Gift-Cocktails in importiertem Obst und Gemüse

Greenpeace warnt vor Pestiziden auf dem Teller

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Vorsicht: Gemüse ist zwar an sich gesund, nicht aber, wenn es Pestizide enthält.

München - Obst und Gemüse sind gesund, lernen wir als Kind - vorausgesetzt, die Früchte auf dem Feld werden keinem Pestizid-Cocktail ausgesetzt. Davor warnt jetzt Greenpeace. Was kann ich überhaupt noch essen?

Pestizide, Fungizide und Insektizide können einem mehr als den Appetit verderben. Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen zum Test der Umweltorganisation Greenpeace zu importiertem Obst und Gemüse:

Was ist das Problem mit Pestiziden und Co.?

Was gerne als Pflanzenschutzmittel bezeichnet wird, ist nichts anderes als Gift, um Schädlinge abzuhalten. Beim Menschen stehen sie jedoch im Verdacht, Allergien auszulösen, Krebs zu erregen sowie die Fruchtbarkeit oder das Erbgut zu schädigen.

Was wurde getestet?

Greenpeace nahm die Daten aus der staatlichen Lebensmittelüberwachung und eigenen Tests aus den Jahren 2009 und 2010 - insgesamt 22 481 Proben von 163 Lebensmitteln aus rund 80 Ländern. Dabei konnten die Experten 351 verschiedene Wirkstoffe nachweisen.

Was ist das zentrale Ergebnis?

Bei Obst fanden sich in vier von fünf Proben Rückstände von Pestiziden, bei frischem Gemüse in mehr als jedem zweiten Fall. Aber auch bei Bio-Produkten finden sich Gift-Rückstände in einem Fünftel der Ware, weil sich Pestizide auch über das Wasser oder die Luft ausbreiten. Generell schnitten Lebensmittel deutscher Herkunft häufig gut ab. Hier wurden nur in zwei Prozent der Proben die Höchstwerte überschritten. Und Produkte aus Ländern der EU waren weniger belastet als vergleichbare Ware aus der Türkei und Übersee.

Was ist besonders gefährlich?

Auf Gift-Platz 1 landeten bei der deutschen Lebensmittelüberwachung Paprika aus der Türkei: Sie enthielten über 20-mal so viel Pestizide als es für den Menschen gesund ist, gefolgt von Birnen und Tafel-trauben. Aber auch deutsche Trauben, italienischer Kopfsalat und spanische Gurken überschritten die sogenannte „akute Referenzdosis“ um das Vierfache. Spitzenreiter bei den Giftcocktails waren türkische Trauben, worin die Forscher 24 verschiedene Pestizide feststellten - und eine Johannisbeer-Probe aus Deutschland mit einem Cocktail aus 17 Giften.

Was macht den Testern Sorgen?

„Im Obst- und Gemüseanbau kann legal ein weites Spektrum an Pestiziden versprüht werden“, erklärt Greenpeace Chemieexperte Manfred Santen. Zwar gibt es gesetzliche Höchstwerte für die chemischen Stoffe, allerdings setzt die Industrie oft mehrere Pflanzenschutzgifte gleichzeitig ein - allerdings ist laut Greenpeace die Wirkung solcher Pestizidcocktails noch zu wenig erforscht. Die gesetzlichen Grenzwerte alleine reichten nicht aus, um etwa Kleinkinder, Schwangere und Kranke ausreichend vor Agrargiften zu schützen. Und Höchstwerte für Pestizid-Cocktails gibt es nicht.

Sind Lebensmittel aus dem Discounter schlechter?

Nein. „Die Anforderungen, die Aldi, Lidl, Rewe und Co. ihren Lieferanten stellen, sind strenger als die staatlich zulässigen Höchstgehalte - und zwar zum Nutzen des Verbrauchers“, betont Manfred Santen von Greenpeace . Weil der Konsument zunehmend sensibler werde, zeigten die einzelnen Handelsketten keine großen Unterschiede mehr.

Was sollen Verbraucher denn vor lauter Pestizid-Gefahren überhaupt noch essen?

Saisonales Obst und Gemüse aus der Region und Biolebensmittel, empfiehlt Greenpeace. Generell haben Lebensmittel zu Beginn der Ernteperiode mehr Gift in sich. Bei Zitrus- und Schalenfrüchten sollten sich Verbraucher die Hände waschen. Bei Kohl oder Salaten empfiehlt Greenpeace, die äußeren Blätter zu entfernen.

Wo gibt es mehr Infos?

Der Ratgeber Essen ohne Pestizide kann unter www.greenpeace.de heruntergeladen oder kostenlos unter Telefon 040/30 61 81 20 bestellt werden.

was.

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