Der große Einschlag - eine Frage der Zeit

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Das Symbolfoto eines Asteroiden zeigt "Lutetia", an dem der europäische Kometenjäger "Rosetta" im Juli wie geplant knapp vorbeigerast ist.

Darmstadt - Die Europäische Weltraumagentur sucht nach Möglichkeiten zum Schutz vor Himmelskörpern. Die tz sprach mit Michael Khan, Missionsanalytiker der ESA.

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Wie würde die Welt auf einen Asteroideneinschlag reagieren? Ziel einer derzeit in Darmstadt stattfindenden Konferenz der europäischen Weltraumagentur ESA ist es, den Schutz vor für die Erde gefährlichen Himmelskörpern auf eine internationale Agenda zu setzen. Die tz sprach mit Michael Khan, Missionsanalytiker der ESA:

Wie real ist die Bedrohung durch einen Killerasteroiden für die Erde?

Michael Khan: Überaus real. Denken Sie an die jüngere Geschichte: Erst vor 102 Jahren ist über Sibirien ein Asteroid explodiert. Dabei hat es der Tunguska-Meteorit nicht mal bis zur Erdoberfläche geschafft, sondern ist in etwa acht Kilometern Höhe explodiert. Und dennoch hatte er eine Sprengkraft von 500 Hiroshima-Bomben entwickelt! Und wer weiß, wie oft das noch passiert ist? Wir beobachten den Himmel ja erst seit relativ kurzer Zeit … So ein Problem ist weder hypothetisch noch selten.

Sind denn gefährliche Asteroiden derzeit „im Anmarsch“?

Michael Khan: Wir kennen 1150, die der Erde in den nächsten hundert Jahren nahe kommen und die größer als 150 Meter sind. Aber wir kennen im Moment keinen, der auf Kollisionskurs wäre. Wir behalten diese Asteroiden dennoch alle im Auge, denn es kann passieren, dass einer – etwa durch einen Zusammenstoß mit einem anderen Asteroiden – seine Flugbahn ändert. Dann könnte es eng werden. Hinzu kommen noch viele Tausende Asteroiden, die wir eben noch nicht kennen.

Ist die Menschheit dafür gerüstet?

Michael Khan: Es gab Studien für ein Testprojekt namens Don Quijote. Dabei hätte eine Sonde einen harmlosen Ziel­asteroiden beobachtet, die andere wäre direkt und mit hoher Geschwindigkeit auf ihn gelenkt worden. Ziel war es, durch den Aufprall die Flugbahn des Asteroiden zu verändern. Wir wollten wissen, wie wir die Asteroidenbahn ändern können – vorsichtshalber an einem Körper, von dem wir wissen, dass er uns nie gefährlich werden kann. Das Projekt wäre technisch machbar, liegt aber unter anderem aus finanziellen Gründen zunächst auf Eis.

Und nun?

Michael Khan: Voraussetzung für die Asteroidenabwehr ist ein Netzwerk aus Teleskopen auf der Erde, damit wir alle Impact-Kandidaten im Blick behalten. Ziel ist es nun, eine weltweite Kommission aus den führenden Raumfahrtnationen zu bilden, die gemeinsam Technologien für den Notfall entwickelt. Eines Tages werden wir sie brauchen.

Kathrin Basaran

tz-Stichwort Einschlag

Der Einschlag eines Asteroiden mit 200 Metern Durchmesser reicht aus, um Deutschland zu verwüsten, 500 Meter Durchmesser genügen, um einen Kontinent auszulöschen. Ab 800 Metern oder mehr rechnet man mit globalen Auswirkungen. Michael Khan warnt: „Es reicht, wenn ein solcher Körper eine Metropole wie New York zerstört. Nachdem die ganze Welt vernetzt ist, viele wirtschaftliche Vorgänge global verbunden sind, kann auch so ein Einschlag chaotische Auswirkungen für die Weltwirtschaft haben – also für uns alle.“

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