung der neuen Anklage sagte der 31-Jährige: „Ich räume die Tat ein.“ Dies bezog sich indes nur auf das Verfassen der E-Mails. Dagegen bestritt er, dass er sich tatsächlich an dem Kind habe vergreifen wollen. Dies wäre aufgrund der Überwachungsmaßnamen im Gefängnis auch gar nicht möglich gewesen. 

Angeklagter hält sich selbst nicht für pädophil

Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, ob er ein sexuelles Interesse an Kindern habe, erklärte der einschlägig Vorbestrafte: „Eigentlich nicht.“ Er habe sich vielmehr beim Schreiben der E-Mails selbst befriedigt, den sexuellen „Kick“ bekomme er durch immer neue Phantasiegeschichten. 

31-Jähriger und Mutter des Kindes haben sich über einen Internet-Chat kennengelernt

Die beiden Angeklagten hatten sich über eine Chat-Plattform kennengelernt. Ihre Beziehung schilderten sie sehr unterschiedlich. Nach Angaben der 27-Jährigen hatten sie sich erstmals 2012 in Hannover getroffen. Dort habe sie gemeinsam mit dem Angeklagten die Nacht in einem Hotel verbracht. Kurz nach diesem gemeinsamen Wochenende sei sie dann mit einem anderen Mann zusammengekommen.

 Als sie später feststellte, dass sie schwanger war, sei sie davon ausgegangen, dass der Angeklagte der Vater sei.  Erst seitdem sehr viel später in der JVA ein Vaterschaftstest vorgenommen wurde, wisse sie, dass ihr Kind gar nicht von diesem stammte. 

Angeklagter schildert das Kennenlernen ganz anders

Der Angeklagte gab dagegen an, dass er die 27-Jährige erstmals 2014 getroffen habe. Damals habe er sie an ihrem Wohnort im Kreis Göttingen besucht. Wegen eines noch offenen Haftbefehls habe ihn dort die Polizei festgenommen, seitdem sitze er ununterbrochen in Haft. Der 31-Jährige bestritt, dass es zwei Jahre zuvor eine gemeinsame Nacht in einem Hotel gegeben hatte. Dies sei eine Legende für das Jugendamt gewesen, damit die Behörde seine Vaterschaft für das Kind der 27-Jährigen anerkannte. 

Dass ihm dies ganz wichtig war, obwohl er sowohl das Kind als auch die Mutter kaum kannte, begründete er so: „Ich wollte eine Familie.“ Mitte 2015 habe die Behörde ihnen dann das gemeinsame Sorgerecht zugesprochen. Die 27-Jährige folgte seinen Wünschen, weil sie nach eigenen Angaben zu der Zeit „total verliebt“ war. 

Anwalt der Angeklagten: Sie hat einen „kindlich-naiven Charakter“

Ihr Anwalt wies darauf hin, dass seine Mandantin einen „kindlich-naiven Charakter“ und wenig Selbstbewusstsein habe. „Ich bereue zutiefst, dass ich nicht eher nein gesagt habe“, erklärte sie. Als der Angeklagte sie später in E-Mails aufforderte, sexuelle Handlungen an ihrem Kind vorzunehmen, habe sie dies nie getan. Sie habe sich aber auch nicht getraut, ihm offen zu widersprechen und ihn zurückzuweisen. Der Vorsitzende Richter konnte dies schwer nachvollziehen: „Er saß doch im Knast.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

Prozess um einen ungewöhnlichen Fall von Kindesmissbrauch in Göttingen

Erstmeldung, 02.12.2019, 11.05 Uhr: Ein ungewöhnlicher Fall von sexuellem Missbrauch wird ab dem heutigen Montag vor dem Landgericht Göttingen verhandelt. Ein Mann soll ein Kind im Gefängnis sexuell missbraucht haben. 

In dem Prozess müssen sich ein 31 Jahre alter Strafgefangener und eine 27-jährige Frau verantworten. Laut Anklage soll der 31-Jährige per E-Mail die Mitangeklagte darum gebeten haben, bei einem Besuch in der Justizvollzugsanstalt ihren Sohn mitzubringen. Die 27-Jährige sei der Bitte im März 2016 gefolgt und ihren Sohn, der zu der Zeit im Kindergartenalter gewesen sei, mitgenommen. 

Kind musste sich bei Häftling auf Schoß setzen

Auf Geheiß des Angeklagten, der zu der Zeit wegen habe sich das Kind während des Besuchs im Gefängnis mit nicht vollständig bekleidetem Unterleib auf dessen Schoß setzen sollen. Das Gericht hat für den Prozess insgesamt vier Verhandlungstage angesetzt.

Vor einem 21 Jahre alten Mann warnt die Staatsanwaltschaft in Gießen und Marburg. Er wurde wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt, ist aber auf freiem Fuß. Er könnte sich erneut Kindern nähern.

Weil sie ihr Baby mit Schmerzmitteln vergiftet hatte, ist eine 25-Jährige in Bad Hersfeld zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

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