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„Größtes Public Viewing Süddeutschlands“ floppt beim Deutschland-Spiel komplett

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Von: Julia Hawener

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Public Viewing in Reutlingen
Viele Plätze auf den Bierbänken beim Public Viewing in Reutlingen blieben am Mittwoch beim Deutschlandspiel leer. © Screenshot Instagram/ooonuur (Fotomontage: BW24)

Mehr als 2.500 Fußball-Fans können bei einem groß aufgezogenen Public Viewing die Spiele der WM 2022 verfolgen. Die Besucherzahlen beim ersten Deutschlandspiel enttäuschten jedoch.

Reutlingen – Jubelnde Meuten, Bratwurst und literweise Bier: das verbinden viele Fußball-Fans mit der Weltmeisterschaft. Denn Rudelgucken gehört für viele Freunde des Ballsports zur WM dazu. Insbesondere dann, wenn die Lieblingsmannschaft ihr Können unter Beweis stellt. In diesem Jahr ist jedoch einiges anders. Zum ersten Mal findet eine WM im Winter statt. Bratwurst und Bier werden also gegen Glühwein und Spekulatius eingetauscht. Erschwerend kommen die vielen Diskussionen um das Gastgeber-Land Katar und die ungünstigen Spielzeiten hinzu. Alles Gründe, weshalb einige Kneipen in Deutschland und auch in Stuttgart die diesjährige Fußball-WM komplett boykottieren. Andere wiederum, wie etwa ein Eventgastronom aus Reutlingen, wollen an der Tradition „Public Viewing“ festhalten – mit weniger Erfolg als erwartet, wie das erste Deutschlandspiel zeigte, berichtet BW24.

„Größtes Public Viewing Süddeutschlands“ floppt: Veranstalter hätten mehr Besucher erwartet

Die WM 2022 stand von Anfang an unter keinem guten Stern: Um den Austragungsort Katar gibt es laufend neue Korruptionsvorwürfe. Zudem steht die arabische Halbinsel wegen Menschenrechtsverletzungen beim Bau der Stadien und der Organisation massiv in der Kritik. All dem zum Trotz organisiert Onur Sönmez in Reutlingen das seiner Meinung nach „größte Public Viewing Süddeutschlands“ in Reutlingen.

Dafür hat er zwei 32 Quadratmeter große LED-Wände sowie fünf weitere Bildschirme besorgt, die nun in einem ehemaligen Baumarktgebäude die Spiele übertragen. Rund 2.500 Fußball-Fans hätten dort theoretisch Platz. Zum ersten Deutschlandspiel der WM 2022 am Mittwochnachmittag blieben allerdings viele Plätze leer: Nur etwa 150 Fans kamen, um das Spiel gegen Japan zu verfolgen, wie der SWR berichtete.

WM-Public-Viewing in Reutlingen: Miet- und GEMA-Gebühren könnten zum Problem werden

Event-Gastronom Sönmez, der das Public-Viewing-Event in Reutlingen betreibt und organisiert, hätte deutlich mehr Zuschauerinnen und Zuschauer erwartet. In dem ehemaligen Baumarkt-Gebäude gibt es neben der Live-Übertragung der Spiele auch typische Fußball-Verpflegung wie Currywurst oder Pommes und Bier an einer 30 Meter langen Getränke-Theke. Etwa 2.500 Besucher können dort ab 17 Uhr auf Bierbänken den Spielen zuschauen. Wenn die deutsche Mannschaft am Start ist, öffnet das Rudelguck-Event im ehemaligen Bauhaus-Areal in der Emil-Adolff-Straße auch schon früher.

Vor Beginn der WM äußerste sich der Reutlinger Organisator gegenüber der Südwest Presse optimistisch zu seiner Veranstaltung. Er glaube, je mehr über einen Boykott gesprochen werde, desto eher könnte das Public Viewing ein Erfolg werden. Auch die Stuttgarter Bierbrauer Dinkelacker glaubt an Fans, „die sich die Lust am Fußball nicht vermiesen lassen“. Die Besucherzahlen am Mittwoch zeigten jedoch eine andere Realität. Und die könnte, sollten in den kommenden Spielen nicht doch noch mehr Zuschauer kommen, wegen Miet- und GEMA-Gebühren zum finanziellem Problem für den Eventgastronom werden.

WM 2022 in Katar: Public-Viewing-Veranstalter kann Boykott nicht nachvollziehen

Sönmez kann laut dem SWR auch nicht ganz nachvollziehen, weshalb einige die Spiele boykottieren. Schließlich habe die Fifa die WM in Katar zugelassen. Man könne also keinem einen Vorwurf machen, der sich die Weltmeisterschaft anschauen wolle. Anders sieht das Diversity-Expertin Tatjana Eggeling, die sagt, man müsse aufhören „so zu tun, als sei Sport nicht politisch“. Auch der deutsche Ex-Nationalspieler Timo Hildebrand hat eine klare Haltung zum Thema und findet, „man kann die WM in Katar boykottieren“.

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